Sieg in Ingolstadt Chicharito rettet Leverkusens Hinrunde
Leverkusens Stürmer Chicharito: 19 Tore in 22 Pflichtspielen
Foto: AP/dpaRudi Völler setzte in der Interviewzone gerade zu versöhnlichen Worten über die abgeschlossene Hinrunde an, da tauchte Stefan Kießling in seinem Rücken auf. Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen erblickte ihn, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: "Du bist schon alt genug, um mich abzulösen." Da grinste Kießling frech, blickte die Journalisten an und sagte: "Habt ihr das schriftlich?"
Sie haben nun auch emotional noch einmal die Kurve bekommen beim Werksklub, und sind pünktlich zur Winterpause auch wieder zu Scherzen aufgelegt, nachdem sie im Endspurt drei Pflichtspiele in Serie gewonnen haben. Der 1:0-Erfolg beim FC Ingolstadt war zwar ein erwartungsgemäß hartes Stück Arbeit, Trainer Roger Schmidt sprach von dieser Partie als "eine der schwersten Aufgaben in der Bundesliga". Doch letztlich hatte es sein Team im 28. Pflichtspiel seit Anfang August geschafft, auch diese kampfbetonte Partie für sich zu entscheiden.
Mann des Spiels war selbstredend der mexikanische Angreifer Chicharito, der in der 73. Minute nach Zuspiel von Karim Bellarabi traf. In der zweiten Halbzeit habe man auch "etwas mehr Struktur im Spiel" gehabt, fand Schmidt. In gewisser Weise war diese Partie ein Abbild der Leverkusener Hinrunde geworden: Schwer reingekommen, phasenweise hat man sich sogar den Schneid abkaufen lassen, aber hinten raus spielte man vorne effizient und in der Abwehr konzentriert.
19 Tore in 22 Pflichtspielen für Chicharito
Da passte es natürlich auch ins Bild, dass Chicharito getroffen hatte. Der Angreifer hat nun in 22 Pflichtspielen 19 Tore erzielt. "Der letzte Part der Saison war besser als der Anfang. Für mich ist es wichtig, einen Rhythmus zu haben, im Spiel zu sein", sagte der 27-Jährige. Es ist ein guter Rhythmus, denn er trifft fast exakt alle 90 Minuten. "Das ist ein Transfer, wie wir ihn uns vielleicht erträumt, aber nicht erwartet haben", sagt Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade: "Man kann sich gar kein Spiel mehr ohne ihn vorstellen. Großartig." Auch Schmidt hob den Angreifer und seine Effizienz heraus und merkte an: "Es ist selten für uns, dass wir so ein ausgeglichenes Spiel gewinnen."
Teambildende Maßnahmen aus der Kurve
Für die Verantwortlichen ist Chicharito der gefeierte Held, für die Fans ist es Stefan Kießling. Dieser stand bei den drei erfolgreichen Partien zum Abschluss wieder in der Startelf, schoss dabei drei Tore und spielte auffällig. Nach dem Schlusspfiff wurde er dann überrascht. "Ich habe es zuerst gar nicht mitbekommen", erzählte er über die Aktion der Fans im Gästeblock. Dort hatten schon einige während des Spiels Trikots mit seiner Nummer 11 in die Höhe gehalten, nach dem Schlusspfiff waren es gute 100. Kießling bekam ein Shirt mit der Aufschrift "Für immer 11" geschenkt, er zog es sofort an. "Gänsehaut pur.", sagte der Angreifer später über die Fanidee.
Schmidt erklärte Kießling natürlich für "wichtig" in den zuletzt erfolgreichen Spielen. Doch das Lob an seine Adresse fiel deutlich schwächer aus als für Chicharito. "Ich freue mich, dass er hinten raus für die Mannschaft da war. Aber es ist auch etwas leichter, wenn die Mannschaft geschlossen auftritt, dann sieht jeder Einzelne besser aus."
Unabhängig von der genauen Aufgabe im Spiel hat Kießling in Leverkusen eine ähnliche Funktion wie Claudio Pizarro bei Werder Bremen: Ihre Präsenz ist den Fans wichtig. Wenn dann im Falle Kießlings, der seit fast zehn Jahren für Leverkusen spielt, ein Abschied droht, kommen die teambildenden Maßnahmen auch mal aus der Kurve.