Beckenbauer-Tirade "Völler, spinnt der?"
Hamburg - "Wer ihn zum Rücktritt überredet hat oder ob er das selbst mit sich ausgemacht hat, weiß kein Mensch. Das ist mir nach wie vor ein Rätsel", sagte Beckenbauer in der "tz" über Völler, "ich war total perplex, dachte: Spinnt der? Was macht der da? Ich weiß bis heute nicht, welcher Teufel ihn da geritten hat."
Durch Völlers Rücktritt seien alle auf dem falschen Fuß erwischt worden, klagte Beckenbauer, der in der DFB-Trainerfindungskommission (TFK) den Vorsitz hat. Es sei abgesprochen gewesen, dass Völler bis zur WM 2006 bleibt. "Es gab für diesen Rücktritt überhaupt keine Notwendigkeit", so Beckenbauer, "jetzt haben wir die Misere: Wo kriegen wir im Juli einen Trainer her? Die Außenstehenden reden sich alle leicht. Aber das war der ungünstigste Moment, den es gab."
Ein weiteres Treffen der TFK heute in Frankfurt am Main blieb ohne Ergebnis. Bei der Suche nach einem Bundestrainer haben sich offenbar erneut die Prioritäten verschoben. Nachdem in den letzten Tagen immer die Ausländer Morten Olsen und Guus Hiddink als Favoriten genannt wurden, hat Beckenbauer mit Kameruns Nationalcoach Winfried Schäfer wieder einen Deutschen als Völler-Nachfolger ins Spiel gebracht. "Er ist ebenfalls ein Kandidat", sagte Beckenbauer der "Bild"-Zeitung.
Kahn macht sich für Schäfer stark
Schäfer selbst, als Nationaltrainer Kameruns noch bis 2006 gebunden, signalisierte erneut sein Interesse. "Es ehrt mich, wenn mein Name genannt wird. Mich hat bisher aber noch niemand angerufen. Für ein Gespräch bin ich aber immer bereit", sagte der 54-Jährige. Der Job des Bundestrainers sei nach wie vor "etwas ganz Besonderes". Mehr wollte Schäfer nicht sagen, dennoch hat sich der ehemalige Bundesligatrainer (Karlsruher SC und VfB Stuttgart) offenbar schon Gedanken über die zukünftigen Aufgaben des Nationalcoaches gemacht: "Ich kann diese Schwarzmalerei in Deutschland nicht verstehen. Man muss wieder Begeisterung und Optimismus reinbringen."
DFB-Kapitän Oliver Kahn spricht sich für Schäfer aus. "Ich kenne den Winnie aus meiner Zeit beim KSC. Dort hat er etwas entfacht, etwas aufgebaut, was fantastisch war", sagte der 35-jährige Bayern-Torwart, "er würde mit einer absoluten Begeisterung, mit einer absoluten Hingabe diesen Job machen. Für mich ist er eine Alternative."
Manager Peter Pander vom Bundesligisten VfL Wolfsburg findet die Vorgehensweise des DFB bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer unprofessionell. "Die Darstellung des DFB-Präsidiums ist eine Katastrophe. Als Bundestrainer würde mir ein Mann mit Dynamik gefallen, der sich nicht nur um die Nationalmannschaft kümmert, sondern auch einmal den gesamten Trainerstab durchforstet", sagte der 52-Jährige den "Wolfsburger Nachrichten".
Der dänische Nationaltrainer Olsen, den Pander vor knapp eineinhalb Jahren schon zum VfL lotsen wollte, erfülle diese Anforderungen. "Er ist ein absoluter Fachmann", erklärte der Wolfsburger Manager, der jedoch auch Zweifel äußerte, ob ein ausländischer Coach mit der deutschen Mentalität zurechtkommen würde. Olsen steht bis 2006 in Dänemark unter Vertrag. Ottmar Hitzfeld hatte dem DFB bereits abgesagt. Lothar Matthäus ist offenbar aus dem Rennen, gleiches gilt für Christoph Daum.