Bundesliga-Elf der Saison: Christopher Trimmel, Klaus Gjasula und David Wagner - DER SPIEGEL
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Bundesliga Das ist die SPIEGEL-Elf der Saison

Sie mögen nicht alle die besten Spieler der Bundesliga-Spielzeit gewesen sein. Dafür liefern sie die besten Geschichten: vom unverhofften Standardkönig Christopher Trimmel bis zum auferstandenen Thomas Müller.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Yann Sommer: Die lebende Parade

Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach

Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach

Foto:

Matthias Kern/ Bongarts/Getty Images

Manchmal treibt er die eigenen Fans auch zur Verzweiflung. Zum Beispiel in der Partie beim FC Bayern vor zwei Wochen, als Yann Sommer im Bestreben, ein perfekter mitspielender Torwart zu sein, den Ball nicht einfach nach vorn bolzte, sondern ihn vermeintlich elegant zum Mitspieler querlegen wollte. Der Ball landete stattdessen bei Bayern-Stürmer Zirkzee und postwendend im Gladbacher Tor.

Aber solche Fehler sieht man ihm in Mönchengladbach nach, da er sie im Lauf der Saison längst durch seine Leistungen kompensiert hat. 126 Paraden hat Sommer in dieser Spielzeit gezeigt, damit führt er die Rangliste vor Unions Keeper Rafal Gikiewicz an (115). Nun sagt die Anzahl der gehaltenen Bälle noch nichts über deren Qualität aus. Aber auch hier gibt es eine Statistik, die für Sommer spricht: die der sogenannten expected goals against. Diese Statistik  zeigt anhand von historischen Daten, wie wahrscheinlich ein Gegentor aus der jeweiligen Abschlussposition des Gegners ist. Sommer hätte demnach statistisch gesehen 46 Tore kassieren müssen, es wurden aber nur 40. Nur Freiburgs Alexander Schwolow hat eine noch höhere Differenz aufzuweisen (+16).

Sommers persönlichen Rekord von 13 Zu-null-Spielen aus der Vorsaison konnte er allerdings nicht halten, sieben Mal blieb der Schweizer Nationaltorwart immerhin ohne Gegentreffer.

Darüber hinaus ist Sommer im nunmehr sechsten Gladbacher Jahr unangefochtene Führungspersönlichkeit im Team, einer, der sich in der Öffentlichkeit ausdrücken kann. Wenn er jetzt noch im reiferen Alter von 31 Jahren lernt, Elfmeter zu halten, stünde seinem Heldenstatus in Mönchengladbach nicht mehr viel im Wege. Peter Ahrens

Christopher Trimmel: Standard!

Christopher Trimmel hat für Union Berlin viele Tore vorbereitet

Christopher Trimmel hat für Union Berlin viele Tore vorbereitet

Foto: Bernd König/ imago images

Als Christopher Trimmel 20 Jahre alt war, lehnte ihn die Kunstakademie ab. Also begann der Österreicher, Sport und Geografie auf Lehramt in Wien zu studieren. Fußball spielte er nur zum Spaß nebenbei in seiner Heimat, dem Burgenland. Vierte Liga.

13 Jahre später spielt Trimmel Bundesliga. Und in seiner Premierensaison in Deutschlands Eliteliga hat der 33-Jährige zudem eine eindrucksvolle Marke erreicht: Der Rechtsverteidiger von Union Berlin hat in dieser Spielzeit neun Tore durch Standardsituationen vorbereitet. Das ist nicht nur ein Bestwert in Deutschland. Trimmel gehört damit auch zu den Standardkönigen in den europäischen Topligen.

Freistöße, Ecken, gern auf Unions Stürmer Sebastian Andersson (fünf Vorlagen) - sie wurden immer gefährlich, wenn Trimmel sie trat. Überhaupt war Union das Team der ruhenden Bälle: 20 Tore erzielte der Aufsteiger durch Elfmeter oder nach Standardsituationen - fast die Hälfte aller eigenen Saisontore (41) fielen so.

