Bundesliga: Bayer strauchelt und siegt - DER SPIEGEL
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Bundesliga Bayer strauchelt und siegt

Mit Mühe hat Bayer Leverkusen seine Tabellenführung in der Bundesliga verteidigen können. Beim 3:1 gegen Dortmund bedurfte es eines Arbeitssieges. Dagegen hatte Bayern München mit den Ulmer Spatzen so gut wie keine Probleme.
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Hamburg - Eine Woche nach der Übernahme der Tabellenspitze hat Bayer 04 Leverkusen die Pole-Position im Meisterrennen nur mit Mühe verteidigen können. Beim 3:1 gegen das weiter von akuter Abstiegsnot bedrohte Team von Borussia Dortmund fuhren die Leverkusener den 17. Saisonsieg erst in den letzten sechs Spielminuten ein und benötigten dabei die freundliche Unterstützung von Schiedsrichter Hartmut Strampe. Dagegen kam der FC Bayern München im ausverkauften Olympiastadion mit einem 4:0 über den SSV Ulm zu einem lockeren Erfolg. "Angst hatten wir nicht, aber wenn es von Anfang so schwierig läuft, fragt man sich, warum passiert das immer uns", räumte Bayer-Kapitän Jens Nowotny ein, dass ein immenser Druck auf dem Spitzenreiter lastet.

Münchens Manager Uli Hoeneß, der mit einem Punktverlust des Konkurrenten gerechnet hatte, sieht sein Team nicht nur deswegen im Vorteil. Denn Bayer 04 hat bis zum Saisonende noch vier Auswärts- (darunter beim Dritten Hamburger SV) und nur noch zwei Heimspiele auf dem Programm stehen, während der Titelverteidiger noch drei Mal im Olympiastadion antreten darf. "Wir haben es in der Hand, die Spitze weiter von vorne zu kontrollieren. Ein Tag darf sich gefreut werden, dann steht die nächste Aufgabe an", sagte Bayer-Trainer Christoph Daum vor der "englischen Woche" mit dem 29. Spieltag am Dienstag und Mittwoch. Leverkusen muss in Rostock, der FC Bayern in Freiburg antreten.

"Das ist eine Sauerei. Ihr solltet euch schämen", schrie Dortmunds empörter Routinier Jürgen Kohler dem Unparteiischen-Gespann nach dem Abpfiff der hektischen Partie in Leverkusen nach. Manager Michael Meier sprach sogar von anhaltender Benachteiligung durch die DFB-Schiedsrichter seit einigen Wochen. "Was passiert, spottet jeder Beschreibung. Es sind Entscheidungen in Serie gefallen, die sind nicht mehr hinnehmbar", sagte Meier. Der BVB beklagte, dass der Platzverweis für Stefan Reuter gemessen an angeblichen Tätlichkeiten von Bayer-Spielern nicht berechtigt war, ein klares Handspiel von Ulf Kirsten kurz vor Schluss nicht mit Elfmeter geahndet wurde und Dortmunder Spieler vor dem DFB-Sportgericht härter bestraft würden als Akteure anderer Vereine.

"Ich bin unheimlich traurig und enttäuscht", sagte Reuter nach der fünften Niederlage des BVB in Folge, der nun schon seit elf Spielen auf einen Sieg wartet. Bernd Krauss hat mittlerweile den schlechtesten Start eines Trainers in der Vereinsgeschichte hingelegt. Für Torwart Jens Lehmann ist dies kein Wunder: "Das kann nicht mehr wahr sein. Irgendwie werden wir immer benachteiligt. Das macht keinen Spaß mehr." Der risikobereite Bayer-Trainer Daum, der am Ende mit Jens Nowotny nur noch einen gelernten Abwehrspieler auf dem Feld hatte, musste feststellen, dass sein Team wesentlich nervöser agierte als in der Bayern-Verfolgerrolle in den Vorwochen. Im Stadion wird bereits jetzt auf die Bekanntgabe der Zwischenstände aus den anderen Stadien verzichtet.

Ebenso viel Aufregung und Spannung wie das Titelrennen bieten die anstehenden Entscheidungen um die Europapokal-Plätze und der Abstiegskampf. Der Hamburger SV hielt mit 1:0 über Hansa Rostock am Freitag Kontakt zum Spitzen-Duo und hat als Dritter schon neun Punkte Vorsprung auf die Verfolger, die ebenfalls um den Einzug in die Champions-League-Qualifikation ringen. Werder Bremen verteidigte mit einem 3:1 (2:0)-Sieg am Sonntag über den designierten Absteiger Arminia Bielefeld den vierten Tabellenplatz. Dem 1. FC Kaiserslautern gelang ein wertvoller 2:1-Auswärtsieg beim FC Schalke 04, der in der unteren Tabellenhälfte verblieb und den Einzug in den Europapokal abgehakt hat. Manager Rudi Assauer kündigte für die nächste Woche "Entscheidungen" an.

Ebenfalls nicht glanzvoll, aber siegreich präsentierte sich Hertha BSC Berlin beim sehr mühevollen 1:0 über Eintracht Frankfurt, mit dem die Hauptstädter den TSV München 1860 überflügelten, der am Freitagabend im kleinen Münchner Derby nur ein 1:1 bei Aufsteiger SpVgg Unterhaching erzielt hatte. Ernüchterung wie bei Schalke 04 herrschte beim VfB Stuttgart nach der 2:5-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg. Die Schwaben sind zu inkonstant in ihren Leistungen, können aber noch auf einen UEFA-Pokal-Platz hoffen. Einen wichtigen Schritt Richtung Klassenverbleib tat der SC Freiburg, der am Sonntag beim 2:1 in Duisburg seinen zweiten Auswärtssieg feierte.