Bundesliga-Kommentar: Das so genannte "Problem Effenberg" - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Kommentar Das so genannte "Problem Effenberg"

Warum man sich keine Sorgen um den deutschen Fußballmeister Bayern München und dessen verletzten Spielmacher Stefan Effenberg machen muss.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Meinungen gehen auseinander. Während die einen behaupten, Stefan Effenberg habe sich erfolgreich vor der Strapaze eines Elf-Stunden-Fluges zum Weltpokalfinale in Tokio gedrückt, sind andere - wie etwa Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld - einfach nur "traurig". Traurig darüber, dass sich der 33-jährige Effenberg am Samstag im Ligaspiel gegen Nürnberg diese Oberschenkel-Zerrung zugezogen hat und nun mutmaßlich zehn Tage wird pausieren müssen. Spötter sprachen von einer "Opa-Schenkelzerrung" und rechneten noch einmal vor, dass die Bayern in dieser Saison noch kein Spiel gewinnen konnten, bei dem Effenberg dabei gewesen war. Selbst das Sportressort der Deutschen Presse-Agentur hat mittlerweile ein "Problem Effenberg" ausgemacht.

Vier Saisonpflichtpartien hat der ansonsten verletzt fehlende Effenberg überhaupt erst spielen können, nur eine davon - beim 0:1 in Mönchengladbach - stand er die gesamten 90 Minuten auf dem Platz. Bei Werder Bremen und gegen den 1. FC Nürnberg blieb er jeweils zur Halbzeit in der Kabine. In der Champions League gegen Manchester war der Dienst des "Cheffes" nach 67 Minuten beendet.

Die gemeinsame Zeit schmerzfrei rumbringen

"Stefan hatte den Rhythmus noch nicht gefunden", sagte Hitzfeld nach dem 0:0 gegen den "Club" am Samstag, bei dem Effenberg wie schon in den Spielen zuvor ein Fremdkörper im Team des deutschen Meisters war. Das aktuelle "Problem Effenberg" - wie Verein und Spieler die noch bis zum Ende dieser Saison laufende gemeinsame Zeit möglichst schmerzfrei rumbringen -, ist erst einmal gelöst. Denn der bestbezahlte Bayern-Angestellte ist neuerlich krank geschrieben.

Das zeitlose "Problem Effenberg" hat vor ziemlich genau 14 Jahren mit dem ersten Bundesligaeinsatz des gebürtigen Hamburgers begonnen. Seither ist die Rede von der so genannten "Reizfigur", vom "Mann, an dem sich die Geister scheiden", von "einem, der polarisiert", vom "Egomanen" oder dem "großen Querulanten des deutschen Fußballs". Stets hat Effenberg die an ihm geäußerte Kritik aufwändig und mediengerecht gekontert.

"Sollen sie doch pfeifen, bis ihnen einer abgeht. Ich nehme den Kampf voll an. Gegen jeden, der pfeift. Gegen jeden, der Dinge gegen mich aufbauscht", hat er etwa der "Bild"-Zeitung nach dem Champions-League-Spiel gegen Manchester diktiert. Effenberg ließ sich einen Tiger in das Haar seines Hinterkopfes hineinfärben, zeigte Fans der Nationalmannschaft den "Stinkefinger" oder heiratete die ehemalige Geschäftsführerin einer Boutique in Mönchengladbach, um sie flugs darauf zu seiner Managerin zu befördern. In einem Interview mit der "Welt" hat Martina Effenberg unlängst gesagt: "Wenn du mit dem Strom schwimmst, bist du einer von vielen." Klar, dass ihr Mann zu dieser Kategorie nicht zu zählen ist.

Designerbrillen und kreischend rote Krachlederne

Effenberg befindet sich also permanent in einer Gegenstromanlage, weil er keiner aus dem Mainstream sein will. Kein gemeiner Balltreter, sondern der Leader des Fußvolks. Der Typ, der sich aufgrund seiner Stellung im Rudel nicht in sein Gesicht passende Designerbrillen quetschen oder in kreischend roten Krachledernen zur Bayern-Weihnachtsfeier erscheinen darf; jedenfalls meint Effenberg, dass er seine Ausnahmestellung so darzustellen hat. In Zeiten gemeinsamen Erfolgs nimmt ein Verein eine Figur wie Effenberg in Kauf. In Zeiten, in denen sich abzeichnet, dass es nie mehr so gut laufen wird wie zuvor, ist dann vom so genannten "Problem Effenberg" die Rede.

Das "Problem Effenberg" stellt sich, weil Effenberg anscheinend nur schwer akzeptieren kann, was er selbst zum obersten Prinzip seines Daseins erhoben hat: Der Chef muss stark, selbstbewusst, zeugungsfähig und durchsetzungskräftig sein. Das kann im Fußball jedoch nur, wer gesund ist und spielt. Und weil Stefan Effenberg zurzeit weder das eine noch das andere ist, dürften eigentlich weder die Bayern noch Stefan Effenberg ein Problem haben.