Davon bereitete Trimmel insgesamt elf Treffer vor. Damit ist er der Verteidiger, dem die meisten Assists in dieser Bundesligasaison gelangen (vor Dortmunds Achraf Hakimi und Freiburgs Christian Günter mit je zehn Assists). Und Trimmel gehört auch hier zu den Topleuten in Europa. Liverpools Trent Alexander-Arnold steht aktuell bei zwölf Vorlagen in der Premier League. Sich in dieser Gesellschaft zu befinden, ist nicht so schlecht für einen ehemaligen Viertligaspieler und verhinderten Kunststudenten. Jörn Meyn

Klaus Gjasula: Das Gelbe vom Absteiger

Klaus Gjasula hat einen neuen Gelb-Rekord aufgestellt

Klaus Gjasula hat einen neuen Gelb-Rekord aufgestellt

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Klaus Gjasula hat von Geburt an ein gewisses Handicap mit sich herumzuschleppen. Von seinen Eltern wurde er mit dem Vornamen Klaus bedacht, weil die Familie, wie es heißt, große Fans der Schwarzwaldklinik waren, mit Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann. Sein Bruder heißt Jürgen.

Mittlerweile hat es der albanischstämmige Verteidiger des SC Paderborn aber auch aus anderen Gründen geschafft, von sich reden zu machen. Sein Helm, den er seit einer Jochbogenfraktur aus dem Jahr 2013 trägt, macht ihn in der Liga schon optisch zum Unikum. In dieser Saison kam noch eine Bestmarke hinzu: Mit seiner 17. Gelben Karte, die er in der Partie gegen Werder Bremen erhielt, stellte er einen Bundesligarekord auf und löste den Schalker Tomasz Hajto ab.

Nicht unbedingt etwas, auf das man stolz sein muss. Gjasula ist zwar ein harter Bursche, aber beileibe kein Raubein, seine Fouls sind meist taktischer Natur, verletzt hat sich bei seinen gelbwürdigen Attacken niemand. Und immerhin hat der 30-Jährige für den SC Paderborn etwas Bleibendes in der Erstklassigkeit hinterlassen, wenn der Verein in der kommenden Saison wieder in der zweiten Liga antreten muss. Peter Ahrens

Vladimír Darida (Hertha BSC): Läuft!

Herthas Vladimír Darida läuft viel

Herthas Vladimír Darida läuft viel

Foto: Maja Hitij/ Bongarts/Getty Images

Vladimír Darida hat schon so manch erstaunliche Leistung vollbracht. Mit 13 war er viel zu klein für sein Alter. Also schickte ihn sein Vater zum Arzt, der eine Glutenallergie feststellte. Darida ernährte sich fortan glutenfrei. Anderthalb Jahre später war er 20 Zentimeter gewachsen.

Erstaunliches schaffte Darida auch in dieser Saison. Immer schon war der 29 Jahre alte zentrale Mittelfeldspieler von Hertha BSC ein Vielläufer auf dem Feld. Mit ihm war es wie in der Fabel vom Hasen und dem Igel: Egal wo der Ball hinrollte, Darida war immer schon da. 2016, als er mal wieder einen der höchsten Durchschnittswerte an gelaufenen Kilometern pro Partie aller Spieler hatte (rund 13 Kilometer), sagte er: "Die Grenze sind, denke ich, 13,5 Kilometer."  

