Champions League: Rot für Frings, Schalke ohne Tor
Champions League Werder vor dem Aus
Hamburg - Am Ende hätten sie ein Wunder gebraucht. Eines dieser Spiele, von denen sie in Bremen so viele gesehen haben. Wenn fast schon alles verloren schien, Werder die Partie am Ende aber doch noch gewann. Doch ein Wunder gab es am Dienstagabend nicht. 0:2 (0:0) unterlag Bremen daheim in der Champions League Twente Enschede und ist nun Letzter der Gruppe A. "Jetzt ist eine Riesenenttäuschung da. Die Mannschaft muss aufgebaut werden", sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem Abpfiff.
An der Weser beginnt jetzt das große Rechnen und Hoffen. Theoretisch ist das Achtelfinale der Königklasse noch möglich. Wenn Werder seine beiden ausstehenden Spiele gegen Inter Mailand und Tottenham Hotspur gewinnt, wenn die Engländer zudem gegen Enschede unentschieden spielen, und wenn die Niederländer auch gegen Mailand nicht gewinnen, würde Bremen die K.o.-Runde der Champions League erreichen.
Sehr viele "Wenn's", zumal Werder noch auf die beiden stärksten Mannschaften der Gruppe trifft. Zu was Inter in der Lage ist, weiß das Team von Trainer Thomas Schaaf spätestens seit der 0:4-Niederlage im Hinspiel. Und Tottenham stellte an diesem Spieltag beim 3:1 (1:0)-Heimsieg gegen Mailand seine Klasse unter Beweis. Rafael van der Vaart (12. Minute), Peter Crouch (61.) und Roman Pavlyuchenko (89.) erzielten die Treffer für den Premier-League-Club, Samuel Eto'o (80.) gelang der zwischenzeitliche Anschlusstreffer für den Titelverteidiger.
Umso bitterer ist Bremens Niederlage gegen Enschede, da Werder vor 30.200 Zuschauern eine gute Leistung zeigte. Die Gastgeber setzten von Beginn an auf Offensive, waren dafür allerdings auch anfällig in der Abwehr. Im ersten Durchgang besaß Twente durch Luuk de Jong (14.) und zweimal Marc Janko (17./23.) gute Gelegenheiten durch Konter.
Hugo Almeida mit zwei Riesenchancen nach der Halbzeit
Doch auch Werder hätte zur Pause führen können. Nach 38 Minuten fehlten Stürmer Hugo Almeida nur wenige Zentimeter, um eine Flanke von Marko Marin verwerten zu können. Kurze Zeit später traf Claudio Pizarro den Innenpfosten. Auf der anderen Seite vergab Bryan Ruiz zweimal aus aussichtsreicher Position (39./44.).
Auch nach dem Seitenwechsel hatten beide Teams gute Möglichkeiten, Bremen sogar die deutlich besseren. Doch Almeida scheiterte mit zwei Riesenchancen am starken Enschede-Torwart Nikolai Mihajlov (52./55.). Für Twente traf Nacer Chadli nur den Pfosten (57.).
Weil die Chancen da waren, die Tore aber nicht fielen, deutete mit zunehmender Spielzeit alles auf ein torloses Unentschieden hin - bis zur Schlussviertelstunde. Nach einer Notbremse sah Werder-Kapitän Torsten Frings, der auf der ungewohnten Position des Innenverteidigers spielen musste, die Rote Karte (76.). Bremen spielte auch in Unterzahl mutig nach vorne, wurde jedoch klassisch ausgekontert. Chadli (81.) und de Jong (84.) erzielten die späten Tore für Twente.
"In der Summe machen wir zu viele Fehler in unserem Spiel, und das wird bestraft. Das sind so Spiele, da muss man die Tore machen. Twente war ein cleverer Gegner", kommentierte Allofs die Partie. Zu der Konstellation in der Bremer Gruppe sagte er: "Natürlich ist das keine Situation, die uns gefällt. Aber wir glauben an diese Mannschaft."
Doch nicht nur das Achtelfinale der Champions League ist in weiter Ferne, auch mit dem Erreichen der K.o.-Runde der Europa League als Gruppendritter sieht es nicht gut aus. Werder muss gegen Inter und Tottenham mindestens vier Punkte holen und Twente beide Spiele verlieren, ansonsten ist Bremen nach der Winterpause international gar nicht mehr dabei. Anders ausgedrückt: Es braucht ein großes Wunder von der Weser.
Werder Bremen - Twente Enschede 0:2 (0:0)
0:1 Chadli (81.)
0:2 de Jong (84.)
