Blatter-Idee: "Hirngespinste eines Büromenschen" - DER SPIEGEL
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Blatter-Idee "Hirngespinste eines Büromenschen"

Die Idee des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, künftig das Unentschieden im Fußball abzuschaffen, ist auf breite Ablehnung gestoßen. Während in Deutschland die Fußball-Fachleute kritisieren, dass zu viel an ihrem Sport herumgedoktert wird, wird Blatter in Großbritannien der nötige Sachverstand abgesprochen.
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Hamburg - "Ich halte nichts von diesem Vorschlag. Es gibt Grundregeln des Fußballs, die für mich unverrückbar sind, und dazu gehört das Unentschieden", kommentierte DFL-Präsident Werner Hackmann die jüngste Idee des Fifa-Präsidenten. Blatter begründete seinen Vorschlag damit, dass auch in anderen Sportarten wie Basketball oder Eishockey das Remis erfolgreich abgeschafft worden sei und jedes Spiel einen Gewinner haben sollte. Offen ließ der Fifa-Chef, ob die Entscheidungen dabei durch Elfmeterschießen oder Verlängerung fallen sollen.

Auch DFB-Teamchef Rudi Völler hält nicht viel von diesem Vorstoß. "Man hat doch mit der Einführung der Drei-Punkte-Regel schon etwas Grundsätzliches gegen das Unentschieden unternommen, was ganz gut funktioniert. Ich denke nicht, dass man da noch mehr tun muss", sagte Völler. DFB-Trainerkollege Ulli Stielike hält von solchen Plänen ebenfalls nichts: "Es gibt wenige Veränderungen, die dem Fußball zu Gute gekommen sind. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Man muss nicht immer Neues an den Haaren herbeiziehen."

In den Bundesligaclubs hat der Fifa-Präsident aus der Schweiz ebenfalls wenig Begeisterung ausgelöst. "Ich bin zwar nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, aber nur für überzeugende. Weitgehend sollte der Fußball so bleiben, wie er ist", sagte Kurt Jara, Trainer des 1. FC Kaiserslautern. "Herr Blatter soll den Fußball nicht so verändern. Es ist viel nötiger, strukturelle Veränderungen vorzunehmen", schimpfte Dieter Meinhold, Vorstandsmitglied des VfL Bochum. Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs gab sich gegenüber dem Kölner "Express" ebenfalls zurückhaltend: "Keine gute Idee. Ich denke, der Fußball ist so attraktiv, dass wir diese künstliche Spannungsmache gar nicht brauchen."

"Blatter muss wohl euphorisiert gewesen sein"

Noch härter ging das Ausland mit dem mächtigsten Fußballfunktionär ins Gericht. Der Vize-Präsident des argentinischen Verbands, Julio Grondada, sagte in einem Radiointerview: "Blatter gibt viele Pressekonferenzen und hat manchmal nichts zu sagen. Wir werden auf jeden Fall nichts ändern, was sich bewährt hat. Als er diesen Vorschlag gemacht hat, muss er wohl sehr euphorisiert gewesen sein." In Großbritannien wurden die Idee zur Abschaffung des Unentschieden, die Blatter Anfang dieser Woche in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst gemacht hat, gewohnt bissig kommentiert. "Sind dies klug durchdachte Ideen, die den Fußball revolutionieren könnten, oder nur Hirngespinste eines Menschen, der zulange im Büro gesessen hat?", fragte die "Daily Mail".

Schon in der Vergangenheit hatte der Fifa-Chef mit seinen Vorschlägen zu Regeländerungen für Kritik gesorgt. Das umstrittene Golden Goal wurde nach acht Jahren wieder abgeschafft, geplante Auszeiten oder die Vergrößerung von Fußballtoren erst gar nicht eingeführt. Die "Süddeutsche Zeitung" kommentierte die neuerliche Idee des Schweizers kurz und knapp: "Blatters Erscheinungen".

Unterstützung erhielt Blatter lediglich vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München. "Es gibt ja auch Unentschieden, die nicht sehr attraktiv sind. Ich finde die Idee nicht schlecht", sagte der Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Vorstandschef Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt ergänzte: "Blatter hat schon weitaus schlechtere Vorschläge gemacht. Über diesen kann man nachdenken".

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