Bayern - HSV 2-1 "Schlechter als schlecht"
München - Über dem nächtlichen Stadion blitzte ein prächtiges Feuerwerk, auf dem Platz vermisste der "Kaiser" zündende Ideen. "Das Feuerwerk während der 90 Minuten war sehr spärlich", beschrieb Franz Beckenbauer einen glücklichen Vorrunden-Abschluss, und richtig zufrieden war nach dem letzten Heimspiel des FC Bayern München im Jubiläumsjahr niemand. Als Tabellendritter rückten die Bayern zwar wieder an die Bundesligaspitze, doch sie schwächelten gegen den HSV wie in der gesamten Hinrunde.
"Durch den Sieg sind wir vorne mit dabei. Aber wir sind nicht ganz oben, wie wir uns das vorgestellt haben", zog der Präsident die Halbzeitbilanz einer Achterbahn-Saison, in der sich die Münchner mit großer Mühe im Titelrennen hielten. Die Bilanz gegen den HSV ist hingegen glänzend: Seit 18 Jahren, seit dem 4:3 am 24. April 1982, warten die Hanseaten im Nord-Süd-Klassiker vergeblich auf einen Sieg im Olympiastadion. Die Niederlage am Mittwoch nach einer 1:0-Führung war eine der bittersten. "Das passt momentan bei uns ins Bild", sagte Trainer Frank Pagelsdorf. Bernd Hollerbach konnte es gar nicht fassen: "Langsam verstehe ich die Welt nicht mehr."
Nur vier starke Minuten von Elber hatten genügt, um mit den Saisontoren Nummer acht (64.) und neun (68.), seinem insgesamt 18. "Doppelpack" in der Bundesliga, die Bayern wieder auf Kurs zu bringen und den HSV in tiefe Verzweiflung zu stürzen. "Zwei Tore aus dem Nichts, zwei katastrophale Tore", haderte Pagelsdorf, der diesmal nach dem Treffer von Sergej Barbarez (28.) auf ein Ende des sportlichen Tiefs gehofft hatte: "Wenn man hier führt, muss man das auch mal schaffen." Fünf Auswärtsniederlagen in Folge hat der in die untere Tabellenhälfte abgerutschte HSV jetzt auf dem Konto.
Die Bayern mogelten sich mal wieder durch und übten nach dem "mühsamen Arbeitssieg" (Trainer Ottmar Hitzfeld) jede Menge (Selbst-)Kritik. Beckenbauer wähnte "einige Spieler mit dem Kopf schon an der
Copacabana" und bemängelte: "Das Spielerische ist etwas abhanden gekommen." Das Zuschauen mache keinen Spaß mehr. Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge sah "wieder mal Krampf, was wir da zusammen gespielt
haben". Oliver Kahn spürte Verunsicherung: "Man hat der Mannschaft angemerkt, dass sie sich in diesen Tabellenregionen nicht wohl fühlt." Trotz des Auf und Ab in dieser Saison und sichtbarer Verkrampfung glauben die Münchner weiter an den Titel. "Wir haben nach wie vor die Chance, Meister zu werden", sagte Hitzfeld.
Von Andrea Wimmer, dpa
Bayern München - Hamburger SV 2:1 (0:1)
0:1 Barbarez (28.)
1:1 Elber (64.)
2:1 Elber (68.)
Bayern München: Kahn - Kuffour (46. Santa Cruz), Sforza, Linke
- Salihamidzic, Jeremies, Effenberg, Tarnat - Sergio (76.
Andersson), Elber (86. Zickler), Scholl
Hamburg: Butt - Ujfalusi, Hoogma, Panadic, Hollerbach -
Töfting, Mahdavikia (74. Yilmaz), Kovac (82. Doll), Präger (66.
Heinz) - Barbarez , Meijer
Schiedsrichter: Strampe (Handorf)
Zuschauer: 32.000
Gelbe Karten: Tarnat (5), Sergio (2) - Barbarez (5/1), Kovac
(5), Panadic (3), Ujfalusi