Bundesliga-Fehlstarter: Quartett der Versager - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Fehlstarter Quartett der Versager

Katerstimmung im Tabellenkeller: Der Deutsche Meister VfL Wolfsburg, aber auch Hertha BSC Berlin, Borussia Dortmund und der 1. FC Köln haben unerwartete Fehlstarts in die Saison hingelegt. Am Rhein debattiert man nun sogar schon über Trainer Soldo.
Kölner Ishiaku, Podolski: Fünf Spiele, ein Punkt
Kölner Ishiaku, Podolski: Fünf Spiele, ein Punkt

Kölner Ishiaku, Podolski: Fünf Spiele, ein Punkt

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images
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Die Szenen waren unterschiedlich, hatten jedoch eins gemeinsam: In gleich vier Bundesliga-Städten platzten an diesem Spieltag die Träume von einem gelungenen Start in die Saison. Bereits nach dem fünften Spieltag sind vier Bundesligisten so weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben, dass die Saisonziele in Frage gestellt werden.

In Köln gab es zumindest Beifall von den Rängen für die Verlierer, auch wenn er nach der 1:2 Heimniederlage gegen Schalke natürlich eher mau ausfiel. In Dortmund hingegen scharte Trainer Jürgen Klopp sein Team am Samstag direkt nach dem 1:5 und der damit höchsten Heimniederlage seit 38 Jahren zur Blitzbesprechung um sich. In Mainz sanken die Spieler von Hertha BSC zur gleichen Zeit entsetzt auf dem Platz zusammen, und in Wolfsburg tobte Coach Armin Veh gegen den Schiedsrichter.

Grund für Vehs Zorn war der Platzverweis für seinen Torhüter. Dabei konnte man froh sein, dass Diego Benaglio mit seinem irrwitzigen Karatesprung den Leverkusener Eren Derdiyok nicht direkt ins Krankenhaus befördert hatte. Die grobe Gefährdung der Gesundheit rechtfertigte allein den Platzverweis, doch der Trainer nahm das Thema dankbar an, um vom Wesentlichen ablenken zu können. Der VfL Wolfsburg ist in der vergangenen Saison nämlich nicht nur Meister geworden, weil die Mannschaft einen phantastischen Sturm hatte, sie ließ auch nur 41 Gegentreffer zu. Das entsprach einer Quote von 1,2 im Schnitt pro Spiel, im Moment hat sich dieser Wert auf 2,2 fast verdoppelt.

Sah es in den ersten beiden Saisonspielen noch so aus, als ob der Stilwechsel von Magath zu Veh funktionieren würde, steht das nun massiv in Frage. Während im Meisterjahr oft gekontert wurde, soll nun mehr kombiniert werden. Das hörte sich gut an und sah in den ersten beiden Spielen noch besser aus. Doch nach den drei deftigen Niederlagen gegen die Spitzenteams Hamburg, Bayern und Bayer hat sich erst einmal das Scheitern des Konzepts erwiesen. Offensichtlich sind die Defensivspieler nicht stark genug, um ein Mehr an gegnerischem Offensiv-Schwung abzufangen. Und wie soll das erst werden, wenn das Team nun auch noch zusätzlich unter der Woche in der Champions League ran muss?

Magath macht es Soldo vor

Diese Sorge hat Borussia Dortmund bekanntlich nicht, aber auch dort gibt es unerwartete Defensiv-Probleme. Klopps Team ließ in der Vorsaison sogar noch weniger Gegentore als Wolfsburg zu und steht nun ebenfalls bei elf Treffern für die Gegner. War es Klopp in der vergangenen Rückrunde gelungen, das Puzzle einer individuell keinesfalls überragend besetzten Mannschaft präzise zusammenzubauen, liegen die Teile nun wieder lose auf dem Tisch herum. Sebastian Kehl fehlt verletzt und hinterlässt ein bedenkliches Loch im defensiven Mittelfeld, die Form der Verteidiger Felipe Santana und Neven Subotic ist nicht gut - und schon passt hinten wenig zueinander.

Welche Wichtigkeit aber den Details zukommt, konnte man in der vergangenen Saison bei Hertha BSC sehen. Dort schaffte Lucien Favre als Gott der kleinen Dinge eine Reihe von oft überraschenden Erfolgen, weil sein Team den fußballerischen Kleinkram mitunter perfekt erledigte. Doch nun muss der Schweizer Coach gleich einem Sisyphos den Stein wieder von vorne den Berg hinaufrollen. Wie weit unten er nach dem Abgang von Marko Pantelic, Josip Simunic und Andrej Woronin sowie nur drei Punkten aus fünf Spielen ist, wird langsam klar. Die Berliner, Vierter im Vorjahr, sind erst einmal im Abstiegskampf angekommen und der Gipfel liegt unerreichbar fern.

Favre steht in Berlin trotzdem nicht in Frage, Klopp sowieso nicht und erst einmal auch Veh nicht. In Köln ist das anders, obwohl die Mannschaft nicht schlecht spielt und mit nur einem Punkt aus fünf Partien deutlich unterbewertet ist. Dennoch rumort es hinter den Kulissen bereits, weil Zvonimir Soldo in seinem Auftreten seltsam defensiv und gehemmt wirkt. Gegen Schalke wurde dem unerfahrenen Coach von Felix Magath zudem vorgemacht, wie man durch taktische Raffinesse aus einer Mannschaft das Beste herausholt. Auf die Rochaden des Gästetrainers fand Soldo keine Antwort, und in den kommenden Wochen wird es nicht leichter. Nach dem Spiel in Stuttgart kommt Bayer Leverkusen über den Rhein, und nur Soldos bester Spieler ist ungebrochen zuversichtlich. "Man muss sich keine Sorgen machen", sagte Lukas Podolski und ging nach Hause.