Als BVB-Anhänger auf Mallorca Und am Nebentisch schimpft der Real-Fan
Von wegen BVB-Südtribüne: Stattdessen weitab auf der Ferieninsel
Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFPFrühbucherangebote sind eine gute Gelegenheit, günstig in den Urlaub zu kommen. Die Reiseanbieter überbieten sich in einer regelrechten Rabattschlacht, der Kunde profitiert und spart. Einziger Haken: Selbst eine Mallorca-Reise will frühzeitig geplant sein. Wer seine Termine Wochen, gar Monate im Voraus kennt, für den ist das kein Hindernis.
Kommt dann aber doch noch ein wichtiges Ereignis dazwischen, gibt es ein Problem.
Was tun, wenn es der Lieblingsverein unerwartet bis ins Halbfinale der Champions League geschafft hat und dort nun gegen Real Madrid spielt? Sogar der Tickethändler des Vertrauens hat schon angefragt, ob Interesse an Karten für das Spiel des Jahres besteht.
Also Umbuchen? Zu hohe Kosten. Stornieren? Für einen Single sicher eine Überlegung wert. In einer Partnerschaft aber keine Option, falls man nicht gerade auf eine Beziehungspause oder Trennung aus ist.
Also geht es mit etwas getrübter Vorfreude auf den anstehenden Urlaub einen Tag vor dem Duell gegen die "Königlichen" zum Flughafen Köln/Bonn. Dass ausgerechnet an diesem Morgen die ersten vereinzelten Madrid-Fans in Deutschland landen und im Terminal lautstark auf sich aufmerksam machen, sorgt nicht unbedingt für bessere Laune. Kurz vor dem Abflug noch ein letzter Check der Nachrichtenlage - und dann das: Götze zu den Bayern. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr kommen.
BVB-Trikot als Trost, Fabregas-Trikot mit falscher Rückennummer
Das BVB-Trikot im Koffer spendet zumindest ein bisschen Trost. So lässt man seinen Club auch fern des Stadions nicht ganz im Stich. Angekommen auf Mallorca wird nichts dem Zufall überlassen. Am Abend dann lockeres Aufwärmen: Der FC Bayern trifft auf Barcelona . Eine gute Gelegenheit, um eine Lokalität für das zweite, wichtige Halbfinale auszukundschaften. Mit einem Fabregas-Trikot als Barça-Fan getarnt geht es auf die Suche nach einer geeigneten Sportsbar. Natürlich gibt es gerade auf der Baleareninsel zahlreiche Lokalitäten, in denen es vor Deutschen nur so wimmelt. Das Spiel dort zu schauen, kommt aber nicht in Frage. Wenn schon in Spanien, dann soll es bitte schön auch die Höhle des Löwen sein.
Die ist schnell gefunden und entpuppt sich als kleine, etwas heruntergekommene Eckkneipe in einem Vorort von Palma, weit ab vom Touristen-Schuss. Neben einigen signierten Trikots des RCD Mallorca hängen zahlreiche Fanschals diverser spanischer Teams an der Wand. An der Bar und an den Tischen sitzen jung und alt bunt gemischt. Eines aber eint die Gäste: Sie sind allesamt Spanier. Die eigene Tarnung fliegt schnell auf, das Fabregas-Trikot hat die falsche Rückennummer. Verdammte Fälscherware! Mangelnde Sprachkenntnisse tun ihr Übriges. Immerhin: In einem Kauderwelsch aus Englisch und ein paar Brocken Spanisch lässt sich klarstellen, dass die eigene Sympathie wirklich Barcelona gehört und nicht den Bayern.
Beim ersten Lewandowski schwindet die Zurückhaltung
Am nächsten Tag hat sich die Lage in der Bar komplett geändert. Nicht vom Publikum, dafür aber von der Stimmung. Ein deutscher Tourist in einem BVB-Trikot ist scheinbar nicht so gern gesehen. Was soll's. Mit etwas Zurückhaltung wird schon nichts passieren. Der eigene Vorsatz lässt sich dann aber nur kurz halten. Bereits nach acht Minuten ist es vorbei damit: Der Treffer vom Robert Lewandowski entfacht den ersten Jubelsturm an diesem Abend.
Ein Madrid-Fan mittleren Alters und mit Ziegenbart kontert mit einem Schwall von spanischen Flüchen (es klingt von der Intonation zumindest danach), beendet wird seine Tirade mit einem unmissverständlichen "FUCK YOU GERMAN". Weiter gejubelt wird trotzdem - in der zweiten Halbzeit gibt es ob der Galavorstellung des BVB auch allen Grund dazu. Nach dem 3:1 leert sich die Bar dann schlagartig, den Elfmeter zum 4:1 und den Schlusspfiff verfolgen nur noch wenige.
Wirkliche Partystimmung will so nicht aufkommen - mit etwas Wehmut wandern die eigenen Gedanken zu den Freunden, die in Dortmund live im Stadion dabei waren. Wird es jemals wieder so einen grandiosen BVB-Sieg ein einem Halbfinale der Champions League zu bejubeln geben? Vermutlich nicht, jedenfalls nicht so schnell.
Diese Erkenntnis sorgt auf dem Rückweg zum Hotel zunächst für erheblichen Frust, wird dann aber doch durch eine andere verdrängt: Sonne, Strand, Meer - Urlaub! Blöd nur, dass es regnet.