Gegen Borussia Dortmund am 30. Spieltag verschob Darida aber jene Grenze. Er wuchs quasi über sich hinaus. 14,65 Kilometer lief der Tscheche und stellte damit einen neuen Bundesligarekord auf. Nun ist es ja leider so, dass viel nicht unbedingt viel hilft. Darida aber war eine Stütze einer Hertha, die in dieser turbulenten Berliner Saison besonderen Halt benötigte. Mit neun Scorerpunkten (drei Treffern und sechs Vorlagen) hat er zudem seinen eigenen Bestwert aus der Saison 2014/15 bei Freiburg eingestellt. Zugetraut hatten ihm das nur noch wenige. Sein Wert war in den letzten Jahren geschrumpft. Jörn Meyn

Alphonso Davies: Rakete

Alphonso Davies ist Leistungsträger beim FC Bayern

Alphonso Davies ist Leistungsträger beim FC Bayern

Foto: Sebastian Widmann/ Bongarts/Getty Images

Der Vergleich mit einem Kometen drängt sich auf - oder mit einer Rakete. Irgendetwas in jedem Fall, das mit extremer Geschwindigkeit und in kürzester Zeit am Himmel auftaucht. Alphonso Davies darf man mit Fug und Recht als den Shootingstar beim Deutschen Meister Bayern München bezeichnen. Denn auch dieses Wort beinhaltet Tempo. Und das ist das Synonym für Davies.

Der 19 Jahre alte Kanadier mit liberianischen Wurzeln fegt seit der Hinrunde auf der linken Abwehrseite der Bayern die Linie herauf und herunter, er nutzte seine Chance, als die Position hinten links frei wurde, weil Vorgänger David Alaba in die Abwehrzentrale rückte. Schon Alaba war schnell, Davies ist schneller. 36,52 Kilometer pro Stunde wurden laut Datenanbieter Opta in dieser Saison bei ihm gemessen, kein Spieler war seit Datenerfassung in der Bundesliga schneller.

Dabei ist Davies viel mehr als ein Roadrunner, er hat Überblick, seine Flügelläufe werden meist mit intelligenten Zuspielen in die Sturmmitte abgeschlossen, Davies hat das Bayern-Spiel dadurch noch mit einer zusätzlichen Note bereichert. Zudem hat Sportdirektor Hasan Salihamidzic mit seiner Verpflichtung in der Winterpause 2018/2019 bewiesen, dass die Bayern auch erfolgreiche Talentsuche betreiben können - was im Klub jetzt auch gern bei jeder Gelegenheit betont wird. Peter Ahrens

Florian Wirtz: Jung und wehrhaft

Florian Wirtz (l.) im Zweikampf mit Leonardo Bittencourt von Werder Bremen

Florian Wirtz (l.) im Zweikampf mit Leonardo Bittencourt von Werder Bremen

Foto: Stuart Franklin/ Getty Images

Der 1. FC Köln ist stolz auf seine Nachwuchsarbeit. Kein anderer Bundesligaklub schafft es derzeit so regelmäßig, Talente an den Profikader heranzuführen. Jan Thielmann, 18, Noah Katterbach, 19, und Ismail Jakobs, 20, kamen in dieser Saison regelmäßig zum Einsatz. Das vermeintlich größte Talent musste der FC jedoch im Winter ziehen lassen - und dann auch noch zum rheinischen Rivalen nach Leverkusen. Florian Wirtz, 17 Jahre alt, offensiver Mittelfeldspieler.

Bis 2020 spielte Wirtz in der FC-Jugend, dann schlug Bayer zu, obwohl es ein Agreement gibt, Jugendspieler nicht abzuwerben. Nach der Corona-Pause wurde schnell klar, warum Leverkusen den Ärger mit dem FC in Kauf nahm. Mit 17 Jahren und 15 Tagen wurde Wirtz gegen Werder Bremen zum drittjüngsten Bundesliga-Debütanten. 19 Tage später traf er gegen die Bayern und schwang sich zum jüngsten Torschützen der Ligahistorie auf.

