Bayern-Talent Müller Bömberchen der Nation
Bayerns Müller: Vier Tore in vier Tagen
Foto: A2585 Frank Leonhardt/ dpaHamburg - Mario Gomez, Ivica Olic, dann auch noch Arjen Robben. Der FC Bayern hat seine ohnehin schon üppig besetzte Offensivabteilung mit großen Namen verstärkt. Wenn Spieler in einer derartigen Qualität und Quantität verpflichtet werden, ist es für Talente aus dem eigenen Nachwuchs in der Regel ein klares Zeichen, ihr Glück lieber woanders zu suchen. Doch Thomas Müller ist geblieben und wird dafür belohnt. In allen fünf Spielen dieser Bundesliga-Saison stand der 20-Jährige auf dem Platz, am vergangenen Wochenende erzielte er in Dortmund seine ersten beiden Ligatore. Zwei weitere Müller-Treffer zum Auftakt der Champions League gegen Maccabi Haifa haben die Stammplatzambitionen des Münchner Eigengewächses unterstrichen.
Wer das Trikot des FC Bayern trägt, Tore schießt und dann auch noch Müller heißt, wird zwangsläufig mit Gerd Müller verglichen. Tatsächlich kennen sich Gerd, der "Bomber der Nation", und Thomas, das Talent, gut. Der 63-Jährige hat den Weg des offensiven Mittelfeldspielers, der auch in der Spitze agieren kann, als Co-Trainer der Drittliga-Mannschaft des FC Bayern intensiv begleitet. "Aus nichts macht der ein Tor", sagt Gerd über Thomas. "Er hat den Riecher."
365 Bundesliga-Tore wie Gerd wird Thomas Müller, der 2000 vom TSV Pähl in Bayerns D-Jugend wechselte, in seiner Karriere vermutlich nicht erzielen. Dennoch trauen ihm die Münchner Verantwortlichen eine erfolgreiche Laufbahn zu. "Der liebe Gott hat ihn mit reichlich Talent gesegnet. Er hat das Zeug, es zu packen", sagt Hermann Gerland, langjähriger Trainer der zweiten Mannschaft und derzeitiger Assistent von Louis van Gaal. In seiner knurrigen Art fügt Gerland hinzu: "Aber er muss auch den Willen haben, täglich dazuzulernen."
Debüt unter Klinsmann, beliebt bei van Gaal
Unter Jürgen Klinsmann debütierte Müller vergangene Saison in der Bundesliga, er kam zu vier Kurzeinsätzen. Sein erstes Champions-League-Spiel wird vielen Bayern-Fans noch lange im Gedächtnis bleiben. Sporting Lissabon wurde beim 7:1 vorgeführt, Joker Müller sorgte damals für den Endstand. Doch trotz des furiosen Starts in seine Karriere arbeitet Müller, der einen Profivertrag bis 2011 besitzt, weiter hart an sich. Im täglichen Training, wie Gerland es fordert, und in den Spielen. Trainer van Gaal wusste er in der Saisonvorbereitung zu beeindrucken. "Thomas ist ein Anspielpunkt, aber er kann auch Tore machen", sagt der Niederländer. "Ich bringe junge Spieler rein, und wenn sie das gut machen, dann können sie weitergehen."
Müller macht es gut. "Ich habe schon das Gefühl, gleichwertig zu sein", sagt er in Richtung der Konkurrenz. "Der Trainer schaut nur auf die Leistung, egal wie alt man ist. Er gibt jedem eine Chance." Dass Müller schon jetzt an der Stammelf kratzt, überrascht jedoch auch ihn: "Von solch einem steilen Aufstieg war nicht auszugehen."
Hoeneß nennt Negativbeispiele Rensing und Kroos
Eine Tendenz zum Abheben, immer eine Gefahr bei Erfolg im jungen Alter, ist bei Müller nicht zu erkennen. Seine Tore feiert er erfrischend sachlich, in Interviews spricht er lieber über die Mannschaftsleistung, verlobt ist er auch schon. Uli Hoeneß mag solche Spieler mit Bodenhaftung. Doch er warnt auch vor Vergleichen mit dem "Bomber der Nation": "Ich werde Thomas nicht zu hoch loben, das hat man schon bei Michael Rensing und Toni Kroos gemacht - und wo sind die jetzt?", sagte der Manager nach dem zweiten Müller-Doppelpack innerhalb von vier Tagen.
"Der junge Müller ist im Moment sicher die größte Überraschung für alle", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim Bankett nach dem Spiel im Hotel in Tel Aviv. Für Müller selbst waren die Treffer gegen Haifa "der krönende Abschluss". Vorerst. Denn der Kampf um die Stammplätze muss täglich weitergefochten werden. Müller ist bereit dazu.