Bayern vs. Bierhoff: Viel Lärm um Mist - DER SPIEGEL
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Bayern vs. Bierhoff Viel Lärm um Mist

Der Anlass war nichtig, die Reaktion heftig: Uli Hoeneß hat DFB-Manager Bierhoff massiv wegen dessen Kommentaren zu Bayern-Einkauf Luca Toni attackiert. Kurz vor dem Länderspiel gegen die Slowakei eskaliert ein Streit zweier Lager, die in tiefer Abneigung verbunden sind.
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Hamburg – Es hat ja in den vergangenen drei Jahren viele Neuerungen im DFB gegeben, aber eine Neuerung ist noch nie gewürdigt worden: der SMS-Verteiler. Der SMS-Verteiler ist eine sehr nützliche Einrichtung für die Journalisten, die es nun schon einen Tag vorher schriftlich haben, wer an der Pressekonferenz teilnimmt. In der letzten SMS stand, dass Bernd Schneider und Jens Lehmann erscheinen würden – und ein Vertreter der sportlichen Leitung. Und weil die Länderspielsaison mit der EM-Qualifikationspartie gegen die Slowakei am Mittwoch endet und es somit mal wieder Zeit wird für ein umfassendes Fazit, war klar, wer dieser Vertreter sein würde: Oliver Bierhoff.

Bierhoff ist so was wie der oberste Fazit-Verantwortliche des DFB, er kann druckreif referieren über sportlichen Erfolg ("großartige Saison") und den Fortschritt jedes einzelnen Nationalspielers ("haben das alle verinnerlicht"). Im Saal C1 des Hamburger Congress Centrums spricht der Teammanager auch über das Slowakei-Spiel ("drei Punkte sind Pflicht") - seine Worte wabern dabei durch den Raum, halten kurz inne und verflüchtigen sich dann durchs Fenster. Würde er jetzt gehen, es wäre so, als sei er nicht da gewesen. Doch Bierhoff bleibt – und wird doch noch deutlich. Was folgt, ist eine verbale Abfuhr Richtung München und der nächste Höhepunkt in einem Zwist, der seit Jahren schwelt. Es geht um den Machtanspruch im deutschen Fußball – aber auch um persönliche Eitelkeiten.

Zur neuerlichen Eskalation brauchte es nur ein paar beiläufige Worte Bierhoffs: Der 39-Jährige hatte im "Kicker" den italienischen Stürmer Luca Toni nicht unter den besten zehn Spielern der Welt verortet. Doch Toni wechselt zum FC Bayern München, und dort lässt man sich ungern die Qualität seiner Zugänge vermiesen – schon gar nicht von Bierhoff, der den Bayern ein rotes Tuch ist und sich auch noch erdreistet hatte, die Asientour der Münchner Anfang Juli als wenig förderlich für die Nationalspieler zu bezeichnen. Deshalb wurde Bayern-Manager Uli Hoeneß sehr grantig und sagte in der selben Zeitung, der DFB-Manager solle doch das "dumme Gequatsche lassen". Außerdem solle Bierhoff sich "um seinen eigenen Mist kümmern".

Der so Gescholtene versucht im Hamburger Congress Centrum ruhig zu bleiben, doch seine Verteidigungsrede führt er mit einer nicht zu überhörenden Vehemenz. Zu Hoeneß' Kritik am Zeitpunkt des Länderspiels gegen San Marino ("Juxspiel") erklärt er genüsslich, beim Test in Duisburg (0:1 gegen Dänemark; die Red.) seien "zum Beispiel die Bayern-Spieler geschont worden. Und Uli Hoeness sollte wissen, dass ich nicht den Rahmenterminkalender mache." Zur Asientour der Münchner: "Vielleicht sollten sich die Bayern noch einmal daran erinnern, "dass sie Real Madrid mal als Zirkus-Mannschaft kritisiert haben", weil die Spanier durch Asien zogen, um Geld zu verdienen. "Und dann fliegen sie selbst nach Tokio." Bierhoff lässt dieses Argument einen Moment im Raum stehen, dann hakt er den nächsten Punkt ab. In Bezug auf Luca Toni sei er nämlich nicht gefragt worden, "ob er ein guter Einkauf sei. Das war keine Kritik an der Einkaufspolitik der Bayern", sagt Bierhoff, "aber wenn ich mir einen Kaká, Ronaldinho, Cristiano Ronaldo, Eto'o anschaue, dann gibt es andere, die unter den besten zehn der Welt zu finden sind."

