Bundesliga: Werder kontert Mainz weg - DER SPIEGEL
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Bundesliga Werder kontert Mainz weg

Der völlig misslungene Versuch, eine Abseitsfalle gegen Spitzenreiter Werder Bremen auszuprobieren, endete für Mainz 05 in einem totalen Debakel. Die Mannschaft von Jürgen Klopp hatte schon zur Halbzeit alles verloren, Werder zeigte traumhafte Kombinationen.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mainz - Das hätten sie nicht tun sollen. Es war eine ganz dumme Idee der Spieler von Mainz 05, sich gegen diese Niederlage auch noch wehren zu wollen. Als Mimoun Azouagh in der 74. Minute einen Freistoß zum 1:3-Anschlusstreffer in den Winkel schlenzte, da durften sich die Spieler von Jürgen Klopp zwar ganz, ganz kurz über das schönste Tor des Abends freuen - aber jetzt machte Werder Bremen noch eine Viertelstunde richtig Ernst: Aaron Hunt (75.), Naldo (80.) und Diego (88.) schossen einen 6:1-Auswärtssieg für den Bundesliga-Spitzenreiter heraus, der im Moment in einer eigenen Liga zu spielen scheint. Nach dem 6:0 in Bochum war es bereits das zweite Mal, das Werder in dieser Saison sechs Treffer auswärts erzielte.

Zweimal Miroslav Klose mit seinen Saisontreffern drei und vier und Aaron Hunt mit seinem ersten Treffer hatten die Mannschaft von Thomas Schaaf schon in der ersten Hälfte klar in Führung gebracht. Dabei waren die Mainzer stark und offensiv gestartet, Werder-Torwart Tim Wiese musste in der 11. Minute einen gefährlichen 25-Meter-Schuss von FSV-Stürmer Chadli Amri parieren.

Dann aber versuchte die 05er, eine Abseitsfalle zu stellen, die so wirkte, als würde sie während des Spiels zum ersten Mal geübt. Die Bremer nutzten jeden Abstimmungsfehler eiskalt aus und lagen bereits nach zwanzig Minuten mit 3:0 in Front. Zunächst bediente Hunt in der 14. Minute seinen Sturmkollegen Klose im Strafraum. Der setzte sich gegen Manuel Friedrich durch, umspielte Torhüter Dimo Wache und schob zur Führung ein. Beim 2:0 (20.) legte Klose wiederum zu Hunt ab, der ins leere Tor traf. Nur eine Minute später revanchierte sich der U21- Nationalspieler Hunt mit einem überlegten Querpass im Strafraum, den Klose souverän verwertete. Beim zweiten und dritten Tor profitierte Bremen allerdings von einer Behandlungspause für den Mainzer Außenverteidiger Marco Rose, der eine Kopfverletzung erlitten hatte.

Die rasante Werder-Show ging bis zum Halbzeitpfiff weiter: Ein Heber von Diego verfehlte nur knapp das Tor (34.), ein Treffer des Brasilianers wurde zu Unrecht wegen angeblichen Abseits aberkannt (42.), und in der 45. Minute hätten erst Hunt, dann Klose erhöhen können. In der überforderten Mainzer Abwehr erwischte Nationalspieler Friedrich einen rabenschwarzen Tag.

In der Halbzeitpause staunte Mainz-Manager Christian Heidel über "Fußball von einem anderen Stern", während seiner Bremer Kollege Klaus Allofs sich lautstark über das nicht gegebene Tor von Diego ärgerte und damit ebensoviel Siegeswillen demonstrierte wie seine Mannschaft. Nach der Halbzeit ließen es die Hanseaten dann aber ruhig angehen - bis Azouagh den Anschlusstreffer erzielte.

"Es war wichtig, nach dem Bayern-Spiel nochmal ein Zeichen zu setzen", sagte Klose, dem nach 795 Minuten wieder ein Tor gelang, nach dem Abpfiff. "Es wurde auch langsam Zeit", meinte er zum Ende seiner Negativserie. Trainer Thomas Schaaf war trotz des Kantersiegs um Zurückhaltung bemüht. "Wir heben nicht ab. Wir wissen, dass wir noch eine lange Saison vor uns haben", bremste er die Freude. Mittelfeldspieler Thorsten Frings gab zu bedenken: "Man darf nicht erwarten, dass wir jetzt jedes Mal sechs Tore schießen. Wir müssen uns jedes Spiel neu erarbeiten." FSV-Trainer Jürgen Klopp sagte: "Das war eine Lehrstunde. Der Einsatz war da, aber wir haben einfach zu viele Fehler gemacht."

FSV Mainz 05 - Werder Bremen 1:6 (0:3)
0:1 Klose (14.)
0:2 Hunt (20.)
0:3 Klose (21.)
1:3 Azaouagh (74.)
1:4 Hunt (75.)
1:5 Naldo (80.)
1:6 Diego (88.)
Mainz: Wache - Gunesch, Friedrich, Noveski, Rose - Babatz (46. Pekovic) - Gerber, Feulner (68. Casey) - Amri - Szabics, Edu (46. Azaouagh)
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé - Baumann (67. Andreasen) - Frings, Vranjes - Diego - Klose (81. Klasnic), Hunt (77. Zidan)
Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
Zuschauer: 20 300 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Pekovic (2) / -

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