Borussia Dortmund: Sprachlos im Abstiegskampf - DER SPIEGEL
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Borussia Dortmund Sprachlos im Abstiegskampf

Die sieglose Serie von Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga hält weiter an. Am Sonntagabend verlor das Team von Trainer Bernd Krauss bei Werder Bremen mit 2:3 und ist jetzt nur noch sechs Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt.
Von Thomas Lötz
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Bremen - Seit mehr als einer Woche müssen Borussia Dortmund begleitende Journalisten ungewohnte Arbeitsbeschränkungen hinnehmen. Seit der 1:3-Heimniederlage gegen Tabellenschlusslicht Arminia Bielefeld nämlich verweigern die Spieler des einstigen Weltpokalsiegers das ritualisierte Frage-Antwort-Spiel mit den Medienvertretern unmittelbar nach Abpfiff. "Nicht mal mein Freund Wolfgang Feiersinger wollte noch mit mir sprechen", sagte der enttäuschte Mitarbeiter eines Dortmunder Privatradios nach der 2:3-Niederlage des BVB bei Werder Bremen. Und der Mann wusste auch zu berichten, warum er seine Hörern zur Zeit nicht mit O-Tönen der Borussen-Kicker versorgen kann: "Die haben alle Angst, was Falsches zu sagen."

Nach der fünften Niederlage im neunten sieglosen Spiel unter der Verantwortung von Trainer Bernd Krauss schlichen am Sonntagabend die Dortmunder Ricken, Wörns, Feiersinger und Kohler ohne jeglichen Kommentar vom Rasen des Bremer Weserstadions, ihr Kollege But zückte kurz vor Betreten des Spielertunnels wenigstens noch den Mittelfinger gen Werder-Fankurve.

Miroslav Stevic, der auf dem Spielfeld zusammen mit But und Ricken für das zu späte Aufbäumen der Borussia gesorgt hatte, war immerhin noch ein "So sieht das aus" zu entlocken. Ein vielsagender Kommentar auf die Frage, ob der BVB nach dem "dummen Platzverweis" (Bernd Krauss) von Sead Kapetanovic (68.) beim Spielstand von 2:3 in Unterzahl nicht wesentlich engagierterer und besser gespielt habe als davor in voller Feldstärke. Einzig Teddy de Beer stand den Reportern ausgiebig Rede und Antwort, möglicherweise auch, weil er als Vertreter des rotgesperrten Torwarts Jens Lehmann nach langer Pause wieder mal ein gefragter Mann ist.

Ebenfalls nichts wirklich Substanzielles zur neuerlichen Auslegung von Anspruch und Wirklichkeit hatten Manager Michael Meier und Sportdirektor Michael Zorc beizutragen. Während Zorcs Gesichtsfarbe nach Spielende durchaus den Schluss zuließ, der Mann habe soeben eine weitaus schrecklichere Nachricht erhalten als Tabellenplatz 12 und sechs Punkte Abstand auf einen Abstiegsrang, musste Meier Peinliches einräumen: "Ich weiss, das hört sich blöd an. Aber uns fehlt im Moment einfach auch das Quentchen Glück."

Dabei waren die Voraussetzungen am Sonntag gegen Bremen an sich nicht unglücklich. Dortmund traf nämlich auf eine durch zusätzliche Uefa-Cup-Schichten stark schwächelnde Mannschaft, in der die angeschlagenen Bode, Eilts und der später eingewechselte Frings gerade mal noch den Weg zur Ersatzbank fanden. Und wie sich diejenigen Bremer fühlten, die gegen den BVB aufliefen, erläuterte der gut aufgelegte Mannschaftskapitän Andreas Herzog: "Ich dachte heute morgen vor dem Waldlauf, ich komm' überhaupt nicht mehr aus dem Bett hoch."

Dennoch taten sich Gäste aus dem Ruhrgebiet schwer, verlegten sich von Beginn an ängstlich auf reines Konterspiel, das jedoch zur Überraschung aller nach 22 Minuten in der 1:0-Führung resultierte. Mit einem langen Pass bediente der Brasilianer Dede seinen Kollegen Giuseppe Reina, der einen Stellungsfehler des Bremers Mike Barten nutzte, über das halbe Feld sprintete und den Ball dann am herauseilenden Torwart Frank Rost vorbei ins Netz schlenzte.

Werder brauchte nicht lange, sich von diesem Schock zu erholen. Nach einem Freistoß von Trares erzielte Ailton den Ausgleich (32.), acht Minuten später führte eine weitere Standardsituation zum 2:1. Bei einer von Trares ausgeführten Ecke faustete Teddy de Beer den Ball vor die Füße von Jurij Maximow, der die Kugel schnurstracks in den Winkel zimmerte. Aus der Bremer Fankurve waren "Absteiger, Absteiger!"-Rufe zu vernehmen, und Andreas Möller, der kurz zuvor mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt worden war, beschleunigte seinen Gang in die Stadionkatakomben.

Das Spiel schien gelaufen, als Rade Bogdanovic in der 50. Minute im Anschluss an eine Ecke von Andreas Herzog den Ball zum 3:1 einnickte. Doch danach schwanden den Bremern die Kräfte, Dortmund kämpfte sich ins Spiel zurück und kam nach einem groben Kollektivschnitzer der Werder-Abwehr durch But noch einmal auf 2:3 heran. Selbst nach der Gelb-Roten Karte für den bereits Gelb verwarnten Kapetanovic ließ der Druck nicht nach, allein ein punktbringendes Tor wollte nicht mehr herausspringen.

Genau diese Phase, in der sich seine Mannschaft aufbäumte und "alles probierte", war es, die Bernd Krauss in seiner Rückschau positiv stimmte. Kämpferisch sei es eine ordentliche Vorstellung gewesen. Als ein Reporter dann argumentierte, dass mit der Niederlage ja nun schlussendlich der Abstiegskampf begonnen habe, antwortete der Coach ruhig und sachlich: "Der Abstiegskampf hat für uns schon letzte Woche angefangen." Und ein Ende ist nicht in Sicht. Am kommenden Samstag empfängt Borussia Dortmund im Westfalenstadion den Tabellendritten Hamburger SV.