Bundesliga kompakt Die schlausten Transfers macht der VfB Stuttgart
Nick Woltemade beim Jubel mit VfB-Maskottchen Fritzle
Foto:Grant Hubbs / Steinsiek.ch / IMAGO
Eine besondere Beziehung: Warum verpflichtet Champions-League-Teilnehmer Stuttgart einen Spieler, der bei Abstiegskandidat Hoffenheim auf der Bank sitzt? Der Wintertransfer von Jacob Bruun Larsen fällt ein bisschen aus der Reihe, wenn man sich die jüngsten Verpflichtungen des VfB besieht. Doch Trainer Sebastian Hoeneß kennt Bruun Larsen noch aus seiner eigenen Hoffenheimer Zeit, überzeugte die Verantwortlichen, den schnellen Dänen für kleines Geld ins Schwabenland zu lotsen. Das zahlte sich schon jetzt aus: Gegen RB Leipzig glich Bruun Larsen den Führungstreffer von Benjamin Šeškos per Kopf aus, leitete so das Comeback ein (50.). Schon für die TSG hatte Bruun Larsen im November gegen Leipzig getroffen, zum Saisonfinale im Mai könnte er RB ein drittes Mal in derselben Saison ärgern.
Die Ergebnisse am Mittwochabend:
Bayern München – TSG Hoffenheim 5:0 (3:0)
VfB Stuttgart – RB Leipzig 2:1 (0:1)
Werder Bremen – 1. FC Heidenheim 3:3 (1:1)
Union Berlin – FC Augsburg 0:2 (0:2)
VfL Bochum – FC St. Pauli 1:0 (0:0)
Bereits am Vortag hatte unter anderem Borussia Dortmund gespielt, die 2:4-Niederlage bei Aufsteiger Holstein Kiel sorgte im Anschluss für großen Frust bei den Verantwortlichen. Alles zu den weiteren Dienstagspartien finden Sie hier.
Reif für Nagelsmann: Apropos VfB-Transfers: Nick Woltemades Verpflichtung zum Nulltarif von Werder Bremen dürfte zu den Coups der jüngeren Klubgeschichte zählen. Als Rotationsspieler war der 1,98-Meter-Hüne in die Saison gestartet, spielte sich im Dezember in die Startelf und knipste gegen RB bereits zum fünften Mal, um Stuttgart drei Punkte zu bescheren (60.). Bemerkenswert war daran weniger der Abstauber selbst, vielmehr die Art und Weise, wie Woltemade den Treffer mit dem Rücken zum Tor selbst einleitete. Deutschlandweit kann vielleicht kein Zweiter so gut mit dem Ball umgehen, während er den Atem des Gegners im Nacken spürt. Dass Woltemade für die DFB-Länderspiele im März eine Rolle spielen könnte, ist inzwischen kein Hot Take mehr.
Sturmfrei: Bis auf einen Punkt pirschte sich der VfB an die Leipziger heran, es ist das Duell um Champions-League-Platz vier. In Spieltag 18 wird RB deutlich geschwächt gehen: Das Sturmduo Benjamin Šeško und Loïs Openda holte sich in den Schlussminuten mit Frustfouls Gelb-Rot ab (85./88.), wird am Wochenende in Bochum fehlen. Das war beeindruckend überflüssig, der neue RB-Guru Jürgen Klopp sollte sich die beiden bei Gelegenheit mal zur Brust nehmen.
Klub 27: »Wie verwandelt man 26 Elfmeter in Folge?«, hieß es im SPIEGEL zuletzt nach dem Sieg des FC Bayern München über Borussia Mönchengladbach. Eine halbe Woche ist das her, die Zahl aber klettert weiter: Topstürmer Harry Kane ließ es sich auch gegen die TSG Hoffenheim nicht nehmen, vom Punkt zu treffen. Nationalkeeper Oliver Baumann war beim Handelfmeter in die falsche Ecke unterwegs, Kanes harter und platzierter Schuss wäre aber wohl auch mit glücklicher Intuition kaum haltbar gewesen. Die TSG taumelt weiter durch den Abstiegskampf, die Bayern schließen die Hinrunde mit 42 Punkten ab und halten Verfolger Leverkusen (38) auf Distanz.
Clark Kent hat Pause: Leroy Sané ist ein irritierender Fußballspieler: Der Außenstürmer des FC Bayern ist mal ein halbes Jahr lang kaum aufzuhalten, um sich dann die nächsten sechs Monate konsequent festzudribbeln. Sanés Superhelden-Version hielt sich zuletzt längere Zeit bedeckt. Gegen überforderte Hoffenheimer war der Nationalspieler nun wieder der beste Mann auf dem Platz, entwischte der TSG spielend leicht und traf doppelt (6./48.). Ob das ein Sturm im Wasserglas war oder Sané über Weihnachten tatsächlich wieder zu alter Stärke gefunden hat, müssen stärkere Gegner zeigen.
Er kann es noch: Leroy Sané glänzte gegen Hoffenheim
Foto: Alexandra Beier / AFPDreimal wird Bremern schlecht: Dass der 1. FC Heidenheim im Vorjahr sensationell in die Conference League einzog, hatte auch damit zu tun, dass einige etablierte Teams zu Punktelieferanten verkamen. Werder Bremen war so einer, zweimal verloren die Grün-Weißen gegen den Klub von der Ostalb. In der neuen Saison sollte alles anders werden, dreimal ging Werder in Führung – doch dann senste Jens Stage Gegenspieler Léo Scienza mit viel Wucht und Risiko 17 Meter vor dem eigenen Tor um. Mit freundlicher Hilfe von Werder-Keeper Michael Zetterer versenkte der Gefoulte den fälligen Freistoß im Tor, in der fünften Minute der Nachspielzeit. Nicht verloren, aber doch nur ein 3:3: Werder bleibt im Liga-Mittelfeld stecken.
Die Breite im Keller wird dichter: Frei nach Berti Vogts wird es im unteren Tabellendrittel ein Stück weit spannender: Nach dem Vorletzten Kiel gewann auch Schlusslicht VfL Bochum, das sich gegen den direkten Konkurrenten aus St. Pauli durchsetzte. Noch dazu missglückte das Heimdebüt Steffen Baumgarts als Trainer von Union Berlin völlig, die Köpenicker rutschen tiefer unten rein. Sechs Klubs innerhalb von acht Punkten: Zur Halbzeit der Saison ist im Abstiegskampf die Vorentscheidung, nach der es zwischenzeitlich mal aussah, noch nicht gefallen.