Bayerns Sieg im Supercup Die Rache der alten Männer
Robert Lewandowski (r.) uns Thomas Müller
Foto: Silas Stein/ dpaNiko Kovac hatte noch ein wenig Konfetti auf der Schulter, als er die Pressekonferenz am späten Sonntagabend beendete. Seriös dreinblickend legte er die Fingerspitzen der beiden Hände aufeinander, dann überbrachte er eine schlechte Nachricht für die Bundesliga: "Ich glaube, dass die Trotzreaktion heute zu sehen war. Und in der ganzen Saison zu sehen sein wird."
Gemeint waren die Nationalspieler seiner Mannschaft, die sich nach dem Ausscheiden bei der WM rehabilitieren wollen, die sich "gegenseitig pushen", wie Kovac sagte. Denen müsse man gar nichts sagen. Fast so, als ob er als neuer Trainer des FC Bayern München gar nichts dafür kann, dass die Mannschaft im DFL-Supercup Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion mit 5:0 demontierte.
Damit schlug Kovac natürlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn somit wäre er ja auch gar nicht für die Blamage seines ehemaligen Klubs verantwortlich. Er bemühte sich auch, seinen Freunden bei der Eintracht noch eine gute Nachricht zu übermitteln: Der neue Trainer Adi Hütter habe "ein gutes Fundament. Ich bin zuversichtlich, dass Frankfurt eine gute Saison spielen wird", so Kovac.
"Jeder will sich anbieten"
Die Nationalspieler der Bayern lagen sich nach der Partie zwar nicht freudetrunken in den Armen, aber kurze Gesänge aus der Gästekabine waren nach der Siegerehrung schon zu hören. "Wir wollten heute ein Zeichen setzen. Und nach einem 2:0 oder 3:0 auch durchziehen", sagte Thomas Müller. Das habe Spaß gemacht. Es hörte sich an wie: Ihr lernt uns jetzt alle noch einmal so richtig kennen. Laut Müller hat aber Niko Kovac sehr wohl etwas mit der guten Frühform der Spieler zu tun: "Die Motivation ist sehr hoch, jeder will sich anbieten."
Der WM-Stachel mag tief sitzen. Aber eigentlich waren die deutschen WM-Ausscheider gar nicht die entscheidenden Protagonisten des Abends, auch wenn Joshua Kimmichs butterweiche Flanke vor dem 1:0 eine "Topaktion war, die das Spiel öffnete", wie Kovac sagte. Es gibt noch andere Gründe, wieder Gas zu geben. In Wahrheit dürfte Kovacs 3:1-Pokalsieg mit Frankfurt gegen Bayern vor knapp drei Monaten ebenfalls ein Stachel sein, den sich die Spieler ziehen wollten. Die Startelf war voll mit bewährten Kräften wie Arjen Robben und Franck Ribéry, die es laut Kovac alle noch einmal wissen wollen. Insgesamt neun Spieler, die auch in Berlin im Finale standen, waren von Beginn an dabei.
Zweitens gab es da noch einen anderen WM-Ausscheider, einen polnischen, der obendrein im Frühjahr besonders schwere Wochen beim FC Bayern verbracht hatte: Ausgerechnet Robert Lewandowski erzielte die ersten drei Tore des Spiels (21., 26., 54.). "Das war eine super Antwort auf egal welche Fragen und Attacken", sagte Müller über Lewandowskis Dreierpack.
Lewandowski erinnerte an seine besten Tage
Der Stürmer, der drei Tage vor dem Bundesliga-Start gegen TSG Hoffenheim 30 Jahre alt wird, war im Frühjahr von Bayern-Fans kritisiert worden, weil er in entscheidendenChampions-League-Spielen nie treffe. Später rankten sich Wechselgerüchte um ihn, Lewandowski wollte weg. Am Sonntagabend aber blühte er wieder auf. Ihm war es sogar gelungen, in David Abraham einen Gegenspieler dermaßen zu nerven, dass dieser sich bisweilen nur noch mit Tätlichkeiten zu helfen wusste. Lewandowski musste viel einstecken. Und dass ihn das nicht hemmte, erinnerte an seine besten Tage.
Niko Kovac: Zwei Spiele, zwei Titel
Es war auch sonst vieles wie früher: Arjen Robben beackerte fleißig die rechte Seite, wenngleich etwas defensiver als sonst. Franck Ribéry harmonierte gut mit David Alaba bis zu dessen humpelndem Abgang - das 5:0 durch Thiago fiel dann noch in Unterzahl. Die noch nicht diagnostizierte Verletzung des Österreichers trübte am Sonntag die Stimmung in der Kabine ein wenig. Mats Hummels ließ nichts anbrennen, auch auf Kosten einer dunkelgelben Karte. Manuel Neuer wirkte wieder wie ein ruhender Pol, der kaum gefordert war, aber so konzentriert am Spielaufbau mitwirkte wie eh und je.
Eine Personalie ist noch nicht geklärt
Kurz: Die alten Bayern sind in alter Qualität und fast in derselben Besetzung zurück, in der sie jahrelang die Liga dominierten. Es gibt keinerlei Anzeichen, warum sich das ändern sollte, zumal die Jüngeren den Konkurrenzkampf hochhalten - und der junge Trainer Kovac nun seine Pflichtspiel-Feuertaufe bestanden hat. "Wir freuen uns für Niko, dass er so einen Start in die Saison hat, das erleichtert vieles", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.
Eine Personalie ist allerdings noch nicht geklärt: Bleibt Jérôme Boateng nun in München oder nicht? Sein vermeintlicher Lieblingsklub Paris Saint-Germain hat in Thilo Kehrer ein überraschend junges Talent von Schalke 04 verpflichtet, der englische Transfermarkt ist bereits geschlossen. Die Bayern-Vereinsspitze würde ihm zwar keine Träne nachweinen. Doch wie einige andere Spieler würde sich auch Thomas Müller freuen, wenn Boateng bliebe. "Jérôme ist ein ganz wichtiger Spieler", sagt Müller über den Verteidiger, der offiziell in Frankfurt wegen einer Verletzung fehlte. Bliebe er, dann wäre die alte Garde komplett.