Champions League: FC Schalke 04 zeigt bei Real Madrid Schwächen - DER SPIEGEL
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kicker.tv

Achtelfinal-Aus in Madrid Lehrstunde für die Schalker Jugend

Beim Schalker Champions-League-Aus in Madrid standen acht Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startelf. Das ist beeindruckend, hat aber auch Nachteile: Vor allem in der Defensive ist das junge Team anfällig. Jetzt droht auch noch dem Kapitän eine Pause.
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Gesänge voller Stolz erfüllten die frühlingshafte Nacht, als das Schalker Champions-League-Abenteuer endgültig zu Ende war. Wieder hatte der Revierklub gegen Real Madrid verloren, diesmal nicht 1:6 wie im Hinspiel, sondern nur 1:3 (1:1). Und doch schmetterte die Kurve der königsblauen Anhänger voller Zuneigung: "Wir wollen die Mannschaft sehen, wir wollen die Mannschaft sehen."

Die Spieler kamen nicht mehr. Sie mussten ihre Blessuren pflegen lassen und schlafen gehen, um Kraft für die kommenden Aufgaben zu sammeln. Aber Horst Heldt hatte genau mitbekommen, wie die rund 6000 mitgereisten Schalker ihr Team feierten. "Das ist einfach beeindruckend, ich glaube, in der Form kommt das selten bis gar nicht vor", sagte der Manager. Die treuesten Anhänger scheinen die Mannschaft mit einer Intensität zu lieben wie lange nicht, und das hat gewiss mit der Geschichte dieses Ensembles zu tun.

Acht Spieler, die in der Startelf von Madrid standen, stammen aus der eigenen Jugendabteilung. "Das war schon auf der Fahrt zum Stadion Thema im Bus, darauf kann der ganze Verein stolz sein", sagte Kaan Ayhan, der sein Debüt in der Anfangsformation gab. Gemessen an seiner fehlenden Reife hat der 19-Jährige ein großartiges Spiel gemacht. Insider glauben, dass hier der nächste Julian Draxler oder Max Meyer heranwächst. Der Marktwert der selbstausgebildeten Schalker Spieler wird derzeit auf über 70 Millionen Euro geschätzt. Es wird in den kommenden Wochen noch oft Lobeshymnen auf die "Knappenschmiede" geben, die Ausbildungsabteilung des Klubs.

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Schalkes Aus in Madrid: Blessuren in der Defensive

Foto: Gonzalo Arroyo Moreno/ Getty Images

Aber sind die vielen Eigengewächse in der ersten Elf wirklich ein Grund zur ungetrübten Freude? Oder ist die Tatsache, dass die gesamte Viererkette von Madrid mit selbstausgebildeten Spielern besetzt war (Sead Kolasinac, Joel Matip, Benedikt Höwedes, Tim Hogland) nicht vielleicht auch ein Problem?

Die beachtliche Anzahl von 14 Toren haben die Schalker in Hin- und Rückspiel gegen Real und gegen den FC Bayern insgesamt zugelassen, und das lag nicht zuletzt daran, dass Leute wie Kolasinac und in einigen Momenten auch Kapitän Höwedes überfordert waren. Es sei bei diesem Duell in Madrid, das sportlich längst verloren war, auch darum gegangen, "den einzelnen Spieler zu beobachten", sagte Heldt, "da habe ich vieles Gutes gesehen, bei dem einen oder anderen war ich aber auch enttäuscht, muss ich dazusagen".

Die Einstellung war zwar vorbildlich. "Insgesamt haben wir eine gute Reaktion auf das Hinspiel gezeigt", fand Trainer Jens Keller. Aber die Mannschaft produzierte auch schlimme Fehler. So passte vor dem ersten Tor durch Cristiano Ronaldo (22. Minute) die Abstimmung zwischen Draxler und Kolasinac nicht. Den zweiten Treffer leitete Draxler mit einem katastrophalen Fehlpass ein, wieder traf Ronaldo (74.).

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Schalke in der Einzelkritik: Nur Fährmann und Ayhan halten gegen Real mit

Foto: JUAN MEDINA/ REUTERS

Kolasinac war wie schon im Hinspiel mit diesem Niveau grundlegend überfordert, und all diese Fehler kann Joel Matip dann auch nicht ausbügeln, obwohl er noch am stabilsten wirkt. Hätte der (natürlich ebenfalls selbst ausgebildete) Torhüter Ralf Fährmann nicht wieder eine "Weltklasseleistung" gezeigt, wie Trainer Keller fand, dann hätten die Schalker auch an diesem Abend fünf oder sechs Tore kassiert.

Die defensive Stabilität ist derzeit ein ernstes Problem, und wenn die ersten Diagnosen sich als korrekt erweisen, dann wird auch Höwedes aufgrund einer in Madrid erlittenen Muskelblessur mehrere Wochen fehlen. "Wie es aussieht, ist es ein Muskelfaserriss", sagte Trainer Keller gleich nach dem Spiel.

Höwedes ist der neunte Verletzte, und zeitnah wird nur Jefferson Farfán im Kader zurückerwartet. Wer Höwedes am Samstag gegen Eintracht Braunschweig (15.30 Uhr) und dann am Dienstag im Derby beim BVB (20 Uhr, beides Liveticker SPIEGEL ONLINE) ersetzen soll, vermochte auch Heldt nicht zu beantworten. Kyriakos Papadopoulos, den Keller in Madrid einwechselte, wirkt nach seiner schwerwiegenden Knieverletzung nur noch wie eine schlechte Kopie des grandiosen Spielers, der er einst war. Roman Neustädter wäre eine andere Option - oder auch Nachwuchsmann Ayhan.

Aber kann man mit Hoogland, Ayhan und Kolasinac als Ersatz für die verletzten Stammkräfte in der Viererkette (Höwedes, Felipe Santana, Dennis Aogo, Atsuto Uchida) Dritter in der Bundesliga werden? Trainer Keller meint: Ja. "Das ist unser Hauptziel, sogar Platz zwei ist noch drin", sagte er in Madrid. Sollte das tatsächlich klappen, drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass die Bundesliga vielleicht doch nicht so stark ist, wie in den vergangenen Monaten überall erzählt wurde. Oder die Schalker Jugendarbeit ist wirklich sensationell.

Real Madrid - FC Schalke 04 3:1 (1:1)
1:0 Ronaldo (22.)
1:1 Hoogland (31.)
2:1 Ronaldo (74.)
3:1 Morata (75.)
Real Madrid: Casillas - Nacho, Varane, Sergio Ramos (69. Carvajal), Coentrão - Isco, Alonso (46. Casimiro), Illarramendi - Jesé (8. Bale), Morata, Ronaldo
FC Schalke 04: Fährmann - Hoogland, Höwedes (57. Papadopoulos), Matip, Kolasinac - Ayhan (81. Annan), Neustädter - Obasi, Meyer, Draxler - Huntelaar (46. Szalai)
Schiedsrichter: Karasew (Russland)
Zuschauer: 65.148
Gelbe Karten: Illarramendi (2) - Kyriakos Papadopoulos
Torschüsse: 23:14
Ecken: 9:2
Ballbesitz: 55:45 Prozent

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