Lille vs. Bayern: Ein Tor, viele Tritte
CL-Gruppe F Müller schießt Bayern zum Zitter-Sieg gegen Lille
Hamburg - Manchmal reicht eben auch Durchschnitt. Zumindest wenn es der Durchschnitt ist, für den der FC Bayern derzeit steht. Gegen den OSC Lille zeigten die Münchner eine äußerst durchwachsene Leistung, zudem war die Defensive anfällig - letztlich gelang aber dennoch ein 1:0 (1:0)-Erfolg. Thomas Müller sorgte durch einen verwandelten Elfmeter (20.) für den Treffer des Abends, Philipp Lahm war zuvor gefoult worden. "Das war ein Arbeitssieg, aber auch solche Spiele muss man gewinnen", sagte Trainer Jupp Heynckes, "meine Mannschaft hat gefightet und den Fight verdient gewonnen."
Durch den Sieg haben die Münchner nun sechs Punkte in der Gruppe F, genauso viele wie Valencia und Bate Borissow, das den Spaniern 0:3 im Heimspiel unterlag. Der Erfolg war für den FC Bayerm eminent wichtig, hatte das Team doch zuletzt 1:3 gegen Borissow verloren.
Heynckes wechselte im Vergleich zum 5:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf lediglich auf einer Position: 40-Millionen-Euro-Zugang Javi Martínez kam für Luiz Gustavo. Zu seiner Entscheidung für den Wechsel sagte der Münchner Trainer: "Es ist meine Aufgabe, ihn sukzessive einzubauen. Ich hatte da so ein Bauchgefühl. Gestern und vorgestern im Training hat er gezeigt, was er drauf hat", so Heynckes. Nun ja, auch einen hochdekorierten Trainer wie Heynckes kann der Bauch mal täuschen, Martínez zeigte eine solide, aber keineswegs überragende Leistung.
Bei Lille fehlten wichtige Spieler
Ein anderer Spieler aus Heynckes Kader hatte hingegen vor der Partie für Aufregung gesorgt. So sprach Arjen Robben angesichts seiner zahlreichen Verletzungen von seinem möglichen Karriereende. Sportdirektor Matthias Sammer sagte dazu beim TV-Sender Sky: "Da ist überhaupt nichts dran, das ist Quatsch." Vielleicht handelt es sich bei Robben ja eher um ein Problem der Aufmerksamkeit, denn des Aufhörens. Nun kann er sich auch wieder dem Fußball widmen: Heynckes erklärte nach dem Spiel, dass sich Robben wieder im Training befinde.
Bei den Gastgebern bestimmten hingegen Verletzungssorgen die Schlagzeilen. Etliche wichtige Stammspieler wie Kapitän Rio Mavuba, Nationalspieler Mathieu Debuchy und Marko Basa fehlten - und damit gleich drei Spieler aus der Viererabwehrkette. Die ohnehin schon schwierige Aufgabe gegen den deutschen Rekordmeister, sie wurde dadurch nicht leichter.
Zunächst machte sich das aber nicht negativ bemerkbar. Lille stand sicher und ließ den Münchnern im Angriff nur wenig Raum. Wenn einmal Gefahr aufkam, dann meist über die Seite von Franck Ribéry, der von den Fans mit Pfiffen bedacht wurde, spielte er doch einst für Lille und verließ den Club im Unfrieden. Häufig konnte Ribéry nur mit Fouls gestoppt werden, bereits nach wenigen Minuten sah man es deutlich an seinem verschmutzten Trikot.
Müller verwandelt lässig
In der 15. Minute stand Dante genau richtig gegen Tulio de Melo, der im Münchner Strafraum zum Kopfball kam, aber entscheidend vom Innenverteidiger gestört wurde. Die erste richtige Chance der Bayern sorgte denn auch gleich für das erste Tor. Kapitän Lahm drang über die rechte Seite in den Strafraum ein und wurde gefoult, den fälligen Elfmeter verwandelte Thomas Müller lässig. Manch ein Schiedsrichter hätte die Aktion von Lucas Digne, die zum Strafstoß geführt hatte, als normalen Zweikampf durchgehen lassen, Martin Atkinson aus England tat es nicht.
In der Folge war Lille bemüht, Chancen herauszuspielen, allerdings kontrollierte Bayern das Geschehen weitgehend. Bis zur Pause tat sich denn auf dem Platz auch recht wenig.
Ribéry blieb in der zweiten Halbzeit mit einer Muskelverhärtung in der Kabine, für ihn kam Xherdan Shaqiri. Ein Bruch im Spiel war nicht zu erkennen, die Münchner spielten kontrolliert, Lille engagiert - aber letztlich vollkommen harmlos. Nicht aber, was die Zweikampfhärte anging, die Franzosen kassierten drei Gelbe Karten. Doch auch die Münchner langten ordentlich zu und sahen fünfmal Gelb.
In der 64. Minute landete der Ball an der Hand von Franck Beria, Shaqiri hatte ihn aus nächster Nähe angeschossen, Schiedsrichter Atkinson pfiff aber nicht. Zwar hatte Müller in der 77. Minute noch einmal eine gute Gelegenheit, allerdings drängte in der Schlussphase nur noch Lille auf einen Treffer. Dabei zeigte sich die Münchner Abwehr häufig wenig wackelfest. Und so musste bis zur letzten Sekunde gezittert werden. Letztlich blieb es aber beim Sieg des Bundesligisten. Wenn es läuft, dann läuft es eben.
OSC Lille - Bayern München 0:1 (0:1)
0:1 Thomas Müller (20., Foulelfmeter)
Lille: Landreau - Sidibe, Beria, Chedjou, Digne - Balmont, Pedretti (90. Rozehnal), Martin - Kalou (56. Payet), De Melo, Roux (77. Mendes)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Schweinsteiger, Martínez - Thomas Müller (84. Alaba), Toni Kroos (81. Luiz Gustavo), Ribery (46. Shaqiri) - Mandzukic
Schiedsrichter: Martin Atkinson
Zuschauer: 49.000
Gelbe Karten: Sidibe, Pedretti (2), Digne (2) - Boateng, Martínez, Mandzukic, Shaqiri, Schweinsteiger