Borussia Dortmund vs. FC Liverpool: Emotional beeinträchtigt - DER SPIEGEL
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Klopp-Rückkehr zum BVB: Wiedersehen mit Beigeschmack

Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

Dortmunds Unentschieden gegen Liverpool Emotional gestört

Der BVB blieb gegen Liverpool harmlos, von seinem sonst so durchdachten Stil war wenig zu sehen. Trainer Thomas Tuchel wirkte hinterher ratlos. Eine erste Diagnose stellte er aber doch: emotionaler Stress.
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Es passiert nicht oft, dass Thomas Tuchel keine Antworten auf die wesentlichen Fragen eines Fußballspiels hat. Der Trainer von Borussia Dortmund ist ein scharfsinniger Analytiker und versierter Beobachter, aber das eher enttäuschende 1:1 gegen den FC Liverpool machte ihn ratlos. "Wir sind noch ein bisschen am Grübeln", erwiderte Tuchel auf die Frage nach den Gründen für eine Leistung, die er als in vielen Phasen "verkrampft und zu verbissen" bezeichnete.

Nur eine Diagnose stellte er im unmittelbaren Nachgang. Diese Woche mit den beiden Viertelfinalspielen gegen Liverpool und dem Derby auf Schalke zwischendurch erzeuge "emotionalen Stress". Die enorme Aufladung dieser Saisonphase scheint dem Team die Lust am Ballspiel genommen zu haben. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir es schaffen, die Partie, mit einer erkennbaren Freude, mit einer Freiheit, mit einem Lächeln auf den Lippen zu spielen, das ist uns leider nicht gelungen", sagte Tuchel.

Spätestens an dieser Stelle kam Jürgen Klopp ins Spiel. Die Anwesenheit des Meistertrainers von einst hatte diesen Fußballtag ganz und gar durchdrungen, und die These liegt nah, dass der Hype um die Klubikone einige Spieler abgelenkt hat. "Kann sein" erwiderte Tuchel auf die Frage, ob sich diese Rückkehr als Störfaktor entpuppt habe.

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Europa-League-Analyse: Wie Klopp Tuchel überraschte

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Die Show gehörte eindeutig Klopp. Der benahm sich zuvorkommend und respektvoll. Er habe sich ja "nicht entliebt", sagte er und strahlte genau die Mischung aus Leichtigkeit und Konzentration aus, die dem BVB fehlte. Dass ein gegnerischer Trainer derart im Mittelpunkt steht, sogar bei den eigenen Fans und Spielern, kann schon irritierend sein. "Es war ein bisschen seltsam, Jürgen in unserem Stadion, in seinem Stadion gegen uns zu sehen", berichtete Mats Hummels.

Verwirrung bei Spielern und Fans

Diese emotionale Verwirrung war allgegenwärtig. Das sonst so imposante Westfalenstadion entwickelte nie die Wucht anderer großer Europapokalabende. Und über die Darbietung auf dem Rasen sagte der BVB-Kapitän: "Wir sind nicht einmal in die Nähe des Maximums unserer Leistung herangekommen." Die Mannschaft habe gerade eine Phase, in der sie sich schwer tue, "ein Spiel von Anfang an zu dominieren, Chancen rauszuspielen", so Hummels. Dabei war schon zu sehen, dass der BVB die fußballerisch reifere Mannschaft ist. Allerdings gelang es Liverpool in vielen Phasen, die Partie auf ein Niveau zu befördern, das den Engländern eher liegt.

Bayer Leverkusen hatte die Dortmunder vor einigen Wochen mit solch einem aggressiven Balleroberungsfußball in ihrer spielerischen Präzision gestört. Ganz ähnlich ging nun der FC Liverpool vor: engagiert, energisch pressend, wenn nötig auch mal mit einer fiesen Grätsche und sehr diszipliniert als Kollektiv in der Defensive. "Die haben sehr aggressiv verteidigt", sagte Marcel Schmelzer.

Zugleich gingen Tuchels Ideen nicht auf. Das Experiment mit Erik Durm als rechtem Mittelfeldspieler missriet ebenso wie die Umstellung zur Pause, als der Trainer den bis dahin überzeugenden Henrich Mchitarjan aus dem Zentrum auf den Flügel beorderte. Dort sank Mchitarjans Einfluss, was wiederum der Dortmunder Offensive nicht guttat.

Emotionen bringen Strategie ins Wanken

Der genau geplante, "coole Ballbesitzfußball" des BVB (Klopp) gerät ins Stocken, wenn Emotionen die strategischen Vorsätze überlagern. Tuchel und sein Trainerteam entwickeln gemeinsam mit den Spielern für jeden Gegner detaillierte Konzepte für eine Partie. Wird dieser Plan von einem anderen Thema verdrängt, dann fällt es der Mannschaft schwer, ins Spiel zu kommen - so wie gegen Liverpool.

In der zweiten Hälfte wurde die Mannschaft etwas besser, das Passspiel präziser und es entstand so etwas wie Dominanz. Die besseren Chancen aber hatte der FC Liverpool. Stärkster Dortmunder war Roman Weidenfeller, dem Tuchel eine "herausragende Leistung" attestierte. Doch wenn ein Torhüter der beste Spieler einer Mannschaft ist, ist fast immer irgendetwas schief gegangen.

So sind sie sehr froh, dass die Sache mit dem "Wiedersehen jetzt vorbei ist", wie Tuchel sagte. Die Dortmunder können sich nun wieder auf ein Hauptmotiv dieser erstaunlichen Saison konzentrieren: die große Freude an der eigenen Kunstfertigkeit.

Borussia Dortmund - Liverpool 1:1 (0:1)
0:1 Origi (36.)
1:1 Hummels (48.)
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Bender (76. Sokratis), Hummels, Schmelzer - Weigl, Castro - Durm (46. Sahin), Mchitarjan, Reus - Aubameyang (76. Pulisic).
Liverpool: Mignolet - Clyne, Lovren, Sakho, Moreno - Henderson (46. Allen), Can, Milner - Lallana (77. Firmino), Origi (84. Sturridge), Coutinho.
Schiedsrichter: Velasco Carballo
Zuschauer: 65.848
Gelbe Karten: Weidenfeller, Reus, Sokratis / Can, Lallana