Bundesliga-Kommentar Meister mit Macken
Am Ende zeigten die Bayern den Schalkern auch noch, was ein richtiger Kreisel ist. Kaum war nämlich das 3:0 der Bayern durch Roy Makaay gefallen, vereinten sich Trainer Felix Magath und Manager Uli Hoeneß mit Co-Trainer Seppo Eichkorn zu einer wild kreiselnden Jubeltraube. Und hätte der besonnene Eichkorn die entfesselten Kollegen nicht schließlich durch ein Schulterklopfen gemäßigt, wären Magath und Hoeneß wohl noch bis hinüber zur Schalker Bank rotiert.
Es war aber auch ein großer Tag für den FC Bayern. Der Sieg gegen den FC Schalke war eine Demonstration münchnerischer Machtvollkommenheit. Er beendete nach Wochen der künstlich hochgekochten Spannung alle Spekulationen darüber, wie der nächste deutsche Meister heißen wird. Nicht, dass die Bayern gestern meisterlich gekickt hätten, ganz im Gegenteil. Insbesondere die Angriffsbemühungen der Münchner waren von beeindruckender Ideenlosigkeit.
Aber es fehlt nun einmal die Konkurrenz. Der Hamburger SV als einzig verbliebener Anwärter muss nach der ebenfalls sehr mäßigen Leistung gegen den VfL Wolfsburg eher darum bemüht sein, den zweiten Platz gegen den FC Schalke zu verteidigen, als nach oben zu den Bayern zu schielen. Und selbst wenn der HSV entschlossen und willig wäre, sechs Punkte und das opulent bessere Torverhältnis der Bayern sind in acht Spieltagen nicht mehr aufzuholen, zumal das Restprogramm der Münchner mit Auswärtsspielen in Bremen, Mainz und Kaiserslautern wahrlich nicht nach Überraschungen in Serie aussieht.
Für die Münchner war das Spiel gegen Schalke allerdings noch mehr als nur die Distanzierung eines Konkurrenten, der Sieg setzte einen vorläufigen Schlusspunkt hinter ein höchst unschönes Halbjahr. Vieles hatte an den Nerven der Verantwortlichen gezehrt: die unerklärliche Torflaute von Paradestürmer Roy Makaay, der zermürbende und letztlich wohl verlorene Poker um die Zukunft von Michael Ballack, das Aus in der Champions League gegen den AC Mailand, allerlei mäßige Kicks in der Bundesliga, der Wirbel um Bastian Schweinsteiger und schließlich die schwere Verletzung von Sebastian Deisler - kein Wunder, dass Manager Uli Hoeneß in den letzten Wochen ein wenig gereizt daher kam.
Nun wird sich die Lage beim FC Bayern ein wenig entspannen. Routiniert wird sich die Mannschaft den Meistertitel sichern und den DFB-Pokal dazu. Das wird in München zwar keine überschäumende Freude auslösen, dafür gehören die nationalen Titel schon zu sehr zur alljährlichen Routine. Aber die gewonnenen Pokale werden den Verantwortlichen die nötige Ruhe für den dringend nötigen Umbau geben. Denn es ist ja bereits seit dem deprimierenden Aus in der Champions League gegen Milan klar: Die Mannschaft hat in ihrer gegenwärtigen Struktur keine Zukunft. Sie wurde allzu lange überschätzt, die souveräne erste Halbserie in der Bundesliga war vorschnell als Ausweis auch internationaler Klasse gedeutet worden.
Dabei fehlt ihr eine belastbare Architektur und Hierarchie, die individuellen Fähigkeiten der Spieler fügen sich nur in lichten Momenten zu einem Team, das mehr sein kann als nur nationaler Champion. Ein Vorwurf, der sich vor allem an Michael Ballack richtet. In die großen Schuhe der unumstrittenen Leitfigur, des besessenen Antreibers, die ihm Stefan Effenberg hinterließ, ist er nie hineingewachsen. So sehr Ballack auch zum Kämpfer geworden ist, jene spezielle Form der selbstverständlichen Siegeszuversicht hat er der Mannschaft nie vermitteln können.
Ein Abschied Ballacks nach der Saison wäre deshalb sogar hilfreich. Die frei werdende Mitte könnte dafür sorgen, dass die Mannschaft sich gänzlich neu definiert. Die jungen Spieler werden ihre Rechte einfordern, die älteren müssen sich überprüfen. Und es gibt die dringend benötigte Blutauffrischung. "Ich gehe davon aus, dass wir drei, vier neue Spieler holen. Und zwar Spieler, die unsere Qualität verbessern. Vermutlich in Abwehr, Mittelfeld und Sturm", hatte Karl-Heinz Rummenigge vor der Partie verkündet.
Schließlich weiß auch der Vorstandsvorsitzende, dass der FC Bayern investieren muss, um international wieder eine gewichtige Rolle zu spielen. Ansonsten reicht es eben nur für klare Siege über den FC Schalke 04.