Bayern-Sieg gegen Madrid: "Die Mannschaft lebt" - DER SPIEGEL
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Bayern-Sieg gegen Madrid "Die Mannschaft lebt"

Ein dummer Platzverweis für Mark van Bommel - trotzdem war Bayern-Trainer Hitzfeld zufrieden: Seine Jungs triumphierten in der Champions League gegen Real Madrid. Überragender Spieler auf dem Platz war Hasan "Brazzo" Salihamidzic.
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Es sind nur noch wenige Dinge im Fußball, die Ottmar Hitzfeld irritieren können. Wortgefechte nach einem Elfmeterpfiff und dämliche Drängeleien an der Strafraumgrenze sind es jedenfalls nicht, mögen sie auch in einem Platzverweis für zwei Spieler münden. Bayerns Mittelfeldstratege Mark van Bommel musste in der 83. Minute ebenso wie Mahamadou Diarra vorzeitig vom Platz und sorgte mit seiner Unbeherrschtheit dafür, dass den Münchnern in den folgenden elf Minuten inklusive üppiger Nachspielzeit gelegentlich die Ordnung verloren ging.

Doch Ottmar Hitzfeld wollte sich an diesem Abend einfach nicht über irgendeinen seiner Spieler ärgern, mochte er sich auch in mancher Szene noch so dumm angestellt haben. Den Trainer regte allenfalls der durchaus zweifelhafte Elfmeter für Real auf. Lucio gegen Robinho hatte das Duell beim Stande von 2:0 für die Bayern geheißen, Ruud van Nistelrooy ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, obwohl Kahn sich in die richtige Ecke streckte.

"Das war gar kein Elfmeter. Das war eher ein Stürmerfoul von Robinho", echauffierte sich Hitzfeld keineswegs zu Unrecht. Dass Schiedsrichter Lubos Michel ein paar Minuten später einen Treffer Reals wegen eines Handspiels nicht anerkannte – und dabei mindestens ebenso genau hingesehen hatte wie beim Strafstoß - erwähnte Hitzfeld verständlicherweise nicht. Sein Fazit nach eingehender Schelte an den Slowaken lautete denn auch: "Die letzten zehn Minuten hätte ich mir gern erspart."

Zehn Minuten lang war es also eine Zitterpartie, ehe der Einzug in Viertelfinale perfekt war - bis dahin hatte Bayern die Spanier nach Roy Makaays Blitztor weitgehend beherrscht. Hitzfeld war stolz, "diesen Großclub" aus dem Rennen geworfen zu haben, denn Spiele gegen Real, das wurde er nicht müde zu versichern, seien eben etwas ganz Besonderes. Dass die Bayern Real nach zwei Pleiten 2002 und 2004 endlich wieder aus dem Rennen werfen konnten, lag auch an einem Schachzug Hitzfelds. Der neue Bayern-Coach durfte sich selbst beglückwünschen, einen alten Intimus trotz Knieproblemen aufgeboten zu haben: Hasan Salihamidzic lieferte eine prächtige Partie, und allein sein Erscheinen auf dem Platz schien Gegenspieler Roberto Carlos derartig verunsichert zu haben, dass der Brasilianer gleich den ersten Ball verspringen ließ. Salihamidzic sprintete im gefühlten ICE-Tempo los und servierte Makaay nach seinem Flügelsprint eine perfekte Vorlage zum 1:0.

Salihamidzic, das sollte man wissen, ist neben Mark van Bommel (der bei Reals Erzrivalen FC Barcelona spielte; die Red.) der wohl unbeliebteste Bayern-Spieler in Madrid, seit er vor Jahren einmal mit Roberto Carlos zusammengerasselt war. Seine Privatfehde mit dem brasilianischen Nationalspieler wird wohl niemals abkühlen, solange beide auf dem Platz stehen. Eindeutiger Punktsieger an diesem Abend war Salihamidzic, der vom sonst zurückhaltenden Manager Uli Hoeneß als "überragend" bezeichnet wurde. Carlos hingegen wurde von der heimischen Presse zum Hauptverantwortlichen für die Niederlage Madrids gemacht.

Auch noch nach dem Match war der Bosnier beseelt wie kein zweiter im Bayern-Kader. Während Mark von Bommel noch halbwegs nüchtern über seinen Platzverweis diskutierte, geriet Salihamidzic ins Schwärmen. Dank des Reanimateurs Hitzfeld habe die Mannschaft eine ganz neue Dynamik entwickelt, beteuerte der Allrounder: "Der Teamgeist ist zurück. Die Mannschaft lebt. Jeder kann sich auf jeden verlassen." Er selbst ließ im Schnelldurchlauf all seine Jahre seit 1998 in München passieren, in denen er "mit Herz hier gespielt" habe. Bevor es ihn im Sommer zu Juventus Turin zieht, wolle er den besten Abschied, den man sich vorstellen kann, sagte Salihamidzic: "Wenn möglich mit einem Titel – oder mit zwei." Im DFB-Pokal sind die Bayern nicht mehr vertreten. Bleiben noch die Meisterschaft - und eben die Champions League.

Wenn man "Brazzo", wie die Bayernfans den bosnischen Publikumsliebling nennen, an diesem Abend zusah, dann wurden schnell Erinnerungen an 2001 wach, als Salhamidzic mit seinem aggressiven Stil unter Hitzfeld einer der prägenden Spieler im Bayern-Kader war und die Münchner am Ende die Champions League im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia gewannen. Zuvor hatten sie Real Madrid ausgeschaltet.

Seit der Bayern-Trainer wieder Hitzfeld heißt, ist der einstige Schlüsselspieler Salihamidzic wieder aufgeblüht. Doch Geschichte wiederholt sich selten, und beim FC Bayern sollte man sich von der Rückkehr Hitzfelds nicht zu viele Wunder versprechen. Denn Real Madrid, das war ab der ersten Ballberührung von Roberto Carlos zu spüren, stellte an diesem Abend vieles dar, nur kein europäisches Spitzenteam. Das wartet aber schon bald auf die Bayern – garantiert im Viertelfinale.

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