Bundesliga-Kommentar Der andere Hitzfeld
Der bemerkenswerteste Satz des vergangenen Bundesliga-Wochenendes stammt nicht von Rudi Assauer. "Die Bayern werden eh Meister", hat der Manager des gewesenen Tabellenführers FC Schalke 04 am Samstag erklärt. Das klingt plakativ, für Bayern-Fans möglicherweise sogar beruhigend.
Tatsächlich aber hat Assauer die Nicht-Titelfähigkeit seiner "Truppe" (Assauer) schon die ganze Winterpause über quasi täglich heruntergebetet. Ob das die schrecklich peinliche 1:4-Schlappe in Cottbus rechtfertigt? Ja, gut, sicherlich, irgendwann musste die "Truppe" mit dem Verlieren mal anfangen.
Den interessantesten Satz des Wochenendes hat also nicht Assauer von sich gegeben, sondern einer, von dem man das zuallerletzt erwartet hätte: Ottmar Hitzfeld, Trainer des neuen Tabellenführers FC Bayern München.
Ungewolltes Bewusstsein und "Max"
"Auch im Fußball geht die Entwicklung hin zu 'Big Brother', alles und jedes soll transparent gemacht werden", hatte Hitzfeld in seiner prüde-provinziellen, deswegen jedoch nicht unsympathischen Art der "Süddeutschen Zeitung" noch zum Ende des letzten Jahres anvertraut. Aber das vielleicht ja auch ungewollte Bewusstsein, in einem neuen Jahrtausend angekommen zu sein, hat Spuren an dem 52-Jährigen hinterlassen.
Nachdem er sich in der Februarausgabe des zum Nachrichtenmagazinnachrichtenmagazin erneuerten Warenkatalogs "Max" an der Seite seiner Gattin ("erstmals!!!!!!", Max) einer sogenannten "Starfotografin" zum Abschuss in edlem Zwirn freigegeben hatte, erklärte Hitzfeld nach dem biederen 3:1-Sieg bei langweiligen Wolfsburgern Verblüffendes: "Fußball ist auch ein bisschen Show."
Die Hera Lind der Bundesliga
Keine Angst, Sie werden Ottmar Hitzfeld nächste Woche nicht bei "Girlscamp" einfliegen oder nach der plötzlichen Trennung von seiner Frau Beatrix (seit 1976 verheiratet) mit Hera Lind entfesselt vor einem New Yorker In-Hotel turteln sehen. Obwohl, in gewisser Weise ging es Hitzfeld bei der Gleichsetzung von Fußball- mit Showgeschäft schon auch um Hera Lind. Um die Hera Lind der Bundesliga nämlich. Sie ahnen richtig: Hitzfeld meinte die Vorgänge um Ciriaco Sforza.
Vor dem Spieltag nervte der Schweizer Dauerselbstbemitleider nicht nur seine Teamkollegen mit der These, er werde von Teilen der Mannschaft gemobbt. Mobbing - der Alptraum eines jeden aufrechten Angestellten! Ciri - allein gegen die bösen Bayernspieler!
Während die Boulevardmedien zum ersten Mal nach Daum freudig erregt den Sensationsspeichel anrührten, und das dumme Wort vom "FC Hollywood" wieder einmal die Runde zu machen drohte, klärte Hitzfeld den Sachverhalt umstandslos. Er setzte Sforza in Wolfsburg auf die Bank, die Mannschaft übte sich nach einer Aussprache in Schweigen, und Hitzfeld sagte hinterher: "Von Mobbing hat der Ciriaco nie gesprochen. Das Wort ist ihm in den Mund gelegt worden, und von uns hat ihn keiner verurteilt." Wie hat Hitzfeld doch Recht. Fußball ist eben auch ein bisschen Show.