Bayern München: Hoeneß verspürt psychologischen Druck - DER SPIEGEL
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Bayern München Hoeneß verspürt psychologischen Druck

Vor den entscheidenden Saisonspielen gegen Hamburg und Valencia wirken die Spieler des FC Bayern München gelöst. Nur einer ist a bisserl angespannt.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - "Sie nerven hier langsam gewaltig", blaffte Uli Hoeneß quer über das Vereinsgelände des FC Bayern. Ausnahmsweise war aber kein Reporter Ziel der Attacke, sondern ein Mann mit halbleerer Roséflasche in der Hand und einem brasilianischen Nationaltrikot auf dem Leib. Der stand vor der Schranke an der Säbener Straße und brüllte pausenlos hinüber: "Valencia gewinnt 3:0. Die reißen Euch so richtig den A... auf! Ihr habt keine Chance, Ihr Flaschen!"

Während jeder der zahlreichen Umstehenden den Störenfried ignorierte, fühlte sich Uli Hoeneß von dessen Angriffen getroffen. Seit 22 Jahren ist der gebürtige Ulmer Manager in Diensten des FC Bayern, und deshalb wäre es die endgültige Bestätigung seiner Arbeit, sollte sein Club nächsten Samstag beim Hamburger SV die deutsche Meisterschaft und, noch wichtiger, am darauffolgenden Mittwoch das Champions-League-Finale in Mailand gegen Valencia gewinnen.

Erinnerungen an 1974

Und so gestand Hoeneß bei der Pressekonferenz vor der Abreise zum Bundesligasaisonfinale in Hamburg, dass er im Falle eines Sieges gegen Valencia sogar seine "erste Zigarre seit 30 Jahren rauchen würde". Vor fast 30 Jahren, im Sommer 1974, gewannen die Münchener erstmals den Europapokal der Landesmeister. Und nach dem Sieg gegen Atletico Madrid in Brüssel erinnerte sich Hoeneß, habe es bei seinem Mitspieler Johnny Hansen "reichlich Aquavit" und dann noch eine Zigarre gegeben - "das hat gereicht bis heute".

Nun aber sind ja auch FC-Bayern-Zigarren in Produktion. Das, so Hoeneß, habe man sich von Real Madrid abgeschaut. Die Nachfolge des spanischen Titelverteidigers, der im Halbfinale an den Bayern gescheitert war, würde der Manager ohnehin gern antreten: "Sich oben an der europäischen Spitze zu halten ist viel schwieriger, als einmal dahin zu gelangen."

Der enorme psychologische Druck

Mit welcher Mannschaft sich der FC Bayern an der Spitze halten will, dazu gab sich der Manager einsilbig. Die Kovac-Brüder kommen, Stefan Effenberg und Giovane Elber bleiben garantiert, verkündete er, und die Anmerkung eines Journalisten, der umworbene Peruaner Claudio Pizarro sei doch genau so ein Typ wie Elber, kanzelte Hoeneß unwirsch ab: "Das überlassen Sie mal uns. Wir verstehen mehr davon." Die Anspannung vor den entscheidenden fünf Tagen der Saison war dem 49-Jährigen deutlich anzumerken. Die Mannschaft - und auch er - "stehe unter enormem psychologischen Druck".

Davon allerdings war bei Oliver Kahn wenig zu spüren. Der Bayern-Keeper wirkte nach dem Training ebenso konzentriert wie gelöst: "Wir haben schon so viele wichtige Spiele, Halbfinals, Finals gespielt. Ist doch immer das Gleiche: Rasen ist grün, Spiel dauert 90 Minuten." Pause. "Manchmal auch 94."

"50.000 gegen uns - das ist wunderschön!"

Neben dem bisschen Humor versprühte Kahn vor allem ungeheuren Siegeswillen und strapazierte die beim FC Bayern längst zum Markenzeichen erhobene "Winner-Mentalität". Zwar sei der angeschlagene Hamburger SV mit seiner verkorksten Saison der gefährlichste Gegner, den man am letzten Spieltag bekommen kann, sagte Kahn, "aber wir werden so auftreten, dass die sich genau überlegen, ob sie noch mal alles geben wollen. 50.000 im Stadion werden gegen uns sein - das ist doch wunderschön!"

Den Einwand, dass sich die Bayern nun in der gleichen Situation wie im Vorjahr Leverkusen befänden, wischte Kahn mit einer Handbewegung vom Tisch: "Leverkusen ist Leverkusen. Wir sind der FC Bayern." Und deshalb ist er auch "zu 100 Prozent überzeugt, dass wir Meister werden und die Champions League gewinnen." Zweifel? Nur kleine: "Wenn es eine Gerechtigkeit im Fußball gibt, die es übrigens nicht gibt, dann holen wir den Cup."

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