Bierhoff-Interview "Ich will Klinsmann entlasten"
Wie würden Sie die Position des Teammanagers umschreiben?
Oliver Bierhoff:
Für den sportlichen Bereich ist alleine Jürgen Klinsmann zuständig. Ich kümmere mich um all die Dinge, die nichts mit dem Sportlichen zu tun haben. Da will ich ihn entlasten. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen dem Trainerstab, der Nationalmannschaft und den Vereinen. Für Sponsoren, Bundesliga-Trainer und Manager bin ich der erste Ansprechpartner. Berti Vogts hat ja mal gesagt, er wäre froh gewesen, wenn er in seiner Amtszeit für gewisse Statements so etwas wie einen Teammanager an seiner Seite gehabt hätte.
Zwischen Nationalteam und Bundesliga gab es in der Vergangenheit oft Irritationen. Wie werden Sie als neuer Manager dem entgegenwirken?
Bierhoff: Bei den Vereinen besteht auf jeden Fall Bedarf. Es war der Wunsch vom DFB und den Vereinen, dass jemand ständig in Kontakt zu den Klubs und Trainern steht, um sie bei bestimmten Entscheidungen mit ins Boot zu holen. Ich habe bereits sehr gute Reaktionen und auch Zustimmung erfahren und werde den Kontakt zu den Trainern und Managern stets aufrechterhalten.
Mit welchem Gefühl treten Sie am 1. August an?
Bierhoff: Ich freue mich auf die Aufgabe. Für mich ist das ein sehr emotionaler Moment. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so schnell nach dem Ende meiner Nationalmannschaftskarriere wieder hier beim DFB bin und bei dem tollen Event WM 2006 im eigenen Land mit im Boot sitze. Ich bin sehr optimistisch und weiß um die große Verantwortung, die wir haben.
Sie wollen sich aus dem sportlichen Bereich heraushalten. Ein Argument für ihre Verpflichtung war aber der gute Draht zur Mannschaft. Sehen Sie sich auch als Bindeglied zwischen Mannschaft und Bundestrainer?
Bierhoff: Ich werde mich in Jürgens Arbeit nicht einmischen. Durch die Nähe zu den Klubs werde ich vor allem die jüngeren Spieler mit meiner Erfahrung unterstützen und beraten. Auch deshalb will ich die Kontakte zu den Klubs intensivieren. Gerade die jüngeren Nationalspieler brauchen mehr Unterstützung als nur an den drei, vier Tagen, die sie vor einem Spiel bei der Nationalmannschaft sind.
Sie gelten als Sympathieträger. Der Ruf der Nationalelf ist nach dem EM-Aus dagegen ramponiert. Wie wollen Sie wieder eine positive Grundstimmung erzeugen?
Bierhoff: Wir brauchen in erster Linie wieder sportlichen Erfolg. Es ist einfach wichtig, dass die Nationalmannschaft guten und attraktiven Fußball spielt. Das ist für die Fans gerade in Richtung der WM 2006 ganz wichtig, denn wir wollen als Gastgeber gut dastehen.
Beim DFB gab es Bedenken wegen ihres Nike-Werbevertrages, da der DFB von adidas gesponsort wird. Werden Sie nun den Kontrakt mit Nike ruhen lassen?
Bierhoff: Nein, der Vertrag mit Nike läuft weiter.
Aufgezeichnet von Marc Schmidt (sid)