Borussia Dortmund: Die Traumelf, die noch keine ist - DER SPIEGEL
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8. Spieltag: Lahm im Torrausch, BVB in der Krise

Foto: AP/dpa

BVB-Niederlage in Köln Die Traumelf, die noch keine ist

Die Rückkehrer Ilkay Gündogan und Marco Reus, dazu Shinji Kagawa: Jürgen Klopp konnte beim Spiel des BVB in Köln erstmals seit langem seine Wunschformation aufbieten. Über Ansätze kam das Team nicht hinaus. Alles Wichtige zur Pleite der Borussia.
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Die Ausgangslage: Sieben Punkte aus den ersten sieben Bundesliga-Spielen, zwölf Gegentore, Platz 13. Oder kurz: Dortmund in der Krise. Gefühlt die erste seit Amtsantritt von Jürgen Klopp 2008. Das Auswärtsspiel beim 1. FC Köln besaß das Potenzial für einen weiteren Ausrutscher, der Aufsteiger überzeugte bislang mit einer starken Defensive. Bange war aber wohl niemandem beim BVB, im Gegenteil. Eine Nachricht kurz vor Anpfiff hob die Stimmung enorm.

Euphorie-Schub des Spiels: Besorgte das Comeback von Ilkay Gündogan. Eine Nervenentzündung am Rücken hatte den 23-Jährigen für 14 Monate außer Gefecht gesetzt. Nachdem er vergangene Woche in einem Testkick der Dortmunder U23 überzeugen konnte, kehrte er überraschend in die Startelf zurück. Außerdem wieder dabei: Die zuletzt verletzten Marco Reus und Henrich Mchitarjan. Dazu Shinji Kagawa, Mats Hummels und Ciro Immobile - das Team, das Trainer Jürgen Klopp aufbot, kam seiner Idealvorstellung wohl sehr nahe. Und die Reservebank war so stark besetzt wie vielleicht noch nie.

Ergebnis: Umso ernüchternder. Das 1:2 (0:1) aus Sicht des BVB. Kevin Vogt (40. Minute) und Simon Zoller (74.) trafen für den FC, Ciro Immobile (48.) für Dortmund.

FC-Stürmer Zoller: Premierentor in der ersten Liga

FC-Stürmer Zoller: Premierentor in der ersten Liga

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Die erste Hälfte: Köln tat, was Köln unter Trainer Peter Stöger eben tut: Die Ordnung halten, hier und da mal halbherzig kontern, vor allem aber den Gegner durch die stabile Defensive zur Verzweiflung treiben. Und manchen Zuschauer gleich mit. So kam Dortmund auf über 60 Prozent Ballbesitz, blieb vor dem Kölner Tor aber weitgehend harmlos. Normalerweise kommt der BVB gegen gut organisierte Defensivreihen übers Gegenpressing zu Chancen. Doch weil das trotz Gündogans Rückkehr kaum klappte, wurde die Borussia nur einmal gefährlich, als Reus vorbeischoss (11.). Köln kam zu zwei Gelegenheiten, eine davon nutzte Vogt zum ersten Heimtor des FC in der laufenden Saison.

Kommentar des Spiels: Zugegeben, die Spielweise des FC zaubert höchstens denjenigen ein Lächeln aufs Gesicht, die in ihrer Freizeit am liebsten über die Unterschiede zwischen der 4-2-3-1- und der 4-3-3-Formation sinnieren. Köln besinnt sich auf seine Stärken, und die liegen in der Defensive. Sky-Kommentator Kai Dittmann konnte sich damit offenbar nicht anfreunden. Der FC agiere "nicht mutig genug", kritisierte er. Sekunden darauf fiel das 1:0.

Die zweite Hälfte: Begann furios. Dortmund wirkte wacher, das Pressing intensiver, das Kombinationsspiel flüssiger. Nach einem Ballgewinn in der Kölner Hälfte wirbelten Reus und Immobile die gegnerische Abwehr durcheinander - 1:1 (48.). Reus (52.) und Mchitarjan (58.) zielten nicht genau genug, Dortmund war drauf und dran, das Spiel zu drehen. Dachte man. Doch die Drangphase ebbte ab, und plötzlich führte Köln erneut.

Patzer des Spiels: Eine Kategorie, die man bei Berichten zu Partien des BVB ruhigen Gewissens schon vor dem Anpfiff niederschreiben kann. Immer wieder kassierte Dortmund in den vergangenen Wochen Tore nach individuellen Aussetzern. Das war auch gegen Köln so. Diesmal verschuldete Torwart Roman Weidenfeller ein Gegentor, als er eine Flanke von Yuya Osako falsch berechnete und ins Leere griff. Zoller nahm das Geschenk an und erzielte sein erstes Bundesligator.

BVB-Star Gündogan: 94 Ballkontakte

BVB-Star Gündogan: 94 Ballkontakte

Foto: Opta

So lief Gündogans Comeback: Er begann stark. Vom Anpfiff an übernahm Gündogan Verantwortung, holte sich Bälle vor dem eigenen Strafraum ab und verteilte sie. Dass Gündogan längst nicht in der Weltklasseform ist, die ihn einst zu einem der wohl besten Mittelfeldspieler der Welt machte, zeigte sich in vielen Details. So verhielt sich der 23-Jährige ungeschickt in Zweikämpfen, auch vor den Gegentreffern, und ihm fehlte die Spritzigkeit. Gündogans Rückkehr in Zahlen: 94 Ballkontakte, 86 Prozent angekommene Pässe. 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe, eine Torschussvorlage.

Erkenntnis des Spiels: "Wir müssen jetzt Spiele in Folge gewinnen, um in die Nähe der Plätze zu kommen, wo wir hinwollen", hatte Jürgen Klopp vor dem Köln-Spiel bei Sky gesagt. Zwei Punkte hat Dortmund aus den vergangenen fünf Bundesligapartien geholt, drei Spiele wurden in Folge verloren, der Rückstand auf Platz eins beträgt 13 Punkte. Die Saison abhaken braucht der Klub aber nicht. Zumindest vereinzelt deutete das Mittelfeld gegen Köln an, wie stark es schon bald sein könnte. Noch stimmen Abläufe und Laufwege des Kollektivs nicht, doch das kann angesichts der mangelnden Eingespieltheit nicht verwundern. Die Frage ist, wie schnell Klopp sein potenzielles Dreamteam zum Laufen kriegt.

1. FC Köln - Borussia Dortmund 2:1 (1:0)
1:0 Vogt (40.)
1:1 Immobile (48.)
2:1 Zoller (74.)
Köln: Horn - Olkowski, Mavraj, Wimmer, Hector - Vogt, Lehmann - Risse, Halfar (64. Osako), Svento (57. Peszko) - Zoller (76. Matuschyk)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz - Gündogan (90. Subotic), Kehl - Mchitarjan (68. Aubameyang), Kagawa, Reus - Immobile (75. Ramos)
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lehmann (4) - Mchitarjan, Hummels, Sokratis (4)Torschüsse: 5:16
Ballbesitz: 36:64 %

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