Bayern-Sorgen: Immer nur geradeaus - DER SPIEGEL
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Bayern-Sorgen Immer nur geradeaus

Der Sieg gegen Borussia Mönchengladbach zeigte die bekannten Stärken des FC Bayern - aber auch, woran es manchen Stars der Mannschaft mangelt. In der kommenden Saison werden solche Fehler nicht mehr verziehen.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der FC Bayern hat kein Problem. Er hat gleich zwei. Vielleicht sogar drei.

Wenn es eine Erkenntnis aus dem routiniert abgewickelten Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach gibt, dann ist es diese. Denn die Sensation blieb wieder einmal aus, Luca Toni und Miroslav Klose trafen mit aller Selbstverständlichkeit der Welt und beim Gegentreffer sah Michael Rensing im Bayerntor nicht gut aus - auch wenn der Ball arg flatterte. An einem Jens Lehmann wäre der Schuss von Marcel Ndjeng mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht vorbeigekommen.

Womit wir bei den Problemen sind, die, wie sollte es anders sein beim FC Bayern, eher Luxussorgen darstellen. Allerdings nur, solange die Übermannschaft der Bundesliga keinen Härteprüfungen in der Champions League ausgesetzt ist. Im kommenden Jahr aber soll Rensing die scheidende Nummer Eins Oliver Kahn nicht nur in DFB-Pokal, Uefa-Cup und Bundesliga vertreten, sondern auch in der Königsklasse vollwertig ersetzen.

Dann wird sich der 23-Jährige solche Schwächen bei der korrekten Berechnung von Fernschüssen, wie er sie gegen Roter Stern Belgrad und Mönchengladbach offenbarte, aber nicht mehr erlauben dürfen. Denn gegen den AC Mailand oder den FC Chelsea lassen sich derart überflüssige Gegentore nicht mehr so einfach ausbügeln.

Niemand weiß das besser als Kahn. Als er einmal einen Freistoß aus gefühlten fünfzig Metern von Roberto Carlos ins Eck glitschen ließ, war ein sehenswertes Spiel der Bayern gegen Real Madrid mit einem Schlag wertlos geworden. Kahn allerdings hatte während seiner titanischen Periode auch einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran, dass der FC Bayern um die Jahrtausendwende mal drei, vier Jahre an der europäischen Spitze mitspielen durfte.

Rensing hingegen erinnert an die Zeit vor Oliver Kahn, als ein gewisser Raimond Aumann das Bayerntor hütete. Auch er schaffte als Riesentalent den Sprung aus der Bayern-Jugend in den Profikader und musste lange hinter einem Weltklassekeeper wie Jean-Marie Pfaff warten, ehe er zum Zuge kam. Wie Rensing verfügte Aumann über irrsinnige Reflexe und entnervte in Eins-gegen-Eins-Duellen selbst Stürmer vom Schlage eines Marco van Basten.

Einfach mal draufhalten

Doch bei hohen Bällen, Fernschüssen oder in der Strafraumbeherrschung zeigte er immer wieder Schwächen, die neben diversen Verletzungen letztlich verhinderten, dass Aumann mehr als ein sehr guter Bundesligaschlussmann wurde. Dass er nach sechs Spielzeiten als Stammkraft im zarten Torwartalter von dreißig Jahren Kahn weichen musste, war nur konsequent.

Rensing wird allerdings nicht soviel Zeit bekommen, sich zu verbessern, so sehr ihn Uli Hoeneß auch manchmal in den Himmel lobt. Das Gleiche gilt für Lukas Podolski, dem Ottmar Hitzfeld gestern nach dem Spiel gegen Mönchengladbach zwar bescheinigte, "eine treibende Kraft in unserem Spiel" gewesen zu sein, aber nur ein paar Atemzüge später anmerkte, dass es "natürlich etwas deprimierend für einen Stürmer" sei, "wenn Toni immer trifft, Klose immer trifft, und man kommt selbst nicht zum Zug".

Podolski durfte für sich verbuchen, Toni beide Treffer aufgelegt zu haben - doch beide Vorlagen waren keine überragenden Aktionen. Beim ersten Tor tröpfelte die eher harmlose Flanke am überraschten Gladbacher Torwart Christofer Heimeroth vorbei, beim zweiten war die Schusstechnik des Italieners entscheidender als der kluge Querpass des Ex-Kölners.

Eine andere Szene aber demonstrierte deutlich, woran es Podolski mangelt: Da startete er einen Sololauf aus der eigenen Hälfte, war von keinem Gladbacher Abwehrspieler zu stellen und scheiterte nur knapp an Heimeroth. Ein cleverer Stürmer, so lässt sich vermuten, hätte aber rechtzeitig den Laufweg seines hinterherhechelnden Gegenspielers gekreuzt und diesen damit aus dem Spiel genommen oder zum Foul gezwungen. So wurde Podolski, der immer nur geradeaus wollte, am Ende immer weiter abgedrängt und musste aus einem ungünstigen Winkel abziehen. Es war einer jener Momente, in denen klar wurde, was Hoeneß meinte, als er kürzlich die Spielweise seines Sorgenstürmers als "zu offen" kritisierte.

Die dritte Luxussorge des FC Bayern in seinem Vorbereitungsjahr betrifft die defensive Zentrale. Wunderbar demonstrierten die bemerkenswert offensiv eingstellten Mönchengladbacher, wie sich mit präzisen Pässen durch die Mitte das vermeintliche Bollwerk um Lucio, Martin Demichelis und den Doppelsechser Zé Roberto und Andreas Ottl knacken ließ. Doch Oliver Neuville scheiterte zweimal an Rensing.

Der ist im Eins-gegen-Eins-Duell eben kaum zu überwinden. Statt kluge Pässe zu spielen hilft gegen die Bayern im Moment wohl vor allem ein Mittel: Einfach mal draufhalten.

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