Bundesliga-Kommentar: Nachteil Assauer - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Kommentar Nachteil Assauer

Hat der FC Schalke mit dem 1:2 in Mainz bereits und schon wieder die deutsche Fußball-Meisterschaft verspielt? Nein, aber klar scheint: Manager Rudi Assauer wird es im Kampf gegen den FC Bayern nicht rausreißen. Mehr Hoffnung verbreitet der Mann auf der Trainerbank: Ralf Rangnick.
Von Peter Unfried
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dass der Schalke 04 gestern Abend brav in Mainz verloren hat, und zwar Spiel und Tabellenführung, wird niemand ernsthaft überraschen. Wer ein Gespür dafür hat, der fühlte dieses 1:2 kommen. Spätestens, nachdem er Manager Rudi Assauer im "Sport-Studio" des ZDF gesehen hatte. Und schon auch, weil Mainz in diesen Wochen wieder klar im Aufwind ist. Und stark spielte. Trotzdem: Erstes Gegentor nach neunzehn Sekunden? Das ist ein bisserl früh für ein Team, das eine nach 118 Spieltagen erstmals wieder errungene Tabellenführung unbedingt verteidigen will. Und typisch für eines, das nicht bereit dafür ist. Nun wird man sich einiges anhören müssen, wozu im Vergleich Jürgen Klopps nonchalantes "Schalke hat gar nicht so schlecht gespielt" noch liebevoll war.

Reality-Herzschmerz-Soap

Dennoch wäre verfrüht, das fröhliche "Humba-humba-täterä" des Mainzer Anhangs schon als Grabschrift für Schalke zu interpretieren. Nein, die neueste Staffel von Deutschlands beliebtester und quotenstärkster Reality-Herzschmerz-Soap wird zumindest noch ein paar Folgen laufen. Zum einen kann auch der FC Bayern bereits am nächsten Spieltag (in zwei Wochen) in Wolfsburg seinerseits wieder zurückfallen, zum anderen wird auch etwas davon abhängen, auf welchem Niveau und in welcher geistigen Verfassung die Bayern sich (und die begleitenden Medien die Bayern) Mitte April gegen Chelsea aus der Champions League verabschieden.

Dass entscheidend nicht allein auf dem Platz ist und die Bayern-Chefs auch dieses Duell gegen Schalke mal wieder traditionell und also über die Psyche entscheiden wollen, ist inzwischen klar. Gleich nach dem eigenen 3:1 über Hansa Rostock hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in der ARD den neuen taktischen Bayern-Zug vorgeführt, als er von einer "kleinen Chance" auf den Titel sprach ("Im Tennis würde man sagen: Vorteil Schalke"). Nix mehr mit: Wir fressen euch kleine Würstchen auf. Eine scheinbare eigene Abwertung ("Wir müssen uns wieder für die Champions League qualifizieren") ist in Wahrheit Druck auf die Verteidigung des Gegners, die diesen unter Zugzwang bringt.

Schalke musste am Sonntag plötzlich bereits den Titel verteidigen. Ergebnis? Schon ist man ihn wieder los. In Rummenigges Tennis-Diktion wäre das 1:2 von Mainz allerdings nur ein einziger Doppelfehler. Neuer Spielstand: Einstand? Wahrscheinlicher ist, dass Schalke ein komplettes eigenes Aufschlagspiel abgegeben hat.

Starke Auftritte nur in der Bierwerbung

Assauer hatte seinerseits in einem Auftritt im ZDF-"Sport-Studio" Gelegenheit, Psychopunkte zu sammeln. Allerdings ist es seit einiger Zeit so, dass Assauers starke TV-Auftritte sich allenfalls in der Bierwerbung vollziehen - wenn überhaupt. Mal ganz abgesehen von der Kontroverse um eine verweigerte Ablösesumme an Mainz 05: Es sieht aus als könnte Assauer dringend einen spin doctor oder zumindest hie und da eine vernünftige Medienberatung gebrauchen.

Was der Schalke-Manager vor Moderator Michael Steinbrecher müde rauspresste ("Am Ende wird abgerechnet", "Durch dumme Sprüche ist noch keiner Meister geworden") ließ im Gegensatz zu Rummenigge keinerlei Strategie erkennen. Es war weder: Volle Kraft voraus. Noch: Wir bleiben kühl im Windschatten. Es war nichts. Man habe, sagte Assauer, eine "einmalige Chance deutscher Meister zu werden - wie auch vor vier Jahren schon." Ach genau: Und wie ging das 2001 gleich wieder aus? Jeder weiß es: 04 steht seither für 04-Minuten-Meister. Speziell die Bayern werden da drauf rum reiten wie Hans-Günther Winkler auf Halla selig. Auf die Frage, was denn diesmal dafür spreche, dass Schalke es schaffe, antwortete Assauer: "Es spricht nichts dafür und nichts dagegen." Entschuldigung, liebe Schalke-Fans, aber wie er so wankte, musstet ihr da nicht auch an Dariusz "Tiger" Michalczewski denken? Sein letzter Titelfight, diesen Februar. Kurz nach dem Gong zur sechsten Runde: Da hatte er noch just ein paar leblose Pseudohände ausgeteilt. Dann machte es bumm.

Rangnick neuer Wortführer?

Möglicherweise ist Assauer ja gar nicht mehr die Stimme, die aus Schalke die Leitmotive vorgibt oder der Turm, der nicht wanken darf. Vielleicht definiert sich Erfolg und Misserfolg nicht mehr allein über die Persönlichkeit des grade noch omnipotenten Managers. Vielleicht ist das Schalker Fußballunternehmen ja schon mehr Ralf Rangnick als Rudi Assauer, auch wenn der Trainer erst seit vergangenen Herbst das Team führt. Andererseits spielt man seither mit System Fußball und hat seither Erfolg. Rangnick kam auch nach der Niederlage sehr souverän rüber, analysierte mit Durchblick und redete dabei ein DSF-Männchen kühl an die Wand. Am Ende stammelte das Männchen: "Glauben Sie noch fest an den Titel?" Worauf Rangnick lässig antwortete: "Ich glaube fest an meine Mannschaft."

Vielleicht spitzt sich der Titelkampf also auf die Frage zu, ob Rangnick tatsächlich schon dafür bereit ist. Man weiß es nicht. Aber: Thomas Schaaf (Werder Bremen) hat im Vorjahr gezeigt, dass man auch als homo novus mit Uli Hoeneß und seinem Killer-Kalle fertig werden kann. Und zwar ohne sich wie Christoph Daum dabei verbrennen zu müssen.

Vielleicht lässt man aber auch einfach mal den Fußball entscheiden. Und die Bayern probieren dafür ihre Psychokünste in der Champions League. Nicht immer auf die Kleinen. Sondern im fairen sportlichen Wettstreit gegen Senhor José Mourinho. Das wäre doch mal ein Gegner. Aber das traut sich selbst ein Uli Hoeneß nicht.

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