Bundesliga-Kommentar: Kampf der Verlierer - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Kommentar Kampf der Verlierer

Bayer Leverkusen ist die Elf der Stunde. Das Team spielt eine gute Rückrunde und will in den Uefa-Cup. Dorthin möchte auch Hertha BSC Berlin. Am nächsten Spieltag treffen beide Mannschaften aufeinander. Auf den Gewinner warten Vereine mit schwer aussprechbaren Namen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Durchaus wahrscheinlich, dass der FC Bayern München bereits am nächsten Mittwoch als Meister feststeht. Das Heimspiel gegen schwächelnde Stuttgarter sollte zu gewinnen sein. Durchaus möglich aber auch, dass sich der Hamburger SV im Falle eines vorzeitigen Münchner Titelgewinns nicht sonderlich ärgern wird. Denn ungeachtet aller Schlagzeilen über den vermeintlichen Zweikampf an der Spitze, denkt der HSV nur noch an eines: die direkte Qualifikation zur Champions League. Und er tut gut daran. Denn längst verläuft die Demarkationslinie zwischen Erfolg und Misserfolg in der Bundesliga nicht mehr zwischen dem Meister und Zweitem. Allein selig machend ist die Qualifikation für die Königsklasse, sie sichert attraktive Heimspiele, Fernsehauftritte und vor allem sichere Einnahmen.

Dahinter jedoch beginnt das nackte Elend, mit anderen Worten: der Uefa-Cup. Ein Wettbewerb, in dem zuverlässig in den ersten Runden vornehmlich beschwerliche Auswärtsspiele bei Clubs osteuropäischer Provenienz mit schwer aussprechbaren Namen warten. Ein Umstand, der ihm nicht ganz zu Unrecht die Aussage von Franz Beckenbauer eingebracht hat, er sei der "Cup der Verlierer".

Es ist deshalb auf den ersten Blick erstaunlich, dass mit Bayer Leverkusen und Hertha BSC zwei Vertreter des Establishments mit einiger Vehemenz um den letzten freien Uefa-Cup-Platz hinter dem FC Schalke 04 rangeln. Insbesondere die Erfahrungen der Hertha in diesem Wettbewerb sind nicht einmal mehr ernüchternd zu nennen. Anhänger erinnern sich mit Schaudern an die qualvollen Heimspiele gegen die rumänischen Vertreter Steaua und Rapid Bukarest in dieser Saison.

Auf den zweiten Blick jedoch macht das überdurchschnittliche Engagement durchaus Sinn, in vielerlei Hinsicht. Denn mag der Uefa-Cup auch ein wenig attraktives Zuschussgeschäft sein, psychologisch ist der Umstand im "internationalen Geschäft" dabei zu sein, nicht zu unterschätzen. Er bescheinigt der Mannschaft zumindest national wieder konkurrenzfähig zu sein. Sowohl für Bayer als auch für Hertha BSC Berlin ist das nach schwierigen Jahren der Stagnation ein wichtiger Qualitätsnachweis, auch in Verhandlungen mit neuen und alten Spielern.

Am nächsten Dienstag spielen Hertha BSC und Bayer Leverkusen in Berlin nun zum Vorentscheid um Platz fünf gegeneinander. Ein Spiel mit tragischer Komponente, treffen sich doch auch zwei Trainer, die unabhängig vom Ausgang des Platzierungskampfes als Gewinner der zweiten Halbserie gelten können.

Da ist Falko Götz, der just zu dem Zeitpunkt die Hertha-Elf übernahm, als offenbar wurde, dass sich der Club beim Versuch übernommen hatte, eine Art zweiter FC Bayern zu werden. Götz hat die geringen finanziellen Spielräume genutzt, er hat die Mannschaft auf passablem Niveau stabilisiert und den Spielaufbau zugleich vom allgewaltigen Spielmacher Marcelinho emanzipiert und in Richtung Yildiray Bastürk gelenkt. Seine Qualitäten zeigte Götz jedoch vor allem während der lang anhaltenden Flaute im Winter. Ungeachtet seines drohenden Rausschmisses behielt Götz, unterstützt von Geschäftsführer Dieter Hoeneß, stets die Nerven und verfiel nicht in jenen hektischen Aktionismus, der sonst oftmals bedrohte Trainer befällt.

Gleiches gilt für Michael Skibbe, dem bei seiner Verpflichtung als Coach bei Bayer Leverkusen Skepsis entgegengeschlagen war. Ausgerechnet Skibbe, der wenig charismatische Adlatus Rudi Völlers, sollte nach dem leutseligen Klaus Toppmöller und dem knorrigen Klaus Augenthaler die Mannschaft zurück in die Bundesliga-Spitze führen? Skibbe widerlegte die Kritiker durch konsequente Arbeit an der Entwicklung der Elf, auch nach schlechten Spielen. Schon spielt die Mannschaft phasenweise wieder jenes rasante Kurzpasspiel, das sie einst ins Champions-League-Finale brachte.

Zugleich scheint Skibbe weiter entfernt denn je vom Dogmatismus, der ihn in Dortmund prägte. Die Wiedereingliederung des streitsüchtigen Jens Nowotny ist dafür nur ein Beispiel. Und nach dem Spiel gegen Frankfurt sagt Skibbe auch niemand mehr fehlendes Temperament nach. Dort faltete er in der Halbzeitpause beim 0:1-Rückstand seine Mannschaft eine Viertelstunde nach allen Regeln der Kunst zusammen. Bayer gewann das Spiel noch.

Gewinner allerorten also. Am Ende wird dennoch ein Coach, eine Mannschaft als Verlierer dastehen. Die andere spielt im Cup der Verlierer.

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