Wirtz fällt im Passspiel noch einige falsche Entscheidungen. Der dribbelstarke Bruder der Leverkusener Bundesligaspielerin Juliane Wirtz weiß sich aber gerade in direkten Duellen zu wehren. Seine Zweikampfquote liegt bei bemerkenswerten 53 Prozent. Marcus Krämer

Filip Kostic: Der Flankenkönig

Frankfurts Filip Kostic bereitet viele Tore vor

Frankfurts Filip Kostic bereitet viele Tore vor

Foto: Stuart Franklin/ picture alliance/dpa

Im deutschen Fußball hält sich seit Jahren die Legende, dass gute Spieler nach einem Wechsel zum Hamburger SV automatisch schwächer werden, um bei einem erneuten Wechsel wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Filip Kostic steht exemplarisch für diese Entwicklung. Beim VfB Stuttgart gehörte er zu den Leistungsträgern, in Hamburg unterliefen ihm bis zum Bundesliga-Abstieg viele erstaunliche Fehler. Und bei Eintracht Frankfurt ist er nun zum zweiten Mal in Folge bester Vorlagengeber.

Kostics Wert für die Eintracht wurde in einem Spiel besonders deutlich, als der Serbe gar nicht dabei war. Im Pokalhalbfinale bei den Bayern fehlte Kostic gelbgesperrt. Trainer Adi Hütter war gezwungen, Rechtsfuß Timothy Chandler auf die linke, die Kostic-Seite zu stellen. Zunächst war Frankfurt kolossal unterlegen, doch in der zweiten Hälfte glich die Eintracht aus, und mit dem schnellen Kostic wären die Konter noch viel gefährlicher ausgefallen.

In der Bundesliga schlug der 27-Jährige in 33 Spielen 209 Flanken aus dem Spiel heraus, das ist mit Abstand Bestwert in dieser Saison. Dahinter folgt Christian Günter vom SC Freiburg mit 115 Flanken. Beim HSV wären sie froh, wenn sie überhaupt mal wieder in der Bundesliga flanken dürften. Marcus Krämer

Thomas Müller: Die Auferstehung

Thomas Müller ist der beste Vorlagengeber der Liga

Thomas Müller ist der beste Vorlagengeber der Liga

Foto: Stuart Franklin/ Getty Images

Der Einfluss von Louis van Gaal auf die heutigen Erfolge des FC Bayern München ist immer noch spürbar. Der Niederländer prägte auch einst diesen berühmten Satz: "Thomas Müller spielt immer." Dieses Fußballgesetz hatte Bestand, bis Niko Kovac die Bayern übernahm. Müller saß häufiger auf der Ersatzbank, Kovac fand nicht die richtige Position für den flexibel einsetzbaren Mittelfeldspieler, der sich im Zentrum am wohlsten fühlt.

Bis zur 1:5-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt hatte Müller in der Bundesliga einmal über 90 Minuten gespielt. Es folgte die Trennung von Kovac, Hansi Flick übernahm das Traineramt - und seitdem agiert Müller wieder im Van-Gaal-Modus. In 33 Bundesligaspielen erzielte der 30-Jährige acht Tore und bereitete 21 weitere Treffer vor. Mehr Assists in einer Spielzeit schaffte nur Leipzigs Emil Forsberg 2016/17, als er 22 Treffer auflegte. Was bei Müller aber vor allem beeindruckte, war sein wiedergewonnenes Gefühl für Spielsituationen. Er war wieder da, wo es gefährlich wurde, er machte Räume auf, spielte kluge Pässe, und selbst seine Flanken entwickelten viel Torgefahr.

Im Fahrwasser dieser von Flick angeleiteten Auferstehung verlängerte Müller seinen Vertrag bis 2023. Es ist schwer vorstellbar, dass der in Oberbayern geborene und seit der D-Jugend für die Bayern spielende Müller jemals für einen anderen Verein auflaufen wird. Marcus Krämer

Christoph Baumgartner: Voll Pfosten

Christoph Baumgartner spielt mit Hoffenheim kommende Saison in der Europa League

Christoph Baumgartner spielt mit Hoffenheim kommende Saison in der Europa League

Foto: Markus Gilliar/ GES/ imago images

Die TSG Hoffenheim hat sich für den Europapokal qualifiziert. Das schreibt man selten über eine Mannschaft, die kürzlich den Trainer entlassen hat. Und noch seltener schreibt man, dass es vielleicht sogar noch mehr Punkte hätten werden können. An beidem ist Christoph Baumgartner maßgeblich beteiligt.