Bremen: Mielitz - Prödl, Mertesacker, Frings, Wesley - Jensen - Bargfrede (59. Arnautovic), Hunt - Marin - Pizarro, Almeida
Enschede: Mihaylov - Rosales, Wisgerhof, Douglas, Leugers - Landzaat, Bengtsson (76. Schimpelsberger) - de Jong (90.+1 Stockentree) - Ruiz, Janko, Chadli (86. Vujicevic)
Schiedsrichter: Hamer (Luxemburg)
Zuschauer: 30.200
Rote Karten: Frings (Bremen, 75.) wegen Notbremse
Gelbe Karten: - Douglas (2), Leugers, Bengtsson
Neuer rettet Schalke einen Punkt in Tel Aviv
Etwas besser als für Bremen ist die Ausgangslage für den FC Schalke nach einem schwachen 0:0-Unentschieden bei Hapoel Tel Aviv. In der Gruppe B liegt S04 mit sieben Punkten auf Platz zwei hinter Olympique Lyon (neun Zähler), das jedoch 3:4 (0:3) beim Dritten Benfica Lissabon verlor. Alan Kardec (20.), Fabio Coentrao (32./67.) und Javi Garcia (42.) brachten die Portugiesen 4:0 in Führung, Youri Gourcuff (75.), Bafetimbi Gomis (85.) und Dejan Lovren (90.+5) verkürzten anschließend für die Franzosen.
Damit könnte Schalke am sechsten und letzten Spieltag eine Art "Endspiel" um den Einzug ins Achtelfinale in Lissabon bevorstehen. Fest steht allerdings schon jetzt: Gewinnt der Bundesligist in Portugal, steht er in der K.o.-Runde der Königsklasse. Und fest steht auch: Durch das glanzlose Unentschieden hat S04 Platz drei sicher und ist mindestens für die Europa League qualifiziert.
Rechte Schalker Abwehrseite als Problemstelle
Schalke hatte es in erster Linie Keeper Manuel Neuer zu verdanken, dass es den so wichtigen Punkt aus Tel Aviv mitnahm. Der Nationaltorwart rettete mehrfach für seinen Club. Dabei war der vor 12.132 Zuschauern anfangs überlegen, verpasste es aber, sich klare Tormöglichkeiten herauszuspielen. Stattdessen prüfte Toto Tamuz mit einem Distanzschuss Neuer das erste Mal (18.). Mit dem Schwung der ersten guten Aktion übernahm Hapoel das Kommando und leitete seine Angriffe immer wieder über die rechte Schalker Seite ein, auf der Atsuto Uchida große Probleme mit den schnellen Stürmern der Gastgeber hatte.
Der Japaner verlor auch das entscheidende Kopfballduell gegen Ben Sahar vor der größten Chance der ersten Halbzeit. Neuer rettete jedoch aus kurzer Distanz mit einer starken Parade gegen Eran Zahavi (29.), der vollkommen frei vor ihm auftauchte. Auf der anderen Seite konnte sich Hapoel-Schlussmann Vincent Enyeama mit einer schönen Flugeinlage bei einem Freistoß von Sergio Escudero (34.) auszeichnen.
Schalke-Trainer Magath: "Zu Null ist natürlich etwas Erfreuliches"
Auch nach der Pause zeigte der israelische Meister, warum er vergangenes Jahr in der Europa League vor heimischer Kulisse den Hamburger SV, Celtic Glasgow und Rapid Wien bezwungen hatte. Nach einem Hackentrick von Shay Abutbul stürzte sich Neuer in letzter Sekunde im Fünf-Meter-Raum auf den Ball (55.). Nur vier Minuten später war der beste Schalker vor Salim Toama erneut auf dem Posten.
Auch in der Schlussphase stand Neuer im Mittelpunkt. Nach 70 Minuten hielt der 24-Jährige einen Kopfball von Yossi Shivon, wenig später strich ein Schuss des Israelis nur knapp am Tor vorbei. "Zu Null ist natürlich etwas Erfreuliches", sagte Schalkes Trainer Felix Magath und hob damit den einzig positiven Aspekt des Auftritts seiner Mannschaft heraus.
Hapoel Tel Aviv - Schalke 04 0:0
Tel Aviv: Enyeama - Bondarv, Badeer, Da Silva (42. Fransman), Ben Dayan - Vermouth, Zehavi, Abutbul, Toama (61. Shivhon) - Tamuz, Sahar (70. Mare
Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes, Metzelder, Escudero - Kluge (46. Moritz), Rakitic (74. Edu) - Farfan (81. Deac), Jurado - Raúl, Huntelaar
Schiedsrichter: De Bleeckere (Belgien)
Zuschauer: 15.000
Gelbe Karten: Zehavi, Badeer (2) - Rakitic, Jurado, Huntelaar, Höwedes