Das saß, auch wenn Bierhoff danach noch amüsiert einstreut, er freue sich, "dass Uli Hoeneß wieder aggressiv ist". Das zeige ja, "dass die Bayern angreifen wollen".

Unvereinbare Interessen

Sie werden jetzt wieder kochen in München, wo ihnen der anzugtragende Managertyp seit Jahren suspekt ist. Schon Ende 2004 hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Richtung Bierhoff und Bundestrainer Jürgen Klinsmann wegen des Torwartduells zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann gegiftet ("Eiertanz"). Dann gab es während eines Länderspiels der DFB-Elf in München Pfiffe gegen Lehmann, was Bierhoff als "Sauerei" bezeichnete und Rummenigge konterte, der Manager solle sich "um seinen eigenen Mist kümmern". Der Mist hat eine lange Tradition in der Nicht-Beziehung Bierhoff-Bayern. Bayern-Manager Hoeneß war auch derjenige, der innerhalb des "WM-Projektes" auch die Arbeit der Bundesliga gewürdigt sehen wollte. "Aber wenn ein Trainer hört, bei jedem seiner Spieler sei eine Leistungssteigerung von 20, 30 Prozent drin, dann muss er sich vor den Kopf gestoßen fühlen, von einem Herrn Löw, der so viel auch noch nicht gewonnen hat in seinem Leben", sagte Hoeneß.

Bierhoff verkündet Klose-Wechsel

Schon damals wurde klar, dass sich hier unvereinbare Interessen gegenüberstehen, und bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Löw und Bierhoff sehen die Nationalmannschaft als Premium-Produkt, dem sich die Bundesligisten unterzuordnen haben. Von der Strahlkraft einer erfolgreichen DFB-Elf profitiere auch auf die Liga, so eines der Argumente – und so falsch ist das nicht mal. Dass jedoch schon zu Klinsmanns Zeiten der Anspruch erhoben wurde, Trainingsmethoden aus der Nationalmannschaft auch in den Vereinen zu übernehmen, wurde dort als anmaßend begriffen – in München sowieso. Der Streit ist bis heute nicht beigelegt. Bierhoff spricht zwar von einem "sehr guten Verhältnis", nachdem Löw samt Trainerstab und dem Manager die meisten der Clubs besucht hatten, sagt aber auch, dass es am wichtigsten sei, "trotz aller Meinungsverschiedenheiten" immer wieder "an einen Tisch zu kommen".

Dass die Bayern und Bierhoff demnächst wieder an einem Tisch sitzen, ist schwer vorstellbar. Zu zerrüttet ist das Verhältnis zwischen dem Manager und dem Club, der Widerspruch aus den Reihen der Nationalmannschaft nie kannte. Bierhoff tut das nur zu gern – und wenn es wie beim Ausrüster-Angebot des Sportartiklers Nike an den DFB nach einem Interessenskonflikt des ehemaligen Nike-Repräsentanten Bierhoff aussieht, dann nutzen die Münchner dies sofort zur Attacke. "Der DFB sollte aufpassen, dass die Ich-AG vom Starnberger See nicht außer Kontrolle gerät", sagte Rummenigge Anfang 2007 und spielte damit auf Bierhoffs Eigenvermarktung über die Agentur Projekt B an. Die Drohung Rummenigges, nach einem möglichen Wechsel von Adidas zu Nike würden die Nationalspieler des FC Bayern an "keinem einzigen Werbetermin des DFB mehr teilnehmen", konterte der ehemalige Stürmer, man könne die Bayern-Profis auch durch die Fifa sperren lassen.

Im letzten "Kicker" hat Bierhoff übrigens kurzerhand auch noch verkündet, Miroslav Klose werde "spätestens ab 2008" in München spielen. Abgesprochen war das sicher nicht.