BVB-Verteidiger Amedick: Die vergessene Alternative - DER SPIEGEL
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BVB-Verteidiger Amedick Die vergessene Alternative

Platz 18 nach zwei Spielen, null Punkte, 2:7 Tore. Borussia Dortmund, mit vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, hat ein massives Abwehrproblem. Die Lösung könnte Martin Amedick heißen, doch der scheint beim BVB keine Rolle mehr zu spielen.
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Es ist einfach, in diesen Tagen die Abwehr des BVB zu verdammen. Und noch einfacher, in Robert Kovac den Hauptschuldigen der Misere zu suchen. Jener Kovac, der in den Spielen gegen Duisburg (1:3) und Schalke (1:4) etliche Male patzte. Der Versuch des 33-Jährigen, seiner Karriere nach einem erfolglosen Engagement bei Juventus Turin neuen Schub zu geben, ist misslungen. Stattdessen scheint sich der Kroate in die Reihe Dortmunder Abwehr-Flops der Marke Baumann, Binz oder Bergdölmo einzureihen. Der BVB ist Tabellenletzter, heute Nachmittag gegen Cottbus (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) muss ein Sieg her.

Einer, der wegen der schwachen Leistungen der Dortmunder Innenverteidigung (auch Christian Wörns war zuletzt indisponiert), seine Chance bekommen könnte, ist Martin Amedick. Vor der Saison 2006/2007 wechselte er vom Zweitligisten Eintracht Braunschweig nach Dortmund. Damals lobte Sportdirektor Michael Zorc, den 1,94 Meter großen Abwehrmann für die "Willensstärke, sich bei uns durchzusetzen". Amedicks Verpflichtung galt als Investition in die Zukunft, für die Zeit nach Christoph Metzelder oder Wörns. Doch nun, ein Jahr und zwei Trainer später, spielt Amedick vornehmlich bei den Amateuren des BVB in der Regionalliga und damit eine Klasse tiefer als vor seinem Wechsel ins Ruhrgebiet. Eine unbefriedigende Situation. "Natürlich ist es nicht mein Ziel, dauerhaft bei den Amateuren zu spielen", sagt der 24-Jährige.

Dabei verlief Amedicks Start in Dortmund verheißungsvoll: Unter Trainer Bert van Marwijk, inzwischen zu Feyenoord Rotterdam zurückgekehrt, rutschte er schnell in die Startelf. Bescheiden hatte er zuvor verkündet, sich in Dortmund "persönlich und sportlich weiterentwickeln" zu wollen und "gute Leistungen abzuliefern". Das gelang Amedick auf Anhieb: Nach dem erfolgreichen Bundesliga-Debüt gegen Mainz 05 (1:1), in dem er den Führungstreffer markierte, absolvierte Amedick - meist als Ersatz für Metzelder – 17 weitere Ligapartien.

Er zeigte in seiner Debüt-Saison, dass er all das mitbringt, was dem BVB heute in der Innenverteidigung fehlt: Kopfballstärke, robustes Zweikampfverhalten und Torgefahr bei Standards. Seine Fairness (keine Gelbe Karte 2006/2007) ist für einen Abwehrspieler bemerkenswert.

Und dennoch scheint Amedick beim neuen BVB-Trainer Thomas Doll keine Chance zu haben: Nicht eine einzige Bundesligaminute spielte er in den elf Spielen unter Dolls Leitung, der das Amt am 26. Spieltag der abgelaufenen Saison von Jürgen Röber übernommen hatte. Gegen Duisburg saß Amedick nicht mal auf der Bank. "Thomas Doll hat mir gesagt, dass er Markus Brzenska noch vor mir sieht. Da war ich dann praktisch die Nummer vier. Das ist im ersten Moment schon enttäuschend", sagt Amedick und fügt selbstkritisch hinzu: "Ich müsste vielleicht auf dem Platz noch präsenter auftreten, noch resoluter." Vor dem Spiel gegen Cottbus hofft Amedick dennoch. Doll muss nach dem schwachen Saisonstart reagieren. "Ich glaube, dass der Trainer nicht nach Namen oder Länderspielen aufstellt, sondern nur nach Leistung. Ich bin mir sicher, dass ich meine Chance bekomme, wenn ich weiter Gas gebe", sagt er.

Die als sicher geltende Ablösung Kovacs kann für Doll allerdings nur der Anfang von umfassenden Umstrukturierungen sein. Philipp Degen beispielsweise versucht seit über zwei Jahren erfolglos zu beweisen, dass er auf der rechten Verteidigerposition ruhigen Gewissens eingesetzt werden kann. Seine Einsätze verdankt der Schweizer einem altbekannten Dortmunder Dilemma: Ähnlich wie Dede auf der linken Seite fehlt ihm ein Konkurrent, der diese Bezeichnung verdient. Florian Kringe, gelernter Mittelfeldspieler, überzeugt ebenso selten wie Degen. Und hinter Dede, dessen Leistungen seit langem nur noch durchschnittlich sind, wartet lediglich der 18-jährige David Vrzogic.

Und weil dem so ist, werden in Dortmund schon wieder neue Spiele gehandelt, etwa der frühere Bayern-Verteidiger Samuel Kuffour. Davon lässt sich Amedick (noch) nicht verrückt machen, schränkt jedoch ein: "Wenn doch noch ein Abwehrspieler verpflichtet würde, dann würde ich mir Gedanken machen."