Champions League Porto siegt und verliert seinen Superstar
Jeder konnte in seinem Gesicht sehen, wie Decos Herz lachte. Der kleine Brasilianer mit portugiesischem Pass, Träger der Trikotnummer 10 im Team des neuen Champions-League-Gewinners FC Porto, war zum besten Spieler des Finales in der Arena auf Schalke gewählt worden. Er saß auf dem Podium der Pressekonferenz, neben ihm glänzte die riesige Henkeltrophäe. Doch der Beste vom Meister der Meister Europas, den der FC Bayern München sehr gerne für seine Mannschaft gewinnen würde, spielte nach dem 3:0-Sieg gegen den AS Monaco nur noch eine Nebenrolle. Denn auf der anderen Seite des Champions-League-Pokals saß sein Trainer José Mourinho, der kurz vor Mitternacht alle Aufmerksamkeit auf sich zog.
"Ich sage ganz offen und ehrlich, dass ich Porto gerne verlassen möchte", erklärte der 41-Jährige in der Stunde seines größten Triumphes, "ich habe alles gegeben für diesen Club und bin sehr stolz darauf." Für welchen Verein er zukünftig arbeiten möchte, ließ sich Mourinho nicht entlocken, der seit Wochen mit dem FC Chelsea in Verbindung gebracht wird. Immerhin gab er zu, dass er gerne nach England gehen würde, wenn ihn der FC Porto vorzeitig aus seinem Vertrag entließe. "Ich muss noch mehr erreichen, ich werde weiter ehrgeizig sein und will noch besser werden", gab Mourinho als Beweggrund an, dessen Karriere 1994 als Übersetzer von Sporting Lissabons damaligem Coach Bobby Robson eher zufällig begann. Aber bald schon wurde er dessen Scout, bevor er eine Cheftrainerstelle in Leiria fand.
Jeder Schuss ein Treffer
Mit dem FC Porto hat er bereits in zwei Jahren alles erreicht. In der Vorsaison gewann der Club Meisterschaft, Pokal und den Uefa-Cup, jetzt folgte neben der souveränen Titelverteidigung in der portugiesischen Liga die Krönung mit dem Sieg in der Champions League. "Weil wir nicht die besten Fußballer der Welt haben, müssen wir am Spielaufbau und an der Taktik arbeiten", hatte Mourinho vor dem Endspiel sein Erfolgsrezept skizziert. Diszipliniert, in erster Linie auf Torsicherung bedacht und mit einer schier unglaublichen Effizienz im Angriff setzten sich seine Spieler dann auch gegen Monaco durch. Während den Monegassen in 90 Minuten nicht ein einziger Torschuss gelang, war jeder Versuch Portos ein Treffer: Der 19-jährige Brasilianer Carlos Alberto (39.), Deco (71.) und der Russe Dimitri Alenitschew (75.) waren die Torschützen zum 3:0-Erfolg.
Die Vorentscheidung zu Gunsten Portos war jedoch bereits nach 23 Minuten gefallen, als Monacos Kapitän Ludovic Giuly verletzt und deshalb todunglücklich vom Platz humpelte. Bis dahin war der blitzschnelle französische Nationalstürmer, der im Viertelfinale Real Madrid fast im Alleingang ausgeschaltet hatte, wie aufgezogen durch Portos Defensivreihe gerast und hatte in der dritten Minute nur durch eine Grätsche aus dem Lehrbuch von Schlussmann Vitor Baia am Führungstreffer gehindert werden können. "Die Verletzung von Giuly hat es in der Offensive schwierig für uns gemacht", analysierte der schwer enttäuschte ASM-Coach Didier Deschamps den Spielverlauf. Der eingewechselte Kroate Dado Prso konnte ebensowenig wie der spanische Torjäger Fernando Morientes oder der französische Nationalspieler Jérome Rothen die kompakte Abwehrformation Portos in Gefahr bringen.
Mourinho wie ein Kickboxer
Aber erst Carlos Albertos Führungstreffer kurz vor der Halbzeit "zerstörte das Gleichgewicht des Spiels", wie es der eloquente Mourinho beschrieb. Monaco musste von da an mehr riskieren und offerierte Porto Raum für Konter. Als sich seine Schützlinge im Gefühl des ungefährdeten Sieges zu einigen Leichtsinnsaktionen verleiten ließen, sprang Portos Trainer am Rande der Coaching Zone in seinem feinen Zwirn wie ein Kickboxer durch die Luft. Statt den Ball elegant zu vertändeln, sollten Mourinhos Verteidiger das Spielgerät gefälligst aus dem Stadion herausbolzen. Die spanische Sportzeitung "As" hatte nach den Halbfinalspielen zwischen Porto und La Coruna (0:0/1:0) geätzt, dass "den Zuschauern ein Spiel von Mourinhos Mannschaft so viel Vergnügen bereitet wie ein Zahnarztbesuch".
Selbst in der fantastischen Arena "Auf Schalke" war die Stimmung in den finalen 90 Minuten der Champions League auf Grund des wenig spektakulären Fußballspiels überwiegend gedämpft. Erst nach dem Abpfiff schwappten die Emotionen über. Während aber seine Spieler wie kleine Jungs tanzten, lachten und sich im blauen Konfettiregen spaßeshalber balgten, marschierte Erfolgscoach Mourinho mit energischen Schritten auf den Rasen, als wolle er nur schnell das abholen, was ihm nach eigener Ansicht schon lange zusteht: der wichtigste europäische Vereinspokal. Doch plötzlich machte er kehrt und verließ inmitten der Jubelfeier den Innenraum des Stadions. Er hatte erfahren, dass seine Frau und seine beiden Kinder hinter der Porto-Bank aufgetaucht waren. "Bei allem Respekt vor meinen Spielern, Medaillen und Ehrungen - meine Familie ist mir wichtiger", erklärte Mourinho, der nach seiner Rückkehr aufs Spielfeld die Zeremonie der Pokalübergabe kühl, routiniert und distanziert über die Bühne brachte.
Mourinho hat seine Mission in Porto erfüllt. Vor den Journalisten brachte er es auch verbal zum Ausdruck. "Wir haben Geschichte geschrieben, wir haben Fantastisches geleistet", verkündete der Beau, der in vier Sprachen fließend parliert, "dieser Moment ist so süß, wichtiger als die Zukunft." Doch der großartige Selbstdarsteller Mourinho mag sich damit nicht wirklich begnügen. "Wenn es so ist, dass ich in zehn Jahren immer noch keine neuen Pokale gewonnen habe, wäre ich sehr traurig", sinnierte er. Als wenig später die Pressekonferenz mit Deco und ihm beendet wurde, schnappte sich wie selbstverständlich Mourinho die Champions-League-Trophäe und trug sie persönlich hinaus. So als wolle er zeigen: Ehre wem Ehre gebührt.
FC Porto - AS Monaco 3:0 (1:0)
1:0 Carlos Alberto (39.)
2:0 Deco (71.)
3:0 Alenitschew (75.)
Porto: Baia - Valente, Carvalho, Costa, Ferriera - Maniche, Costina, Mendes - Deco (84. Emanuel) - Carlos Alberto (60. Alenitschew), Derlei (77. McCarthy)
AS Monaco: Roma - Ibarra, Rodriguez, Givet (71. Squillaci), Evra - Cissé (64. Nonda), Bernardi, Zikos - Giuly (23. Prso), Morientes, Rothen
Zuschauer: 53.040 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Nielsen (Dänemark)
Gelbe Karten: Valente, Carlos Alberto / -