Bayern-TV-Skandal: Einheitsfront gegen den DFB - DER SPIEGEL
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Bayern-TV-Skandal Einheitsfront gegen den DFB

Die sehr kurzfristig ins Programm genommene Live-Übertragung des Pokalspiels zwischen dem FC Bayern und Hannover 96 hat einen Proteststurm ausgelöst. Die Vereine sind empört über den Alleingang des DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und beklagen die Sonderrechte für die Münchner.
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Gelsenkirchen - "Da sieht man, dass es nicht um Sport geht, sondern um reine Sensationslust. Es wird Regressansprüche der Vereine geben. Diese Aktion ist eine einzige Katastrophe für den deutschen Fußball", ereiferte sich Schalkes Manager Rudi Assauer, "das ist typisch für die Führung. Der Präsident alleine kann nicht entscheiden und machen, was er will. Das ist ein absoluter Gipfel der Unverfrorenheit für die Liga."

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte am Mittwoch kurzfristig die Live-Übertragung des Bayern-Spiels gegen Hannover in der ARD gestattet. Ursprünglich sollte nur die Pokalpartie des Titelverteidigers Schalke 04 gegen Mönchengladbach live gezeigt werden. Auch Leverkusens Finanzmanager Wolfgang Holzhäuser bezeichnete die Aktion als "Riesensauerei". Die Empörung der Manager hat nun auch Liga-Chef Werder Hackmann auf den Plan gerufen. "Darüber werden wir im DFB-Präsidium zu reden haben", sagte der DFL-Boss.

DFB verteidigt Entscheidung

Mayer-Vorfelder konnte die Aufregung "in dieser Form" nicht nachvollziehen. "Grundlage der ausnahmsweisen Zustimmung des DFB ist die Tatsache, dass angesichts der sehr kurzfristigen Entscheidung keinem der beteiligten Vereine ein finanzieller Schaden entstanden ist", hieß es in einer am Donnerstag vom DFB verbreiteten Stellungnahme, "vielmehr wurden nicht nur Bayern München und Hannover 96, sondern auch allen anderen am Mittwoch im DFB-Pokal beschäftigten und nicht an einer Live-Übertragung beteiligten Clubs höhere Einnahmen durch die TV-Vereinbarung ermöglicht." Der DFB-Chef, der die "polemischen Äußerungen" Assauers nicht kommentieren wollte, sieht "keinerlei Einfluss auf die Besucherzahlen der anderen Spiele".

Nicht nur, dass erstmals zwei Pokalspiele in einer Runde live übertragen wurden: Mit der Ausstrahlung der Begegnung aus München, für die die ARD zusätzlich knapp zwei Millionen Euro gezahlt haben soll, wurde zudem eine Vereinbarung gebrochen, wonach ein Spiel nicht live zu zeitgleich laufenden Begegnungen übertragen wird. Diese Regelung war getroffen worden, damit die Zuschauer nicht wegen der TV-Ausstrahlung den weiteren Spielen fernbleiben.

"Das sind Gelder, die am Ende fehlen"

Unterstützung erhielt Assauer, dessen Club weniger Geld für die Übertragung als die Bayern erhalten hatte, aus Leverkusen. "Es ist schön für die Fans, die das Bayern-Spiel sehen konnten. Aber es gibt gültige Verträge und Richtlinien, nach denen nur ein Spiel pro Runde live übertragen werden kann. Dass die Vereine nicht gefragt und nicht einmal informiert werden, zeigt deutlich die Haltung des DFB gegenüber den Clubs", sagte Holzhäuser und brachte ebenfalls einen finanziellen Ausgleich für die kleinen Vereine, die möglicherweise geringere Zuschauer-Einnahmen hatten, ins Gespräch: "Ob sie vom DFB finanziell entschädigt werden, darüber wird man reden müssen, aber wir werden die kleinen Vereine bei diesem Bestreben sicherlich unterstützen."

Weiterer Zuspruch kam von Bochums Trainer Peter Neururer. "Es kann doch nicht angehen, dass Bayern einfach mal so ein Fernsehspiel bekommt. Das steigert deren Einnahmen und bei unserem Spiel in Kiel kommen weniger Fans. Das sind Gelder, die Holstein und uns am Ende fehlen", so der Coach.

"In Zukunft die Kaffeepausen übertragen"


Auch die ARD, die sich über 5,68 Millionen Zuschauer (19,8 Prozent) beim Bayern-Spiel und 5,86 Millionen (20,3 Prozent) bei der Schalke-Partie freute, geriet in die Schusslinie von Assauer. Dabei wurde vor allem WDR-Intendant Fritz Pleitgen ins Visier genommen: "Der Pleitgen hat einen Batzen Geld für Sensationslust rausgeschmissen. Wenn das was mit Sport zu tun haben soll, müssen wir aufhören. Das ist eine Lex Bayern. Sollen sie doch auch sonst alle Bayern-Spiele live zeigen." ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf wies die Vorwürfe zurück: "Es kann uns doch keiner verbieten, dass wir im Sinne der Zuschauer handeln. Die Quoten bestätigen meine Auffassung."

Stuttgarts Manager Rolf Rüssmann flüchtete sich auf das Thema angesprochen sogar in verächtlichen Spott: "In Zukunft wird das Frühtraining, die Kaffeepause und das Zubettgehen beim FC Bayern München auch noch live im Fernsehen übertragen. Das ist alles Zirkus, aber wenn wir einen Teil der Kohle von der Quote bekommen, soll es uns recht sein."