BVB-Pleite: Abwehr-Anarchie in Athen - DER SPIEGEL
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BVB-Pleite Abwehr-Anarchie in Athen

Stümperhafte Fehler in der Defensive, harmlose Aktionen in der Offensive: Im Streik-Chaos von Griechenland ging der BVB bei Olympiakos Piräus unter. In dieser Form hat die Klopp-Elf in der Champions League keine Zukunft - zumal das Team nicht aus der naiven Spielweise lernt.
Von Felix Meininghaus
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Es waren keine erfreulichen Rahmenbedingungen, um ein Fußballfest zu begehen. Im von Krisen und Streiks geplagten Athen türmen sich auf den Gehwegen die Müllberge, am Mittwoch eskalierten die Demonstrationen vor dem Parlament. Viele Fußball-Fans aus Dortmund, die die Reise in die griechische Metropole gebucht hatten, wurden Opfer der chaotischen Verhältnisse und erreichten das Stadion nicht.

Jene, die den Weg ins Stadion gefunden hatten, wurden Zeugen eines erneut schwachen Spiels des Deutschen Meisters: Der BVB verlor in Piräus 1:3 (1:2) und muss sich bereits nach drei Spielen in der Champions League schmerzlich eingestehen, dass die Rückkehr in die europäische Königsklasse nach acht Jahren Abstinenz gründlich in die Hose gegangen ist. Nach Toren von José Holebas, Rafik Djebbour und François Modesto für die Gastgeber - für Dortmund traf Robert Lewandowski zum zwischenzeitlichen Ausgleich - rangiert die noch vor fünf Monaten frenetisch bejubelte Borussia in der Gruppe F auf dem letzten Platz und kann damit den Sprung in das Achtelfinale fast schon abhaken.

Nun gelte es, Platz drei zurückzuerobern, der zumindest die Teilnahme in der Europa League garantiert, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Alle anderen Gedanken sollten wir ganz weit weg schieben." Dass es nun wirklich schwer werde, räumte auch Klopp ein, "aber das bedeutet nicht, dass wir die letzten drei Spiele abschenken." In Piräus wurde die Borussia wieder einmal das Opfer ihrer eigenen Naivität. Nicht zum ersten Mal wurden beste Chancen vergeben. Dazu gesellten sich erneut stümperhafte Fehler in der Defensive.

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Champions League: Dortmunds bittere Pleite in Piräus

Foto: Vladimir Rys/ Bongarts/Getty Images

Vor dem 0:1 stand Verteidiger Mats Hummels schlecht, Kollege Marcel Schmelzer verweigerte den Kopfball. Das 1:2 begünstigte ein weiterer Patzer von Neven Subotic, der Gegenspieler Djebbour nicht halten konnte. Sechs Gegentore in den vergangenen beiden Champions-League-Spielen sind der Nachweis fehlender internationaler Klasse: "In Marseille drei Gegentore zu bekommen, ist hart", sagte Klopp, "in Piräus wieder drei zu bekommen, ist brutal."

Olympiakos war mit zwei Niederlagen gestartet, doch die mehr als großzügigen deutschen Gäste spannten den sportlichen Rettungsschirm: "Wir fällen nicht die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment", monierte Außenverteidiger Schmelzer, "und so machen wir uns das Leben schwer." Auch in Piräus führte der BVB am Ende nur bei den statistischen Werten. 56 Prozent Ballbesitz, mehr gelaufen als der Gegner, häufiger aufs Tor geschossen. Die Heimfahrt trat der BVB-Tross dennoch mit einer Pleite an. "Die schießen dreimal aufs Tor und treffen dreimal. Wir schaffen das nicht", sagte Hummels.

"Überhaupt keine Chancen mehr kreiert"

Der erneut formschwache Japaner Shinji Kagawa findet es "nicht erklärbar, warum wir gegen einen solchen Gegner, der wirklich schlagbar ist, so klar verlieren". Die Dortmunder tun sich schwer bei ihrer Ursachenforschung. "Als talentiert aber erfolglos bezeichnet zu werden, ist wirklich schlecht", monierte Klopp: "Wir scheitern an unseren Unkonzentriertheiten, die immer wieder zu Gegentoren führen." Und nach zumindest optisch ansehnlicher erster Halbzeit ließ der BVB in den zweiten 45 Minuten auch nach vorne jede Idee, jeden Elan vermissen.

Nach der Pause habe das Team "überhaupt keine Chancen mehr kreiert", kritisierte Watzke, "wir haben hier völlig zu Recht verloren, da gibt es nichts zu beschönigen." Dortmunds Geschäftsführer sagte, dies sei "von A bis Z ein schrecklicher Tag" gewesen. Dortmunds Stadionsprecher Norbert Dickel erlebte sogar in seinem Hotel hautnah mit, wie die Demonstrationen eskalierten. "Es gibt heftige Straßenkämpfe, und wir dürfen die Fenster nicht öffnen oder rausgehen", berichtete Dickel vor dem Anpfiff: "Und auf der Terrasse in der Lobby bekommst du Tränengas ab." Angesichts der Leistungen des Klopp-Teams dürften auch die Fans feuchte Augen bekommen haben.

Olympiakos Piräus - Borussia Dortmund 3:1 (2:1)
1:0 Holebas (8.)
1:1 Lewandowski (26.)
2:1 Djebbour (40.)
3:1 Modesto (78.)
Piräus: Costanzo - Modesto, Papadopoulos, Mellberg, Marcano - Makoun (73. Maniatis), Orbaiz - Mirallas (90.+1 Fetfatzidis), Ibagaza, Holebas - Djebbour (87. Pantelic)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Gündogan (57. Leitner) - Götze (82. Großkreutz), Kagawa (66. Blaszczykowski), Perisic - Lewandowski
Schiedsrichter: Nijhuis (Niederlande)
Zuschauer: 33.296 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Schmelzer (2)