Borussia Mönchengladbach: Kollektive Klasse - DER SPIEGEL
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Gladbachs Erfolgsformel: Kompakte Einheit und ein Genie im Angriff

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Borussia Mönchengladbach Kollektive Klasse

Höhenflug statt Einbruch: Beim Sieg über die Bayern bestätigte die Borussia die guten Leistungen aus der Hinrunde. Das Erfolgsgeheimnis des Teams sind die Geschlossenheit und die Disziplin, mit denen es die Vorgaben des Trainers umsetzt. Sogar Münchens Coach gerät ins Schwärmen.
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Wäre Jupp Heynckes nicht der Trainer des FC Bayern, man hätte ihn nach dem überzeugenden 3:1-Erfolg der Mönchengladbacher über die Münchner für einen Fan der Siegermannschaft halten können. "Ich muss diesen Borussen ein großes Kompliment machen, sie haben großartig gespielt und sehr gut verteidigt", schwärmte Heynckes.

Vielleicht täuschte der Eindruck, aber irgendwie wirkte Heynckes, der in Mönchengladbach geboren wurde, dort aufwuchs und die erfolgreichen siebziger Jahre der Borussia in hohem Maße als Torjäger mit prägte, auch ein wenig erfreut nach dieser bitteren Niederlage seines Teams. Gladbach "spielt sicher in der kommenden Saison europäisch", prophezeite der 66-Jährige und lächelte breit. Offenbar konnte er sich der Faszination, die von der Überraschungsmannschaft ausgeht, nicht entziehen.

Ganz ähnlich ging es den rund 54.000 Zuschauern, die an diesem Abend in den Borussia-Park gepilgert waren und die mal wieder eine "riesige taktische Leistung" sahen, wie Gladbachs Stürmer Mike Hanke die Leistung seines Teams selbstbewusst einordnete. Die Bayern hatten zwar viel Ballbesitz (64 Prozent). Und je länger das Spiel dauerte, desto tiefer drängten sie die Gladbacher in deren Hälfte. Doch die Ordnung ging der Borussia auch unter höchstem Druck nie verloren. "Wir waren sehr gut organisiert, es ist sehr schwer, gegen uns zu spielen", sagte Trainer Lucien Favre. Eine klar herausgespielte Chance ließ die Gladbacher Defensive nach dem Seitenwechsel nicht zu.

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Grafische Analyse: Reus mit Schwung, Schweinsteiger ohne Ideen

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Bei aller Schwärmerei über die großartigen Gladbacher Einzelspieler wie Marco Reus, der zum 1:0 traf und das 3:0 traumhaft vorbereitete, Torhüter Marc-André ter Stegen oder Patrick Herrmann, der die beiden anderen Treffer der Gastgeber erzielte, bleibt das Erfolgsgeheimnis der Borussia das brillant funktionierende Kollektiv. Wo die größte Stärke dieser Mannschaft liege, wurde Herrmann nach dem Spiel gefragt. "Der Zusammenhalt", antwortete er prompt.

Erst zwölf Gegentreffer hat Mönchengladbach in dieser Saison zugelassen, kein anderer Bundesligist ist defensiv besser. Seit Mitte Februar des vergangenen Jahres, als Trainer Lucien Favre Gladbach übernahm, ist es nur zwei Gegnern gelungen, mehr als ein Tor gegen die Borussia zu erzielen.

Fußballerisches Konzept als Grundlage des Erfolgs

Die gemeinschaftliche Arbeit bei gegnerischem Ballbesitz, die die Borussia leistet, ist seit Monaten konstant europapokalwürdig. Und weil der Gladbacher Erfolg nicht Folge einer Euphoriewelle ist, sondern all den positiven Ergebnissen ein fußballerisches Konzept zugrunde liegt, ist ein Einbruch der Leistung des Teams in der Rückrunde unwahrscheinlich.

Ein Negativtrend über einen längeren Zeitraum ist auch deshalb kaum zu erwarten, weil die Gladbacher über eine bemerkenswerte Nervenstärke verfügen. Diese fast schon unheimliche Widerstandsfähigkeit war bereits in der Schlussphase der vergangenen Saison ein wichtiges Element beim kaum mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt.

Nur die Bayern können bessere Perspektiven bieten als Gladbach

Daher ist es kein Wunder, dass die Unruhe in der Winterpause um die Wechselankündigungen der Leistungsträger Marco Reus und Roman Neustädter keinen Schaden angerichtet hat. "Wir haben das akzeptiert und verdaut", sagte Favre, über den spekuliert wurde, er denke trotz seines bis 30. Juni 2013 laufenden Vertrages über einen vorzeitigen Abschied aus Mönchengladbach nach.

Doch warum sollte er Mönchengladbach verlassen? Im Moment gibt es schließlich nicht viele Bundesliga-Clubs, die mehr zu bieten haben als diese Borussia. Die Mannschaft funktioniert phantastisch, selbst den Ausfall von Abwehrchef Dante kompensierte das Team problemlos, Roel Brouwers vertrat ihn glänzend. Und sollte die Borussia bis zum Saisonende einen Platz unter den ersten Sechs verteidigen, dann verfügen Favre und Sportdirektor Max Eberl aufgrund der TV-Prämien für die laufende Saison, der Europapokal-Einnahmen der kommenden Spielzeit und des Reus-Erlöses über ein Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro. Ähnliche Perspektiven können allenfalls die Bayern bieten.

"Kontinuierliche Arbeit war immer unser Credo. Das haben wir bisher gut gelebt, und das werden wir auch mit dem jetzigen Trainer weiter vollziehen", sagt Eberl. Der Sportdirektor glaubt offenbar an eine Vertragsverlängerung mit Favre, der die Borussia zu einer Spitzenmannschaft geformt hat. Selbst die Qualifikation für die Champions League ist möglich, denn Konkurrenten wie Schalke und Bremen sind in dieser Saison kaum besser besetzt.

Abzuheben scheinen sie in Gladbach dennoch nicht. Dagegen hilft der Spielplan. "Mit den Spielen in Stuttgart und Wolfsburg sowie der Pokalpartie in Berlin haben wir jetzt drei schwere Duelle vor uns", sagte Hanke: "Und auswärts haben wir bisher keine so konstanten Leistungen gezeigt."

Ob die Borussia nun ein Titelkandidat sei, wurde Hanke nach dem Sieg gegen die Bayern gefragt. Der Stürmer schüttelte fassungslos den Kopf: "Darüber sprechen wir nicht, wir wissen genau, wo wir herkommen", sagte er. Aber wer zweimal in einer Saison gegen den Rekordmeister gewinnt, der steht in der Regel auch am Ende einer Spielzeit in der Tabelle weit oben.