Bundesliga-Kommentar: Der gespielte Witz - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Kommentar Der gespielte Witz

Was ist los mit den fußballerischen Spitzenkräften aus dem Ruhrgebiet? Im Uefa-Cup ausgeschieden und in der Bundesliga nur Mittelmaß. Weder Borussia Dortmund noch Schalke 04 können mit der bisherigen Saison zufrieden sein. Denn nicht immer hat man das Glück, dass gerade Hertha BSC Berlin als Aufbaugegner bereit steht.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Manchmal passieren Fußballspielern schreckliche Dinge. Zum Beispiel: Fußballspiele. Es geschieht etwa dies: Mannschaft spielt eher schlecht, führt aber zur Pause. Sagen wir mal 2:0 oder 1:0, aber nach 90 Minuten steht es 2:4 oder 1:3. Was soll man da sagen? Denis Lapaczinski, Nachwuchsspieler des ehemaligen zukünftigen Spitzenvereins Hertha BSC Berlin, hat erst in Kaiserslautern nun Zuhause gegen Schalke 04 diese Spielverläufe erlebt und eine schmerzliche Erkenntnis gewonnen: "Wir haben immer die Crux, dass die Halbzeit dazwischen kommt."

Andere habe dafür Glück, dass ihnen Hertha BSC über den Weg läuft. Jüngst eben Kaiserslautern und Schalke. Huub Stevens, der möglicherweise demnächst ehemalige Trainer des ehemaligen zukünftigen Spitzenteams aus Berlin, ahnt, dass "eine Kopfsache" im Spiel ist. Kassiert seine Elf ein Gegentor, bricht ihr Spiel zusammen. Weil das praktisch immer passiert, weiß man noch nicht, ob es für den in ödes Mittelmaß abgesunkenen FC Schalke 04 eine Wende zum Besseren ist, in Berlin gewonnen zu haben. Kaiserslautern hat der Sieg gegen Berlin keinen Umschwung gebracht.

Anerkennung und Seife


Aber anders als in Kaiserslautern, wo gerade alles auseinander fällt, Führungspersonal jedweder Art auf dem Sprung ist und regelmäßig Autos des Trainers geklaut werden, wächst in Schalke erst etwas zusammen. In jüngster Zeit, sagt Torwart Frank Rost, würden "Respekt und Akzeptanz untereinander immer besser". Schön zu hören. Man ist nebenbei aber auch froh, nicht dabei gewesen zu sein, als sie sich - nun womöglich in der Kabine respektlos gegenseitig Anerkennung und Seife verweigert haben. Trainer Jupp Heynckes beschwört jedenfalls Schalker "Moral und Zusammenhalt", denn: "Die Spieler müssen fest daran glauben, die Dinge verbessern zu können." Er selbst wirkt Gemüts aufhellend: "Ich muss den Spielern vermitteln, dass nicht alles grau ist."

Das ist eine große Aufgabe in der Metropole Gelsenkirchen. Unterstützend kauft Manager Rudi Assauer kunterbunt neue Spieler ein, auf dass sich eine zwischenzeitliche Niedergeschlagenheit des Trainers bald für immer erledigt haben möge. Kurz nach seiner umjubelten Inthronisierung hatte den nationalen und internationalen Meistertrainer ja vorübergehend der Verdacht beschlichen, es werde "mühsam, eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufzubauen." Denn: "Vielleicht habe ich hier etwas anders vorgefunden, als man mir das geschildert hatte."

"Dann wär' sie 'ne Straßenbahn"


Das wäre ein Ding. Vor allem, weil man sich doch wundern müsste, wenn sich ein Jupp Heynckes von etwaigen blumigen oder anderweitig phantastischen Schilderungen hinters Licht hätte führen lassen. Vorspiegelung falschen Potenzials bei seinen öffentlich ausgetragenen Spielen kann man Schalke der Vorsaison definitiv nicht vorwerfen.

Ähnliches gilt für den Reviernachbarn Dortmund, der sich in dieser Saison noch steigert, jüngst zu so etwas wie einem gespielten Witz. Erst war Sochaux zu stark, nun reichte es nicht, Rostock Paroli zu bieten. Der Meister von 2002 ist darob bescheiden geworden. "Wir hatten die Möglichkeit, hier einen Punkt mitzunehmen", sagte Stefan Reuter nach der Rostocker Niederlage. Möglichkeiten, Konjunktive, alles Hätte, Wenn und Aber nützt nur nichts, man muss die Dinge sehen, wie sie im Spiel passiert sind und nicht, wie sie hätten passieren können. Oder, um mit dem designierten Meistertrainer Klaus Augenthaler aus Leverkusen zu sprechen: "Wenn meine Tante Räder hätt', wär' sie 'ne Straßenbahn."

Im Übrigen ist Dortmund überraschenderweise immer noch Fünfter. Jetzt gilt's, sagt Reuter, tapfer zu bleiben: "Man muss als Mannschaft nach solchen Spielen wieder aufstehen." Immerhin zeigt sich für den BVB so etwas wie ein Silberstreifen am Horizont: Der nächste Bundesliga-Gegner heißt Hertha BSC Berlin.

Beispiel Leverkusen


Die Erfahrung zeigt, dass Zeiten, in denen das Fußballspiel an sich den Fußballspieler quält, Zeiten folgen, in denen das Fußballspiel an sich den Fußballspieler glücklich macht. Nehmen wir Leverkusen. Die spielten vergangene Saison fast so schlecht wie das ehemalige zukünftige Topteam Hertha BSC in dieser. Nun sind dieselben Leverkusener eine Spitzentruppe. Und warum? Weil, sagt Augenthaler, "die Saison, die sie letzte Saison hatten, wollen sie nicht mehr haben." So wenden sich Schicksale. Das sollte Optimismus vermitteln. Manchen wenigstens. Unter ihnen hoffentlich auch Fußballspieler.

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