Bayern : Bayer 4-1 Christoph Daum kann in München nicht gewinnen
München - Unmittelbar nach dem Abpfiff stand Leverkusens Torben Hoffmann völlig deprimiert neben dem Spielfeldrand. In der 58. Minute hatte sein Trainer dem Leiden des 25-Jährigen ein Ende bereitet und ihn ausgewechselt. Hoffmanns Elend und das der Bayer-Mannschaft hatte indes viel früher begonnen, sehr früh.
Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da hatte der Manndecker eine Flanke von Giovane Elber unhaltbar für seinen Keeper Matysek ins Tor abgefälscht. "Das war ein E-Jugend-Fehler, den man nicht schön reden kann", grantelte Bayer-Manager Reiner Calmund zur Pause, "man muss ihn selber mal hinterher fragen, was er sich dabei gedacht hat." Nach neunzig Minuten sagte Hoffmann: "Es tut mir für die Mannschaft sehr leid."
Vor der dürftigen Kulisse von 31.000 Zuschauern im Olympiastadion brauchte Bayer eine Zeit, um sich von dem raschen Schock zu erholen, erspielte sich Feldvorteile, doch kurz vor der Pause folgte der zweite Knacks für die Mannschaft von Christoph Daum. Der zuletzt harsch kritisierte Stefan Effenberg erzielte nach einem Konter das 2:0 - damit war der Elan der Gäste völlig gebrochen. Dem 3:0 durch Mehmet Scholl (56.) folgte dann zwar noch das 1:3 durch ein tolles Freistoßtor von Michael Ballack (65.) und ein letztes Aufbäumen Leverkusens, schließlich aber blieb es Einwechselspieler Alexander Zickler in der Nachspielzeit wieder aus einen Konter heraus vorbehalten, den Endstand zum 4:1 zu besorgen.
Seit dem 21. Oktober 1989 hat Bayer nun beim Angstgegner Bayern nicht mehr gewonnen, und Christoph Daum muss als Trainer nach seinem neunten Versuch auch weiterhin auf den ersten Auswärtssieg beim Rekordmeister warten. Aber auch für die Münchner ging an diesem Abend nicht alles glatt: Ausgerechnet die Leistungsträger Effenberg und Lothar Matthäus müssen nach der fünften Gelben Karte am Samstag im Lokalderby gegen Unterhaching zuschauen. Auf der Gegenseite traf es Robson Ponte.
Zwischen der 2. und 45. Minute regierte bis auf wenige Ausnahmen die Langeweile: Beide Teams neutralisierten sich schon im Mittelfeld, vielen Zweikämpfen standen wenige Torraumszenen gegenüber. Zwei Brasilianer weckten die Fans kurz aus dem "Winterschlaf" unter Flutlicht: Zunächst vergab Robson Ponte (22. Minute) für Leverkusen die Chance zum 1:1, als er von der Strafraumgrenze abzog, in Nationaltorhüter Oliver Kahn aber seinen Meister fand. Das mögliche 2:0 hatte Elber zwei Minuten nach später bei der ersten Chance der Bayern auf dem Fuß: Nach herrlichem Lupfer von Scholl zog der Brasilianer aus zehn Metern volley ab - knapp drüber.
Nach der Pause regierte der Rekordmeister, das 3:0 von Scholl nach Vorarbeit von Effenberg fiel folgerichtig. Der Ehrentreffer für die angeschlagenen Gäste durch Michael Ballack (65.) kam schon zu spät, um der Partie noch eine Wende zu geben. Elber (72.) vergab seine beste Chance des Spiels zum 4:1; wenig später knallte der Schuss des eingewechselten Leverkuseners Paulo Rink (75.) an den Pfosten. Stefan Effenberg machte Bayer nach der deprimierenden Niederlage Mut: "Ich glaube, dass Leverkusen trotz dieser Niederlage am Ende unser ärgster Verfolger sein wird."