Bundestrainer-Suche Ausländer rein
Hamburg - "Die Tendenz heute ist: Es wird ein Ausländer", hatte Beckenbauer als Chef der DFB-Trainerfindungskommission jüngst erklärt und damit die Spekulationen um Olsen und Hiddink weiter genährt. Beide hatten nach Hitzfelds und Rehhagels Absagen zwar auf ihre bestehenden Verträge verwiesen, in der vergangenen Woche jedoch unisono Interesse durchblicken lassen.
"Es ist immer schön, wenn Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer so über einen sprechen", sagte Hiddink jetzt der "Welt" und wischte zudem jegliche Zweifel vom Tisch, dass es zu einem Problem werden könnte, wenn ausgerechnet ein Coach aus den Niederlanden den Rivalen Deutschland betreuen würde: "Warum nicht, jetzt sind alle Länder europäisch." Auf die Frage, ob er schon Kontakt zu Beckenbauer gehabt habe, sagte der Erfolgstrainer nur vieldeutig: "Kein Kommentar".
Hiddink, der beim niederländischen Ehrendivisionär PSV Eindhoven in Personalunion als Trainer und Sportdirektor arbeitet und bis 2007 unter Vertrag steht, ist seit der WM 2002 einer der angesehensten Trainer überhaupt. Den krassen Außenseiter Südkorea hatte der 57-Jährige überraschend bis ins Halbfinale geführt; die Asiaten waren dort erst an der deutschen Mannschaft gescheitert. Mit Real Madrid gewann Hiddink 1998 den Weltpokal, beim PSV den Europacup der Landesmeister 1988 und vier nationale Meisterschaften.
Der erfolgreiche Niederländer hat sich auch bei den deutschen Nationalspielern offenbar bereits einen Namen gemacht - als "harter Hund": "Ich kenne sein Schleifer-Image", sagte Stürmer Thomas Brdaric der "Bild"-Zeitung, "gut, dass wir ihn nur einmal im Monat sehen würden." Kevin Kuranyi, Nationalmannschaftskollege von Brdaric, könnte ein Bundestrainer Hiddink hingegen nicht erschüttern: "Ich hatte Felix Magath."
Auch der dänische Nationaltrainer Morten Olsen ist in der Bundesliga bekannt. Beim 1. FC Köln war der 54-Jährige als Spieler und Trainer aktiv. Zudem spricht er wie Hiddink perfekt Deutsch, laut DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder unabdingbare Voraussetzung für die Völler-Nachfolge. Und auch Olsen ist nicht abgeneigt.
"Es ehrt mich, zum Kandidatenkreis zu zählen. Außerdem ist Deutschland ein großes Fußballland, die Bundesliga gehört zu den fünf stärksten Ligen in Europa. Dazu findet die nächste WM in zwei Jahren in Deutschland statt. Von daher ist es natürlich für jeden Trainer eine reizvolle Aufgabe", sagte Olsen.
Laut "Kicker" soll Olsen mittlerweile sogar der Favorit innerhalb der Trainerfindungskommission sein. Beim DFB sei durchgesickert, was auch in dänischen Verbandskreisen laut wurde: Olsen müsse angeblich nur "Ja" sagen zu einem Angebot des größten Sportverbandes der Welt, dann wären alle anderen Kandidaten aus dem Rennen.
Olsen selbst hat sich bisher noch immer nicht zu einem klaren Dementi durchringen können. "Ich kann und will jetzt nichts sagen. Ich habe einen Job, also warum soll ich Interesse an einem anderen Job dementieren?", sagte er.