Der 20 Jahre alte Österreicher hat sich recht unerwartet zu Hoffenheims Spieler der Saison entwickelt. In die Spielzeit ging er als Ersatzmann, heraus kommt er mit sieben Toren und fünf Vorlagen als eine der großen Entdeckungen. Nur Andrej Kramaric, der gegen Dortmund am letzten Spieltag viermal traf, erzielte mehr Saisontore (zwölf) bei der TSG als der Offensivspieler. Baumgartner, der sich gern als "linken Zehner" bezeichnet, könnte einer der interessantesten Jungprofis der nächsten Saison werden.

Vielleicht hätten Sie das schon häufiger gelesen, gäbe es nicht noch diese Statistik zu Christoph Baumgartner: Kein Spieler traf in dieser Spielzeit öfter Pfosten oder Latte (vier Mal ). Zwar trafen Serge Gnabry, Robert Lewandowski und Kai Havertz genauso oft Aluminium. Aber bis auf Havertz (56 Torschüsse) gab Baumgartner auch viel weniger Torschüsse ab (59) als die anderen - hatte also proportional mehr Pech. Kommt das Glück noch dazu, dürfte Baumgartner wohl nicht mehr allzu lange in Hoffenheim spielen. Jörn Meyn

Sebastian Andersson: Ein-Mann-Mannschaft

Sebastian Andersson (l.) kann auch mit dem Fuß spielen

Sebastian Andersson (l.) kann auch mit dem Fuß spielen

Foto: Maja Hitij/ Bongarts/Getty Images

Der Aufsteiger Union Berlin hatte in dieser allerersten Bundesligasaison der Vereinsgeschichte ein recht simples Überlebensrezept: Zweikämpfe gewinnen und den Ball, am liebsten hoch, zu Stoßstürmer Sebastian Andersson bugsieren.

Der Schwede war diesbezüglich eine Ein-Mann-Mannschaft für die Berliner. Mit zwölf Toren besorgte er mehr als ein Viertel aller Saisontreffer (41) selbst. Dazu kamen fünf Vorlagen. Noch beeindruckender aber ist das: Andersson führt die Statistik der meisten gewonnenen Zweikämpfe mit 503 Duellen an. Jamilu Collins vom SC Paderborn folgt auf Rang zwei mit 416. Dazwischen liegen Welten. Andersson sucht, findet und gewinnt die Duelle. Für Union war das auch deshalb so wertvoll, weil Andersson der perfekte Stürmer für die Taktik einer bisweilen spielerisch unterlegenen Mannschaft war: hohe Bälle nach vorn. Der 28-Jährige gewann 260 Kopfballduelle. Auch hier liegt mindestens eine Welt zwischen ihm und der Konkurrenz: Es folgt Sven Bender von Bayer Leverkusen mit 154.

Kurzum: Kaum ein Spieler verkörperte den Stil seiner Mannschaft so stark und war gleichsam so entscheidend für den Erfolg seines Teams in dieser Saison wie Sebastian Andersson bei Union Berlin. Jörn Meyn

Erling Haaland: Effektiv und wortkarg

Erling Haaland braucht keine 90 Minuten für ein Tor

Erling Haaland braucht keine 90 Minuten für ein Tor

Foto: Joern Pollex/ Bongarts/Getty Images

Trifft er weiter so wie bisher, wird die Bundesliga in der kommenden Saison ein außergewöhnliches Torjägerduell erleben. Erling Haaland, 19, erzielte für Borussia Dortmund in 15 Spielen 13 Tore, im Schnitt traf der Norweger alle 81 Minuten. Robert Lewandowski spielte im Alter von 31 Jahren die beste Saison seiner Karriere. 31 Mal stand der Pole auf dem Platz, dabei gelangen ihm 34 Treffer. Lewandowski versus Haaland, zwei Knipsergenerationen.

