Bayer vs. BVB: Angriff auf den Spitzenreiter - DER SPIEGEL
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Bayer vs. BVB Angriff auf den Spitzenreiter

Der Vorsprung ist riesig, der Druck für den Verfolger immens. Leverkusen muss zum Rückrundenauftakt Tabellenführer Dortmund schlagen. Sonst ist die Deutsche Meisterschaft wohl entschieden. Das würde auch den Bayern missfallen.
BVB-Profi Großkreutz (r.) und Bayer-Spieler Vidal: "Die kommen nicht ungeschoren davon"
BVB-Profi Großkreutz (r.) und Bayer-Spieler Vidal: "Die kommen nicht ungeschoren davon"

BVB-Profi Großkreutz (r.) und Bayer-Spieler Vidal: "Die kommen nicht ungeschoren davon"

Foto: Achim Scheidemann/ dpa
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Gegen 22.20 Uhr könnte alles vorbei sein. Das Titelrennen in der Fußball-Bundesliga, entschieden bereits am 18. Spieltag. Wenn Borussia Dortmund, der souveräne Herbstmeister, zum Rückrundenauftakt beim wie Mainz zehn Punkte zurückliegenden Tabellendritten Leverkusen (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gewinnt. "So gut wie durch", sei das Thema Meisterschaft dann, urteilt Bayer-Rückkehrer Michael Ballack.

Dessen Sportchef Rudi Völler hat dem BVB sogar schon vor der ersten Partie nach der mit 26 Tagen kürzesten Winterpause der Bundesliga-Geschichte zum Titelgewinn gratuliert. So klingt das, wenn man dem Gegner nur das Schlechteste wünscht, es aber nicht so richtig sagen will.

Immerhin schaffte es Völler noch, so etwas wie eine unverhohlene Kampfansage an die Dortmunder hinterher zuschieben. "Die ganze Bundesliga schaut auf uns. Wir wollen versuchen, dem BVB alles abzuverlangen und das Spiel zu gewinnen."

Dem FC Bayern fehlen sogar 14 Punkte auf Dortmund. Angesichts dieses Rückstands gibt sich Vereinspräsident Uli Hoeneß ungewohnt zurückhaltend. Seine Münchner könnten den Deutschen Meistertitel nur erfolgreich verteidigen, wenn Bayer den Bayern Schützenhilfe leiste. Mit einer Niederlage Dortmunds in Leverkusen "kommt bei denen sofort Unruhe rein", unkte Hoeneß.

Es ist ein leicht zu durchschauendes Szenario, das die Konkurrenten des BVB vor dem West-Schlager entwerfen. Sie wollen den Spitzenreiter einlullen. Die Rollen vor dem Duell am Freitagabend sind klar verteilt: Gastgeber Leverkusen muss gewinnen, Dortmund könnte selbst mit einem Unentschieden leben.

Ob es nachher sieben, zehn oder 13 Punkte Vorsprung auf Leverkusen sind, sei doch "völlig wurscht", sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Seinem Kollegen Jupp Heynckes dürfte es nicht egal sein. Sein Team soll den Abstand verringern, damit der Deutsche Meister am Ende nicht Dortmund heißt. Sondern Leverkusen.

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Bundesliga-Rückrunde: Dortmunder Dauerjubel, Leverkusener Leiden

Foto: Ronald Wittek/ dpa

Der 65-Jährige war mit Bayer im Vorjahr bereits Herbstmeister. Um den Druck von der Mannschaft fern zu halten, vermieden die Verantwortlichen damals, öffentlich Titelansprüche zu stellen. Das Konzept ging nicht auf. Am Ende rutschte Leverkusen noch bis auf Platz vier ab. Meister wurde Heynckes' ehemaliger Verein, der FC Bayern, der einen Rückstand von zwischenzeitlich acht Punkten aufholte.

In diesem Jahr ist Leverkusen der erste Verfolger des Spitzenreiters. Und mit einem Sieg über Dortmund bietet sich nun die große Chance, die Geschichte von einst umzuschreiben. Heynckes weiß das. "Die kommen nicht ungeschoren davon", weicht der 65-Jährige vom Leverkusener Schmusekurs ab.

Das Team um René Adler, Arturo Vidal, Sidney Sam und Renato Augusto gilt zu Recht als eines der spielstärksten in Deutschland. Schnelles Passspiel und variable Offensivaktionen machen Leverkusen so gefährlich. Zudem kann Heynckes wieder auf den lange verletzten Ballack zurückgreifen, im Angriff soll der genesene Stefan Kießling neben Patrick Helmes auflaufen.

Soviel Handlungsspielraum beim in der Hinrunde von vielen Verletzungen geplagten Dortmund-Jäger macht selbstsicher: Heynckes erhöht den Druck. Auf sein Team und den Gegner. Dem BVB prophezeit er eine Schwächephase in der Rückrunde.

Leverkusen kann sich rühmen, dem BVB, der Über-Mannschaft der Hinrunde, eine von nur zwei Niederlagen in der Bundesliga zugefügt zu haben. Sollte dies nach dem verdienten 2:0-Auswärtssieg vom ersten Spieltag dieser Saison erneut gelingen, wären Bayers permanente Weigerungen, von der Meisterschaft zu sprechen, genauso drollig wie jene der Dortmunder.

Doch vielleicht kommen Sportchef Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ja gar nicht in diese Verlegenheit. Die Leverkusener Heimbilanz ist mies (nur drei Siege), die Auswärtsbilanz der Dortmunder (acht Siege) beinahe makellos. Damit nicht schon am Freitagabend, im eigenen Stadion, die höhnischen "Vizekusen"-Rufe der Dortmunder Fans erklingen, muss Bayer die Schwächen der Konkurrenz konsequent nutzen.

Der Beweis dafür steht (noch) aus. Am letzten Spieltag der Hinrunde verlor der BVB nach 14 Partien mal wieder. Das 0:1 in Frankfurt offenbarte erstmals so etwas wie Ermüdungserscheinungen bei der Klopp-Truppe. Doch während der FC Bayern 5:3 in Stuttgart gewann, holte Leverkusen zu Hause nur mit Mühe einen Punkt gegen Freiburg.

Dieser Freitag wäre aus Leverkusener Sicht ein guter Zeitpunkt, mit der Aufholjagd zu beginnen. Sonst ist das Titelrennen der Bundesliga gegen 22.20 Uhr wohl wirklich entschieden.