Bundestrainer Löw: Eigentlich doch WM-Favorit - DER SPIEGEL
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Löw zu Bierhoff-Aussage Eigentlich doch WM-Favorit

Der kommende Gegner Kasachstan bereitet Joachim Löw wenig Probleme. Umso mehr eine Aussage von Oliver Bierhoff. Dessen Satz, es sei "eigentlich unmöglich, den WM-Titel 2014 zu holen", hatte für Aufregung gesorgt. Das sei doch alles gar nicht so gemeint gewesen, behauptet der Bundestrainer.
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Das Wort "eigentlich" hat in der deutschen Sprache einen besonderen Stellenwert. Laut Duden ist es unter anderem dazu da, eine "ursprüngliche Absicht oder Ansicht wieder aufzugeben". Manchmal kann das Wort gar helfen, in einem Satz das Gegenteil von dem zu meinen, was man gesagt hat. Joachim Löw sah einen Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan (Dienstag, 20.45 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Notwendigkeit gekommen, die spezielle Bedeutung des Wortes "eigentlich" zu betonen. Der Bundestrainer wollte damit die Dramatik aus einem Satz nehmen, den Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff am Tag zuvor gesprochen hatte.

Bierhoff hatte am Sonntag mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien gesagt, es sei "für europäische Teams eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, den WM-Titel in Lateinamerika zu gewinnen". Auch mangels anderer aktueller Konfliktthemen rund um das DFB-Team war danach der Wirbel groß. Hatte der Teammanager damit etwa der eigenen Mannschaft die Titelchance schon ein Jahr vor Turnierbeginn abgesprochen? Haben Löw, Bierhoff und Co. den Traum vom WM-Sieg jetzt bereits aufgegeben?

Löw beeilte sich, sämtliche solcher Spekulationen im Keim zu ersticken. "Eigentlich hat ja auch niemand erwartet, dass Griechenland 2004 Europameister geworden wäre", sponn er gleich den nächsten Eigentlich-Satz, um jede Dramatik aus der Bierhoff-Aussage zu entfernen. Um das Wort danach noch einmal ganz langsam und Silbe für Silbe zu betonen: "Ei-gent-lich." "Natürlich" sei es "nach menschlichem Ermessen wahnsinnig schwierig", als Team aus Europa in Südamerika zu triumphieren, "aber sollen wir deshalb mit weniger Akribie als sonst zur Sache gehen?"

"Ein wenig Demut würde uns gut anstehen"

Ohnehin könne er die Hektik um den Bierhoff-Satz gar nicht begreifen, "wir sind noch nicht einmal qualifiziert, und da wird schon über das Turnier geredet". Er vermisse in der Debatte daher auch "ein wenig Demut, die uns gut anstehen würde", es sei doch "vermessen, jetzt schon über so etwas nachzudenken".

Sagte Löw, um es anschließend dann doch auch selbst zu tun: "Wir reisen selbstverständlich als einer der Mitfavoriten an", daneben gebe es mit Argentinien, Brasilien, Spanien, Italien aber noch so viele andere Nationen, die sich Hoffnungen machen dürften - Lateinamerikaner und Europäer gleichermaßen. Den durchaus nahe liegenden Gedanken, dass gerade angesichts der zuletzt nicht mehr dominanten Brasilianer die Chancen für ein europäisches Team, in Lateinamerika den Cup zu holen, sogar noch nie so groß waren wie 2014, behielt er aber dann doch für sich.

Dass Bierhoffs Satz kein Ausdruck einer neuen Bescheidenheit im DFB-Lager ist, machte der Bundestrainer jedenfalls unmissverständlich deutlich. "Die Qualifikation zur WM werden wir schaffen", ließ er keinen Zweifel aufkommen: "Wir müssen uns vor niemandem verstecken."

Vor den kreuzbraven Kasachen, die bereits am Freitag in Astana ohne großes Aufhebens 3:0 geschlagen wurden, sicher nicht. Löw hatte zwar bei dem Auftritt seines Teams dort auch "zwei, drei Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben", aber mehr Gedanken verschwendete der Bundestrainer an den kommenden Gegner nicht.

Da schweiften die Gedanken Löws dann doch lieber in die Zukunft, Richtung Brasilien. Im Juni werde er erstmals nach Südamerika reisen, um sich vor Ort umzuschauen und den Confed-Cup dort zu beobachten. Eines sei angesichts der klimatischen Verhältnisse und der langen Reisewege allerdings klar: "Logistisch wird das die anspruchsvollste Aufgabe der vergangenen zehn Jahre."

Wahrscheinlich war es das, was Bierhoff hatte sagen wollen. Eigentlich.