Bremer CL-Pleite: Ronaldinhos Lehrstunde - DER SPIEGEL
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Bremer CL-Pleite Ronaldinhos Lehrstunde

Werder Bremen wollte sich auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona messen. Daraus wurde nichts. Der Titelverteidiger erteilte dem Bundesligisten eine Lehrstunde und schickte ihn in den Uefa-Cup. Nun hoffen die Bremer, dass sie nicht wie im Vorjahr in eine Formkrise schlittern.
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Gedeckt graue Clubanzüge, dazu akkurat die dunkelgrünen Krawatten gebunden. Die Geschäftsführung von Werder Bremen hatte sich fein gemacht. Es sollte ja alles passen an einem Tag, an dem Sportdirektor Klaus Allofs seinen 50. Geburtstag feierte, und - wichtiger - das Gruppen-Endspiel der Champions League beim FC Barcelona anstand. Doch es dauerte keine 20 Minuten im imposanten dreistöckigen Estadio Camp Nou, da herrschte bei den graumelierten Bremer Herren auf der Ehrentribüne Begräbnisstimmung.

Vereinspräsident Klaus-Dieter Fischer schaute so grimmig, als habe er gerade einen verfaulten Hering verschluckt, Marketingboss Manfred Müller schlug die Hände vors Gesicht und Clubboss Jürgen L. Born war jeder Witz vergangen. Alles hatte sich der Bundesliga-Tabellenführer für diesen Abend vorstellen können, nur das nicht: von Barca teilweise der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden, streckenweise eine Lektion erteilt zu bekommen. Mit 2:0 siegte der Titelverteidiger und zog leicht und locker ins Achtelfinale ein, Werder Bremen hingegen überwintert im ungeliebten Uefa-Cup.

Geburtstagskind Allofs war es, der kurz vor Mitternacht im Bauch der Betonschüssel alles tat, um das Positive aus diesem Negativerlebnis zu ziehen. "Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die noch in der Entwicklung ist. Es hätte eines besonderen Momentes bedurft, um Barcelona zu schlagen", sagte Allofs. Doch diese magischen Momente zauberten nur Ronaldinho und die katalanischen Kollegen auf den Rasen. Der Weltfußballer verwandelte einen Freistoß "aus der Wundertüte" (Werder-Abwehrspieler Per Mertesacker) unter der hoch hüpfenden Mauer zum 1:0 (13.).

Fünf Minuten später: Nach traumhaftem Ronaldinho-Diagonalpass entwischte Ludovic Giuly wieder einmal dem schwache Pierre Wome, der Rest war für den Isländer Eidur Gudjohnsen Formsache (18.). Das vermeintliche Endspiel war entschieden, ehe es begonnen hatte.

"Ich hätte gerne gesehen, dass Barça nervös geworden wäre", sagte Allofs, bemüht, ein versöhnliches Fazit zu ziehen: "Wir beurteilen unser Team nicht nach einem Spiel an einem Tag: Von unseren drei Spielzeiten in der Champions League war das die stärkste. Wer hat denn vorher erwartet, in dieser Gruppe zehn Punkte zu holen?" Das mag stimmen - und gerade deshalb war den zuletzt doch so beschwingten Bremern an diesem Abend mehr zugetraut worden, als eine halbe Stunde lang nur Beiwerk für ein berauschtes, von Ronaldinho, Deco oder Iniesta so leichtfüßig geführtes Barça-Ensemble zu mimen.

Per Mertesacker ärgerte sich mächtig: "Es lag an unserer eigenen Blödheit. Wir wollten mehr Mut und Leidenschaft zeigen, das hat nicht geklappt. Die erste Halbzeit war der Champions League nicht würdig." Nur wenige Werder-Profis waren überhaupt in der Lage, eine Statement abzugeben - so tief saß die Enttäuschung. "Wir gehen mit erhobenem Kopf", sagte Torwart Tim Wiese, der neben den Brasilianern Naldo und Diego der einzige Bremer war, der über 90 Minuten der Klasse der Katalanen trotzte.

"Darüber bin ich enttäuscht", kommentierte Trainer Thomas Schaaf die Leistung seiner Truppe. Vielleicht waren es die von Barça-Coach Frank Rijkaard artig auf Deutsch ausgesprochenen Komplimente ("Die zweite Halbzeit hat gezeigt, dass Bremen eine gute Mannschaft hat. Ich habe großen Respekt vor dem deutschen Fußball"), die Werders Trainer schnell milde stimmten. Unaufgeregt suchte der 45-Jährige nach dem Positiven. "Dass es überhaupt zu diesem Endspiel gekommen ist, dass so viele Leute in ganz Deutschland mit Werder mitgefiebert haben, das sind Zeichen, dass wir Tolles geleistet haben", sagte Schaaf.

Doch auch ihm wird nicht entgangen sein: Ganz oben, im dritten Rang des mächtigen Barca-Ovals, brauchten die Tausenden Werder-Fans lange, bis sie den passenden Kanon für diesen lehrreichen Abend fanden. Das "Wir-holen-den-U-U-Uefa-Cup-und-werden-Deutscher-Meister" diente nach dem Spiel auf den Ramblas am ehesten dazu, die Enttäuschung zu mildern. Selten hatte dieser Fansong solch eine Berechtigung. Andere Ziele bleiben den Bremern nicht mehr, die nun am 15. Dezember erfahren, wer ihnen im Februar für den Uefa-Cup in der Runde der 32 Teams zugelost wird.

Allofs gibt dafür sogleich neue Ziele aus: "Das ist kein Döner- und kein Verlierer-Cup: Wir wollen in diesem Wettbewerb durchmarschieren und ihn gewinnen." Und: "Zu Weihnachten wollen wir in der Bundesliga vorne sein." Im Vorjahr hatte das Ausscheiden aus der Champions League tiefe Wunden hinterlassen, in der Bundesliga schlitterte Werder daraufhin in die Krise. "Das passiert nicht wieder", beteuert Allofs. Auch Schaaf verspricht: "Das Ausscheiden wird diesmal auf die Bundesliga keine Auswirkungen haben." Der Beweis steht am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bei Eintracht Frankfurt an.

FC Barcelona - Werder Bremen 2:0 (2:0)
1:0 Ronaldinho (13.)
2:0 Gudjohnsen (18.)
Barcelona: Valdés - Zambrotta, Márquez, Puyol, Motta (62. Thuram) - Iniesta (73. Xavi), van Bronckhorst, Deco - Giuly (85. Ezquerro), Gudjohnsen, Ronaldinho. - Trainer: Rijkaard
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Wome (80. Hunt) - Frings - Jensen, Borowski - Diego - Klose, Almeida (71. Klasnic). - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)
Zuschauer: 95.824
Gelbe Karten: Puyol, Motta / Frings (2), Wome, Diego

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