Brüssel: Verfahren gegen die Uefa eingeleitet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Brüssel Verfahren gegen die Uefa eingeleitet

Nur wenige Monate nach dem Streit über das Transfersystem kommt es erneut zu einem Showdown zwischen der EU und der Uefa: Dieses Mal geht es um die Vermarktung der Champions League.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - Die EU-Kommission hat ein Wettbewerbsverfahren gegen den europäischen Fußballverband (Uefa) wegen der TV-Rechte an der Champions League eröffnet. Für Sportfans müsse es eine umfassendere Berichterstattung über europäische Fußball-Topereignisse geben, forderte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel.

Freier Zugang verlangt


Der Verkauf sämtlicher TV-Rechte sowohl für frei empfangbare Programme als auch für das Bezahlfernsehen (Pay-TV) an eine einzige Rundfunkanstalt pro Land über einen Zeitraum von mehreren Jahren verstoße möglicherweise gegen das EU-Wettbewerbsrecht. Brüssel verlangt "konstruktive Vorschläge", damit ein freier Zugang zu Fußball-Übertragungen im Fernsehen gewährleistet werde.

Die Uefa hat nun drei Monate Zeit, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Das Abschotten und Einschränken von Märkten ist in der EU grundsätzlich verboten. Wenn die EU-Kommission ausreichend Beweise findet, sind auch Bußgelder möglich. Wettbewerbsverfahren dieser Art dauern in der Regel ein bis zwei Jahre.

"Nicht mehr finanzierbar"


Die Uefa hatte ihre Regeln für die gemeinsame Vermarktung der Fernsehrechte an der Uefa-Champions-League 1999 bei der Kommission angemeldet. Die Kommission kritisierte, diese Art der Vermarktung könne dazu führen, "dass der Zugang zu Fußball-Übertragungen im Fernsehen für viele Zuschauer nicht mehr finanzierbar ist". Nur größere Medienkonzerne könnten sich den Erwerb und die Verwertung dieses Rechtebündels leisten. Die Nachfrage anderer Rundfunkanstalten könne hingegen nicht gedeckt werden.

"Die gemeinsame Vermarktung der Fernsehrechte in der von der Uefa praktizierten Form ist für die Wahrung der Solidarität der mitwirkenden Vereine nicht unerlässlich. Sie sollte auch ohne wettbewerbswidrige Regelungen erreichbar sein", schrieb die Kommission. Erst im Frühjahr hatte sich die EU-Kommission mit den Fußballverbänden Fifa und Uefa auf eine Neuregelung des Vertragsrechts und des Transfersystems geeinigt.