Christoph Daum Lockruf vom Bosporus
Hamburg - Die sportliche Zukunft von Daum könnte schon bald in der Türkei liegen. Zwei Tage nach seinem öffentlichen Drogenbekenntnis berichten verschiedene Sonntagszeitungen über Angebote von Besiktas und Fenerbahce Istanbul. Angeblich stapeln sich die Anfragen, auch von italienischen und griechischen Erstligaclubs. Daum selbst erklärte am Freitag: "Vor
April wird sicher keine Entscheidung fallen. Aber ich gehe davon aus, dass ich im Sommer wieder umziehen werde."
"Habe mich in der Türkei sehr wohl gefühlt"
Kontakte zum Bosporus hat der 47 Jahre alte Fußball-Lehrer seit seinem Engagement bei Besiktas (1994 bis 1996). Noch im letzten Jahr, als Daum in Diensten von Bayer stand, sorgte ein Millionenangebot von Fenerbahce für Unruhe bei Bayer Leverkusen. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll Daum am Samstag ein türkisches TV-Team zu Hause empfangen haben. "Ich habe mich in der Türkei sehr wohl gefühlt und wurde jederzeit positiv angenommen. Auch in den schweren Zeiten. Das beeinflusst schon meine Entscheidung, wo
ich künftig arbeiten werde", betonte Daum.
Zwar stehen mit Nevio Scala bei Besiktas und dem türkischen Nationaltrainer Mustafa Denizli bei Fenerbahce zwei prominente Fußball-Lehrer unter Vertrag, doch beiden droht bei Erfolglosigkeit heftiger Gegenwind. Fenerbahce-Präsident Aziz Yilderim: "Wenn sein
Fall abgeschlossen ist, ist Daum für uns ein interessanter Mann."
Zweifel und Kritik an Daums Aussagen
In Deutschland wächst unterdessen die Kritik an den Aussagen Daums auf seiner Pressekonferenz in Köln. Nach Ansicht vieler Experten hat Daum das Drogenproblem bagatellisiert. "Es kann nicht sein, dass man bei so einem Wert nur gelegentlich Kokain konsumiert hat", sagt Hans Sachs vom Gerichtsmedizinischen Institut in München. Er bezieht
sich dabei auf den bei der Haarprobe festgestellten und als ungewöhnlich hoch eingestuften Wert von 70 Nanogramm Kokain.
"Dreist und anbiedernd"
Auch Daums Begründung, er habe die Drogen wegen Arthroseschmerzen und aus Angst vor einer Operation genommen, stößt auf Unverständnis. "Das von Herrn Daum konsumierte Kokain entspricht diesen Anforderungen nicht, sondern führt im Gegenteil zu einem schnellen
Wirkstoffanstieg und damit zu dem von Abhängigen gesuchten Kick", erklärte Gerhard Müller-Schwefe, Präsident des Schmerztherapeutischen Kolloquiums.
Als "ein bisschen dreist und anbiedernd" bezeichnete Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS), Daums Angebot, bei der Kampagne "Keine Macht den Drogen" mitwirken zu wollen. Man könne nicht einfach vom Konsum zur
Prävention überspringen, sagte er im "Saarländischen Rundfunk".