Haaland wechselte im vergangenen Winter aus Salzburg nach Dortmund und traf sofort mit einer Coolness, die 19-Jährigen auf der Bundesligabühne in der Regel fehlt. Drei Tore gegen Augsburg, zwei gegen Köln, jeweils als Einwechselspieler. Dann das Startelfdebüt gegen Union Berlin, wieder mit zwei Toren. So konnte es nicht weitergehen, es gab auch Spiele, in denen Haaland nicht über eigene Tore jubeln durfte. Nach überstandener Knieverletzung traf er am Ende wieder regelmäßig.

Kein Spieler in dieser Bundesligasaison brauchte weniger Schüsse für ein Tor als Haaland (durchschnittlich 2,61).

So erstaunlich wie seine Effizienz ist auch Haalands Gabe, Interviewfragen nach Spielende wortkarg zu beantworten. Es gibt viele Beispiele, nach dem 4:0 gegen Schalke - ein Tor Haaland - wurde er beispielsweise gefragt, warum er und seine Kollegen vor die Südtribüne gegangen seien, obwohl diese doch leer gewesen sei. Antwort: "Warum nicht?" Steckte dahinter eine Botschaft? Antwort: "Ja." Welche? Antwort: "Für meine Fans." Die bedeuten alles für Sie und Borussia Dortmund? Antwort: "So ist es." So ist Erling Haaland. Marcus Krämer

Trainer der Saison: David Wagner

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance/dpa

Es ist schon ein Kreuz mit dem FC Schalke 04. Kummer sind die Anhänger der Königsblauen gewohnt, aber was sie in dieser Saison zu schlucken hatten, erreichte noch einmal neues Niveau. Klubboss Clemens Tönnies sorgte zu Beginn und zu Ende der Spielzeit für die Tiefpunkte, indem er erst mit einem rassistischen Spruch aufwartete, um dann in der Coronakrise das Elend der Fleischindustrie allen zu offenbaren.

Die sportliche Talfahrt in der Rückrunde, für die Trainer David Wagner steht, wurde da fast zum Nebenschauplatz. Der Ex-Eurofighter wurde zunächst gefeiert, weil er nach dem chaotischen Jahr unter Vorgänger Domenico Tedesco eine klare Linie ins Team zu bringen schien. Schalke spielte eine gute, manchmal sogar sehr gute Hinrunde und startete dann auch mit einem überzeugenden 2:0 über Borussia Mönchengladbach ins Jahr 2020.

Aber wie so oft in Gelsenkirchen: Wenn die ersten Fans schon anfangen zu träumen, dann ist das Aufwachen umso heftiger. Nach dem Spiel gegen Mönchengladbach hatte Wagners Team nichts mehr hinzuzusetzen, 16 sieglose Partien, das hatten selbst seine erfolglosen Vorgänger nicht geschafft. Schalke stellte das Toreschießen in der Rückrunde mehr oder weniger ein, als hätte man einen Lockdown über die Offensive verhängt. Massive Verletzungssorgen kamen hinzu.

Wagner machte dabei zunehmend den Eindruck eines Ratlosen, rettete sich nach den Spielen in Wortstanzen, das Krisenmanagement entglitt ihm weitgehend. Und plötzlich fiel vielen auf Schalke wieder ein, dass der Coach einen Gutteil seiner Trainerzeit beim Rivalen Borussia Dortmund verbracht hat. Man stelle sich besser nicht vor, was auf Schalke in der Rückrunde mit Publikum los gewesen wäre. Wagner war nicht der beste Trainer der Saison, aber der, der am meisten erlebt hat. Peter Ahrens