Bochum - Köln VfL kaum noch zu retten
Bochum - "Es ist peinlich, dass wir beim Stande von 2:0 nach hinten spielen und nicht weiter nach vorne", klagte Bochums Trainer Rolf Schafstall, der die Mannschaft am 13. Februar dieses Jahres übernommen hatte, den vierten Abstieg des Klubs seit 1993 aber wohl nicht mehr verhindern kann. Sieben Punkte trennen den Tabellenletzten nach der 2:3-Niederlage gegen den 1. FC Köln bereits von einem Nichtabstiegsplatz.
Dabei hatte alles so hoffnungsvoll für die Westfalen begonnen. Nach Treffern von Delron Buckley (23.) und Kapitän Sebastian Schindzielorz (31.) führte Bochum schon 2:0. Zu alledem sah der Kölner Moses Sichone dann auch noch wegen groben Foulspiels die Rote Karte (33.). Aber VfL-Stürmer Zdravko Drincic machte seiner Elf, seinem Trainer und den Fans einen Strich durch die Rechnung.
"Führung über die Bühne bringen"
Er kassierte wegen Spielverzögerung seine zweite Gelbe Karte und damit eine Matchstrafe (40.). Das numerische Gleichgewicht war wieder hergestellt, die Gäste witterten ihre Chance und drehten die Partie. Archil Arweladse (38.), Markus Kreuz (60.) und Darko Pivaljevic (79.) besiegelten Bochums sechste Heimniederlage dieser Saison. "Diese Führung muss man eigentlich in aller Besonnenheit über die Bühne bringen", stellte Schafstall fast schon resigniert fest.
"Es tut mir wahnsinnig leid für die Mannschaft, aber ich kann es jetzt auch nicht mehr ändern", sagte der ratlose Sünder und musste sich Vorwürfe seines Trainers und auch des Präsidenten gefallen lassen. VfL-Boss Werner Altegoer hämte Richtung Drincic: "Ich darf doch den Schiedsrichter nicht geradezu auffordern, mich vom Platz zu stellen." Und Schafstall wetterte: "Das ist nicht zu entschuldigen." Torschütze Schindzielorz nahm seinen Kollegen hingegen in Schutz: "Wenn das 2:1 nicht fällt, gewinnen wir dieses Spiel. Der Platzverweis darf danach natürlich nicht passieren, aber das ist kein Vorwurf."
"Viel hat sich an unserer Situation nicht geändert"
Was Bochum bleibt, sind neun Spieltage vor Schluss zumindest branchenübliche Durchhalteparolen. "Viel hat sich an unserer Situation nicht geändert. Wir haben nur noch ein Spiel weniger als vorher", sagte Schindzielorz. Auch Neuzugang Sören Colding wirft die Flinte - zumindest öffentlich - noch nicht ins Korn: "Es gibt immer noch die Möglichkeit. Wir haben noch Hoffnung und kämpfen weiter."
Die Gäste aus Köln, die in der Schlussphase mit Christian Springer (82.) und Kapitän Dirk Lottner (84.) zwei weitere Spieler wegen Gelb-Roter Karten verloren, hatten dagegen gut lachen. "Eigentlich waren wir schon tot", gestand Trainer Ewald Lienen.
"Ich sage nichts, um mich selbst zu schützen"
Lottner verzichtete trotz des Erfolgserlebnisses, das dem Bundesliga-Rückkehrer endgültig den Klassenerhalt gesichert haben sollte, auf jeglichen Kommentar: "Ich sage nichts, um mich selbst zu schützen." Der 29-Jährige schwieg, weil er Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich (Berlin) nicht an den Pranger stellen wollte, obwohl ihm nach seinem vorzeitigen Ausschluss wegen Reklamierens danach war.
Auch Kölns Coach Lienen äußerte sich nicht zu den drei Platzverweisen gegen seine Elf. "Das überlasse ich anderen." Referee Fröhlich kündigte schon einmal an, zu jeder Matchstrafe wie auch zu Sichones Roter Karte einen Sonderbericht anfertigen zu wollen. "Das ist eigentlich nicht üblich, aber in diesem Fall werde ich das tun."
VfL Bochum - 1. FC Köln 2:3 (2:1)
1:0 Buckley (23.)
2:0 Schindzielorz (31.)
2:1 Arweladse (38.)
2:2 Kreuz (61.)
2:3 Pivaljevic (80.)
VfL Bochum: Vander - Milinovic, Sundermann, Mamic, Reis (63.
Christiansen) - Freier, Colding, Schindzielorz (69. Rietpietsch) -
Buckley - Baluszinsky (46. Siebert), Drincic
1. FC Köln: Pröll - Cullmann, Dziwior, Sichone, Keller (53. Voigt) -
Kreuz (84. Bulajic), Lottner, Springer - Scherz - Timm, Arweladse
(62. Pivaljevic)
Schiedsrichter: Fröhlich (Berlin)
Zuschauer: 21.683
Gelbe Karten: Buckley (4), Colding - Cullmann (4)
Bes. Vorkommnisse: Rote Karte Sichone (Köln, 33.) wegen groben Foulspiels, Gelb-Rote Karte Drincic (Bochum, 40.) wegen unsportlichen Verhaltens, Gelb-Rote Karte Springer (Köln, 82.) wegen wiederholten Foulspiels und Gelb-Rote Karte Lottner (Köln, 85.) wegen Meckerns