Champions League Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude
Als über dem Spielfeld in der Allianz-Arena die Lichter ausgegangen waren, hatten die Bayern-Verantwortlichen ein Problem: Schließlich galt es gegenüber der wartenden Journaille die Freude nicht allzu demonstrativ zur Schau zu stellen. Denn eigentlich ist ein 1:1 in einem Heimspiel gegen Olympique Lyon natürlich kein Grund, in Jubelgeschrei auszubrechen. Schließlich hätte man das als Eingeständnis auslegen können, dass man nach den beiden Niederlagen gegen Hannover und Bremen, die zu allem Unglück auch noch hochgradig verdient waren, ganz schön in Sorge war. Es stand zu befürchten, dass die von Jürgen Klinsmann in die Wege geleiteten Reformen zunächst einmal zu einer völlig verkorksten Hinrunde führen könnten.
So sprach Manager Uli Hoeneß, der vor dem Spiel eigentlich einen Sieg gefordert hatte, fast schon beseelt von einem "schönen Europapokal-Abend". Er habe überhaupt "keine Lust" über die Alltagsprobleme beim deutschen Fußballmeister zu reden. Auch Jürgen Klinsmann wirkte gelöst. Seine Feststellung, dass "der Prozess erst in die Gänge kommt und noch viel Arbeit vor uns liegt", klang diesmal ausgesprochen hoffnungsfroh. Immerhin sei man "sehr stark in die Champions League gestartet", so Klinsmann. Was sich kaum bestreiten lässt: Mit vier Zählern aus zwei Spielen führen die Bayern die Tabelle der Gruppe an.
Doch wichtiger als die nackte Faktenlage ist für den Gemütszustand der Bayern-Verantwortlichen die Tatsache, dass die Zuschauer nach dem Lyon-Spiel zufrieden nach Hause gingen. Schließlich gab es auf dem Feld einiges zu beobachten, das Grund zum Optimismus liefert. Martin Demichelis mag sich als geborener Innenverteidiger sehen, auf der Sechserposition scheint er tatsächlich besser aufgehoben zu sein. Zumindest harmonierte er gegen Lyon prächtig mit Zé Roberto. Zwar unterlief ihm der Lapsus des Tages, indem er den Freistoß von Juninho völlig unmotiviert zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung der Gäste abfälschte. Doch abgesehen von diesem "saublöden" (Bayern-Präsident Franz Beckenbauer) Eigentor zeigte er eine durchweg überzeugende Partie. Das Gleiche gilt für Michael Rensing, der im Tor erstmals in dieser Saison von der ersten bis zur letzten Minute überzeugte und zu Beginn des Spiels einen Kopfball von Fred entschärfte, den wohl die meisten anderen Bundesliga-Keeper hätten passieren lassen müssen. Rensing kann es also. Daran war zuletzt mit gutem Grund gezweifelt worden.
Die Degradierung von Mittelfeldmann Mark van Bommel, der erneut nicht in der Startelf stand, mag ein medial interessantes Thema sein - es gibt sportlich gesehen nicht unbedingt einen Grund, sie in Frage zu stellen. Klinsmann verfuhr mit ihm wie einst bei der WM 2006 mit Oliver Kahn, indem er den Charakter des Degradierten über den grünen Klee lobte ("hat die Situation bravourös angenommen"), um ihn über den Umstand hinwegzutrösten, dass er ihm offenbar schlicht nicht gut genug ist: "Rein sportliche Gründe" hätten den Ausschlag für die Nicht-Berücksichtigung van Bommels gegeben, beschwichtigte Klinsmann. Als sei das für einen Sportler ein tröstlicher Befund.
Die quälendste Erkenntnis der vergangenen Wochen war vielleicht die, dass dem Bayern-Spiel ohne Franck Ribéry die Überraschungsmomente fehlen. Bei den Niederlagen gegen Hannover und Bremen lag hierin einer der Hauptgründe für die enttäuschenden Darbietungen der Bayern. Gegen Lyon lief zwar ebenfalls nicht jede Kombination flüssig, doch es gelang ziemlich oft, das Mittelfeld so flott zu überbrücken, dass Gefahr vor dem gegnerischen Tor entstand.
Zudem hatten die beiden Angreifer, Miroslav Klose und Luca Toni, einen ausgesprochen guten Tag erwischt, so dass das zweite große Medienthema bei den Bayern nicht zum Tragen kam: Nach Lukas Podolski wurde an diesem Abend nicht gerufen. Die Tatsache, dass der Nationalspieler nicht einmal für eine Höflichkeitsminute eingewechselt wurde, hätte ansonsten sicher zu erregten Debatten geführt.