Borussia Dortmund: Ein Sieg gegen das Bayern-Trauma - DER SPIEGEL
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BVB-Sieg gegen Stuttgart: Wenn die Flanke zum Torschuss wird

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

BVB-Erfolg gegen Stuttgart Ein Sieg gegen das Bayern-Trauma

Das 0:6 von München war Dortmund deutlich anzumerken: Gegen Stuttgart wirkte der BVB lange nervös. Gewonnen hat er dennoch, und das war besonders wichtig. Denn nun wartet das wohl wichtigste Spiel der Saison.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Schlussphase hatten viele der Dortmunder Anhänger sich emotional bereits verabschiedet von diesem Fußballspiel gegen den VfB Stuttgart, das beim Stand von 3:0 für den BVB dem Ende entgegenplätscherte. Längst blickten die Fans in die Zukunft, schmähten den nächsten Gegner und genossen den Moment der Befreiung, zu dem dieser Sommersonntag geworden war.

"Das gibt uns Selbstvertrauen vor dem Derby", sagte Maximilian Philipp. Am kommenden Samstag steht die Partie gegen den FC Schalke 04 an (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Philipp sagte das nicht einfach so dahin. Denn das Selbstvertrauen, das hatte beim 0:6 in München schwere Schäden erlitten. Und in der ersten Hälfte gegen Stuttgart waren noch weitere Blessuren hinzugekommen.

Doch irgendwie hat der BVB das Projekt Traumabewältigung gerade noch erfolgreich gestaltet, trotz dieses freudlosen, verunsicherten Auftritts in Hälfte eins gegen den VfB (Endstand: 3:0). Mehr als eine halbe Stunde wehte die Angst vor einem echten Katastrophen-April durch das Stadion. "Es war schwierig für uns", sagte Trainer Peter Stöger über die Anfangsphase, und Nuri Sahin berichtete von "schweren Beinen", die das Team gehabt habe.

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BVB-Sieg gegen Stuttgart: Wenn die Flanke zum Torschuss wird

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Eine Niederlage gegen Stuttgart nach dem Untergang von München, ergänzt von einer weiteren Pleite kommende Woche auf Schalke, das hätte nicht nur die von der Klubführung erwartete Champions-League-Qualifikation gefährdet; eine solche Serie hätte zweifellos emotionale Erschütterungen ausgelöst. Das zumindest hat der BVB durch ein Glückstor durch Christian Pulisic und eine gute zweite Halbzeit verhindert.

Aber verlässlich ist diese Mannschaft nicht. Sportdirektor Michael Zorc wundert sich schon nicht mehr über die Wankelmütigkeit der Spieler. Die Unberechenbarkeit dieses Teams sei das Einzige, "was permanent bleibt", sagte er und warb zugleich um Verständnis für diesen Zustand.

Die Zeit der Extreme dauert an

Die Mannschaft habe einfach zu viel durchgemacht in den vergangenen Monaten: den glanzvollen Saisonbeginn unter Trainer Peter Bosz mit sechs Siegen aus den ersten sieben Ligaspielen, den folgenden Einbruch, den Trainerwechsel. Außerdem drängen derzeit die Erinnerungen an den Sprengstoffanschlag an die Oberfläche, nachdem viele Spieler in diesen Wochen im Prozess gegen den Attentäter vor Gericht aussagen müssen. Die Zeit der Extreme dauert an, "auch vor diesem Hintergrund ist es schwierig, diese Saison richtig zu bewerten", sagte Zorc.

Aber es gibt eben auch positive Ausschläge wie nun nach dem Glücksschuss zum 1:0, als Pulisic der Ball beim Flanken abgerutscht und ins Tor gesegelt war. In der zweiten Halbzeit habe er wieder "die normalen Abläufe" gesehen, lobte Zorc die Mannschaft. Philipp, der erstmals seit seiner schweren Knieverletzung in der Startelf stand, schoss gleich ein Tor. Außerdem ist Marco Reus wieder mal zurück. Der Profi, um den die Klubführung im angekündigten Umbruchprozess eine neue Mannschaft bauen möchte, blieb zwar unauffällig, aber in der schwachen ersten Halbzeit war er es, der versuchte, die Kollegen aufzurütteln, der mit viel Engagement voran ging. Und nicht zuletzt erlebte Sahin seine x-te Wiedergeburt als Taktgeber.

Trainer Stöger lobte den 29-Jährigen für ein "richtig, richtig gutes Spiel", der Routinier habe "die Jungs eingeteilt, die Räume geschlossen", und er hat einige brillante Pässe in die Spitze gespielt. Nach dem Spiel trat er dann als Mahner in Erscheinung: "Fakt ist, dass vieles, vieles besser werden muss. Das muss man so deutlich sagen", sagte Sahin mit dem Duktus eines Chefs. "Jetzt brauchen wir jeden Einzelnen und das ist auch mein Appell an alle, die es gut meinen mit Borussia Dortmund."

Sahin nutzte seine gute Leistung, um in den Kreis der nach außen sichtbaren Anführer zu drängen, der nicht wirklich überzeugend besetzt ist. An diesem Tag war Sahins Vorstoß schlüssig. Allerdings galt Sahin noch in der Vorsaison unter Thomas Tuchel als Fußballer der alten Schule, der auf dem Weg in die Moderne durch einen anderen Spielertyp ersetzt werden müsse.

Gegen Stuttgart traf das jedenfalls nicht zu. Überhaupt brachte der Dortmunder Auftritt etliche Details hervor, die andeuteten, dass dieses Spiel als erfolgreiche Therapiestunde in die Saisongeschichte eingehen könnte. Voraussetzung dafür wäre allerdings ein erfolgreicher Auftritt im Revierderby gegen Schalke. Sollte der BVB dort gewinnen, hätte er sogar einen großen Schritt Richtung Vizemeisterschaft gemacht. Es wäre ein versöhnliches Ende einer nervenaufreibenden Saison.

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 3:0 (1:0)
1:0 Pulisic (38.)
2:0 Batshuayi (48.)
3:0 Philipp (59.)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (64. Toljan) - Dahoud, Sahin - Pulisic, Reus (87. Gomez), Philipp (80. Sancho) - Batshuayi. - Trainer: Stöger
Stuttgart: Zieler - Beck, Pavard, Badstuber, Emiliano Insua - Ascacibar (88. Mangala), Aogo (68. Berkay Özcan) - Thommy (57. Bruun Larsen), Gentner - Ginczek, Gomez. - Trainer: Korkut
Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg)
Zuschauer: 81.360 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Schmelzer (3) - Beck (6), Aogo (4), Gomez (3), Ascacibar (10)