Bayern München Neustart mit Holländer
Hamburg - Hartelijk welkom Louis van Gaal. Mit sieben Zugängen, darunter auch Stürmerstar Mario Gomez, hat Bayern München unter seinem Wunschtrainer den ersten Trainingstag absolviert. Die Ära van Gaal begann mit rund 40-minütiger Verspätung. Um 11.11 Uhr betrat der 57-Jährige mit Trillerpfeife und Stoppuhr um den Hals den Trainingsrasen.
Die ersten Kommandos gab der Niederländer, der 1995 mit Ajax Amsterdam die Champions League gewann, vor rund 1500 Schaulustigen schon beim Gruppenbild mit seinem Stab: Er sortierte die Assistenten, Betreuer und Physiotherapeuten für die Fotografen. Mit insgesamt 13 Experten, darunter die von ihm mitgebrachten Andries Jonker (Co-Trainer), Jos van Dijk (Trainingssteuerung) und Max Reckers (Video-Analyse), nimmt van Gaal den Dienst auf.
Nicht nur die Videokameras sind neu am Leistungszentrum, auch sonst hat sich nach dem Klinsmann-Intermezzo einiges getan. Wände wurden gezogen und Türen eingebaut. Zudem mussten Klinsi-Ideen wie die Kinderecke, das DJ-Pult und die wenig genutzte Bibliothek weichen. Während sich der gescheiterte Vorgänger Jürgen Klinsmann ein Jahr zuvor nur mit einer Rumpftruppe nach der EM hatte begnügen müssen, stand der von mehreren Fernsehsendern live übertragenen Einheit die fast komplette Mannschaft zur Verfügung. Nur der Brasilianer Lúcio und der Italiener Luca Toni, die beim Confed Cup mit ihren Nationalmannschaften zum Einsatz gekommen waren, haben noch Urlaub. Bastian Schweinsteiger ist nach seinem Eingriff am Knie noch nicht wieder voll belastbar.
Dagegen dribbelte Franck Ribéry, der zuletzt mit mehreren Clubs in Verbindung gebracht worden war, ebenso durch den Hütchen-Parcours wie die neuen Spieler, die für insgesamt rund 50 Millionen Euro gekommen waren: Gomez, Ivica Olic, Anatoli Timoschtschuk, Danijel Pranjic, Edson Braafheid, Alexander Baumjohann und Rückkehrer Andreas Görlitz. Auch die aus dem eigenen Nachwuchs stammenden Talente Holger Badstuber und Thomas Müller trainierten erstmals als Profis mit.
Während die Bayern als drittletzter Bundesligist vor Werder Bremen und dem Hamburger SV das Training aufnahmen, richtete Lúcio aus seiner Heimat schwere Vorwürfe an seinen Arbeitgeber. "Bayern und die Berichte über mich haben eine Situation kreiert, die alles andere als schön ist. Deshalb ist ein Wechsel sinnvoll, wenn es ein tolles Angebot gäbe", sagte Lúcio in einem Interview mit der Münchner "tz".
Der Kapitän des fünffachen Weltmeister ließ offen, ob er nach seinem Urlaub am 16. Juli das Training bei den Bayern aufnimmt. "Nie würde ich nicht sagen. Ich müsste ja noch meinen Spind ausräumen." Lúcio, der beim 3:2-Finalsieg über die USA die Brasilianer zum Gewinn des Confederation Cups geschossen hatte, fühlt sich von den Bayern im Stich gelassen, weil der Verein zu den Spekulationen über seine sportliche Zukunft in München keine Stellung bezogen hat.