Boykott der DFL-Versammlung Bayern machen ernst
München/Frankfurt am Main - Um noch größeren Schaden abzuwenden, will nun sogar DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder eingreifen. "Es ist wichtig, dass sich das Verhältnis zwischen FC Bayern und der DFL wieder entspannt. Ich bin deshalb gerne bereit, vermittelnd aktiv zu werden", erklärte der Verbandsboss.
Bei der Liga-Vollversammlung am Dienstag in Frankfurt am Main, die ohne die Bayern stattfindet, soll die Spaltung der Bundesliga verhindert werden. Dabei will Mayer-Vorfelder, anders als üblich, persönlich erscheinen. Der Rekordmeister ("Wir wollen mit dieser DFL nichts mehr zu tun haben") kam derweil seiner Drohung nach und zog nach eigenen Angaben sämtliche Vertreter aus den Gremien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurück. "Im Moment sind tiefe Wunden entstanden", urteilte DFB-Teamchef Rudi Völler.
Bayern-Vorstandschef Rummenigge versicherte Völler in einem Telefonat allerdings, dass er trotz seines Rücktritts aus dem Ausschuss Nationalmannschaft ihm weiter mit Rat und Tat zur Verfügung stehe. Das Verhältnis der Bayern zum DFB solle schließlich nicht durch den Bruch mit der DFL, der nach dem drei Millionen Euro schweren Vergleich im Züge des Geheimvertrages mit der Kirch-Gruppe entstanden war, belastet werden.
Zahlreiche Bundesliga-Vertreter treibt derweil die Sorge um die Zukunft der Liga. "Eine Spaltung wäre nicht gut für die Liga. Es geht um die Gruppe und nicht um die einzelnen Vereine", warnte Schalke-Manager Rudi Assauer, nachdem er zuvor noch sarkastisch formuliert hatte "dann sollen die Bayern doch in Italien spielen. Die Bundesliga wird auch so weiterspielen". Leverkusens Manager Reiner Calmund will alles für eine Versöhnung geben: "Zum großen Bruch darf es nicht kommen. Ich hoffe, dass man nach ein paar Wochen wieder vernünftig miteinander umgehen kann. Wenn die ersten großen Emotionen zurückgeschraubt sind und die Luft ein bisschen raus ist, sind die Vereinsvertreter gefordert, die Wogen zu glätten."
Verwunderung über heftige Reaktion der Bayern
Während Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Zeitschrift "Kicker" nichts von einer Entschuldigung der DFL für ihre umstrittene Presseerklärung wissen wollte ("Ich will nichts von denen. Und ich erwarte nichts."), verteidigte Wilfried Straub als Vorsitzender der Geschäftsführung die DFL-Politik. "Wissen Sie, wenn ich auf die Goldwaage lege, was wir alles über uns lesen konnten, dann wundert mich die Reaktion darauf - vor allem die Heftigkeit und Unkontrolliertheit", erklärte Straub. "In der ersten und zweiten Liga spielt nicht nur Bayern, sondern auch 35 andere, die eine Offenlegung unserer Position verlangen."
Hätte es die in der Presseerklärung vorgenommene Wertung nicht gegeben, hätte es nach Ansicht von Straub wieder geheißen, die DFL sei umgefallen. Zudem habe es bei der Schließung des Vergleichs eine Vereinbarung beider Parteien gegeben. "Es war abgestimmt, dass jeder die Freiheit hat und erklären kann, wie er die Sache sieht", berichtet Straub. Der Vorwurf an Hoeneß ("Moralisch verwerflich") sei nicht auf Grund konkreter Handlungen erfolgt, sondern lediglich dadurch begründet, dass der Manager in der TV-Kommission einen Vertrag aushandelte und gleichzeitig ein Geheimabkommen mit dem Verhandlungspartner besaß.
Der Dortmunder Michael Meier nahm Hoeneß in Schutz. Er lege die "Hand dafür ins Feuer, dass Uli Hoeneß nicht korrumpierbar" sei, erklärte der BVB-Manager gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". Er fügte allerdings in der Münchner "Abendzeitung" hinzu: "Zum Imageschaden der DFL und des deutschen Fußballs haben die Bayern beigetragen. Man darf nie Opfer und Täter in der Angelegenheit verwechseln."