Bundesliga-Start Alles wird besser
Man muss Andreas Müller nicht unbedingt in seiner Annahme folgen, dass Schalke in Stuttgart (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Saison zwar ohne einen Neuzugang auf dem Platz eröffnen, aber trotzdem besser als im Vorjahr sein wird. Interessant ist der Indizienbeweis von Schalkes Manager trotzdem. Denn seiner Meinung nach belegen die Unverstärkten in Königsblau, dass sie eben schon längst "eine tolle Mannschaft" sind. Andernorts hat man das nicht so gesehen und Verbesserungsbedarf konstatiert, nicht nur beim Großinvestor FC Bayern, der in einem finanziellen Kraftakt gleich ein ganz neues Premium-Team aus dem Boden stampfte.
So entschlossen wie in diesem Sommer ist in der Bundesliga überhaupt schon lange nicht mehr investiert worden. Es wurde aber nicht nur mehr Geld als in den letzten Jahren ausgegeben, insgesamt haben die meisten Bundesligisten auch eine Personalpolitik betrieben, nach der sie eigentlich stärker als im Vorjahr sein müssten. Nur der VfL Bochum und Energie Cottbus verloren gleich mehrere Spieler, die für den Erfolg in der letzten Saison unabdingbar waren. Werder Bremen beklagt den Abgang von Miroslav Klose, und Bayer Leverkusen hätte den Brasilianer Juan sicherlich gerne behalten. Doch ansonsten blieben die Leistungsträger die Clubs und ergänzten ihre Kader so, dass es einen sinnvollen Eindruck machte.
Nun wird sich in den kommenden Monaten bei manchem neuen Spieler, der für viel Geld und voller Hoffnungen verpflichtet wurde, herausstellen, dass er doch nicht die erhofften Tore schießt oder Gegentore verhindert. Doch in der Bundesliga gibt es nur noch selten Transfers, die von vornherein zufällig erscheinen, als Verlegenheitslösungen oder gar abstrus. Manager und Trainer machen sich heutzutage deutlich mehr Gedanken darum, welche Spieler sie unter Vertrag nehmen. Dass neben dieser planvollen Zusammenstellung der Mannschaften auch die Trainerstäbe vergrößert und die Betreuung der Spieler insgesamt ausgeweitet wurde, ist ein weiteres Anzeichen für die Professionalisierung der sportlichen Führung. Abgeschlossen ist dieser Prozess noch lange nicht. Sein Fortschreiten hängt nicht zuletzt von den finanziellen Möglichkeiten der Vereine ab, etwa wie umfangreich das Scouting ist oder wie viele Leute sich um eine Mannschaft kümmern.
Aus dieser Entwicklung kann man auch einen Indizienbeweis ableiten, dass in der neuen Saison zwar nicht alles gut wird, aber auf jeden Fall vieles besser. Denn besser zusammengestellte Mannschaften mit besseren Spielern, die besser betreut werden, das müsste doch eigentlich umweglos zu besserem Fußball führen. Wäre das so, würde die neue Bundesligasaison auch mehr Spaß machen als die vorangegangene, die nicht gerade eine ununterbrochene Kette spielerischer Höhepunkte war.
Schade nur, dass die Saison gleich von zwei Mannschaften eröffnet wird, bei denen die Indizienkette im Moment nicht so recht funktioniert. Beim VfB Stuttgart fehlt in der Partie gegen Schalke der Spieler des Jahres, Mario Gomez, ein Innenverteidiger (Mathieu Delpierre) und dessen Ersatz (Gledson) sowie der neue Mittelfeldinspirator Yildiray Bastürk. Bei Schalke gibt es Neue nur auf der Bank, aber, das haben wir jetzt gelernt, das kann auch ein ganz eigener Ausdruck von Verbesserung sein.