Bundesliga-Kommentar: "Ran" ist tot! - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Kommentar "Ran" ist tot!

Zum Start der neuen Bundesligaspielzeit hat der Fußball seinen ersten Sterbefall zu vermelden. Eine kleine Kondolenz.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den Bundesligaauftakt hätten wir also auch hinter uns gebracht, wo es doch noch nicht einmal zehn Wochen her ist, seit wir das "Herzschlagfinale" überlebt haben. "Grande Finale" hatte Sat.1 in "ran" den Zweikampf zwischen Schalke und Bayern München immer wenig originell genannt. Aber damals, mitten im Mai, konnte sich die "Fußballshow" das noch leisten: Spätestens um 18.30 Uhr erfolgte der Bewegtbild-Anpfiff, die Quote war passabel.

Wobei man natürlich sagen muss, dass sich die Zuschauer seit Mitte der neunziger Jahre sukzessive von "ran" abgewendet haben. 6,6 Millionen wollten die Werbesendung mit Fußballunterbrechungen vor fünf Jahren im Schnitt noch sehen. Und hätte es im letzten Jahr das "Grande Herzschlagfinale" nicht gegeben, wer weiß, ob man auf einen schließlich zu Buche stehenden Schnitt von 4,8 Millionen gekommen wären.

Von der Intensivstation in die Leichenhalle

Dass "ran" jetzt nicht mehr nur auf der Intensivstation, sondern schon in der Leichenhalle liegt, ist Sterbehelfer und Sat.1-Mitbesitzer Leo Kirch zu verdanken. Weil der seine Totgeburt d-box doch noch hochpäppeln will, hat der Münchener Medienunternehmer "ran" geopfert.

Am Samstag musste "ran", präsentiert von Fußballonkel Jörg Wontorra, erstmals um 20.15 Uhr auf Sendung gehen. Und die Zuschauer gaben ein eindeutiges Votum ab: Gut vier Millionen verfolgten zeitgleich das volkstümelnde Format "Wenn die Musik spielt" im ZDF. Parallel lief in der ARD der James-Bond-Film "Der Hauch des Todes", für den sich immerhin noch 3,1 Millionen Zuseher erwärmen konnten (trotz Timothy Dalton als 007). Und auch RTL konnte mit dem unterklassigen US-Klamauk "Mr. Präsident junior" 2,29 Millionen Interessierte abschöpfen. Und "ran"? Mit 3 Millionen Zuschauern hatten die Sat.1-Planer tiefstapelnd gerechnet, am Ende sahen gerade einmal 2,22 Millionen zu.

Am Samstag, es war so gegen 17.45 Uhr rief in unserer Redaktion ein offenbar besonders aufgeweckter Mensch an. Im Fernsehen gäbe es jetzt ja erst um 20.15 Uhr was von der Bundesliga zu sehen, das sei doch ein Skandal, echauffierte sich der Mann. Wir mussten ihm mitteilen, dass uns das wenig juckt. Schließlich wohnen wir im Internet, möchten es an dieser Stelle aber dennoch nicht versäumen, Leo Kirch von ganzem Herzen zum Tod von "ran" zu kondolieren.