CL-Qualifikation Brügge lässt Dortmund erschaudern
Nyon - Die Auslosung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Nyon bescherte Bundesligist Borussia Dortmund das brutalst mögliche Los: den FC Brügge, den souveränen Meister der belgischen Liga. Beide Clubs gehören zu den 18 Mannschaften in Europa, die erst in der dritten und damit letzten Runde in die Champions-League-Qualifikation einsteigen. Der Sieger des Duells darf in der kommenden Saison in der europäischen Königsklasse mitkicken, für den Verlierer bliebt nur der Start im Uefa-Cup.
BVB-Trainer Matthias Sammer warnte seine Mannschaft bereits vor dem unangenehmen Gegner: "Wir müssen in einer Top-Verfassung sein." Jedenfalls in einer besseren Verfassung als am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison: Gegen den bereits feststehenden Absteiger Energie Cottbus hatte Sammers Truppe nur ein blamables 1:1 zustande gebracht, so die Vizemeisterschaft und damit die direkte Qualifikation für die Champions League verspielt.
Präsident Gerd Niebaum versuchte, seine Kicker bei der Ehre zu packen und forderte Revanche für die 0:5-Pleite beim FC Brügge im Uefa-Cup-Achtelfinal-Rückspiel der Saison 87/88. Das Hinspiel hatten die Dortmunder noch sicher mit 3:0 gewonnen. "Wir wollen diese Schmach tilgen", feuerte Niebaum seine Balltreter an. Einen Vorteil hat die Borussia dieses mal auf ihrer Seite: Schon das Hinspiel ist in Brügge, so dass Dortmund das entscheidende Rückspiel vor bis zu 83.000 Zuschauern im heimischen Westfalenstadion bestreiten kann.
Manager Michael Meier aber wünscht sich die Hilfe der eigenen Fans schon im ersten Match: "Brügge ist gut zu erreichen. Wir rechnen deshalb schon im Hinspiel mit lautstarker Unterstützung."
Im letzten Jahr scheiterte Dortmund in der Zwischenrunde der Champions League, der FC Brügge bereits in deren Vorrunde und anschließend in der dritten Runde des Uefa-Pokals am VfB Stuttgart. Europaweit haben sich bereits 16 Vereine direkt für die diesjährige Champions League qualifiziert, darunter auch der deutsche Rekordmeister Bayern München und der Vizemeister aus Stuttgart.
Wie viele Vereine aus einem Land an der Champions League teilnehmen dürfen, richtet sich nach der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa. Hier belegt Deutschland hinter Spanien, Italien und England derzeit nur Rang vier vor Frankreich. Die Ränge eins bis drei in der Fünf-Jahres-Wertung bedeuten für das Land zwei feste Champions-League-Plätze, zwei Plätze in der Champions-League-Qualifikation und zwei Uefa-Pokal-Plätze (2/2/2), während die Ränge vier bis sechs nur einen Platz in der CL-Qualifikation ergeben (2/1/2).
Die Fünf-Jahres-Wertung wird nach jeder Saison neu erstellt, wobei die Werte der ältesten berücksichtigten Spielzeit durch die eben zu Ende gegangene ersetzt wird. Ein Sieg im Europacup gibt zwei Punkte, ein Unentschieden einen, Viertel-, Halb- und Finalqualifikationen werden jeweils mit einem Zusatzpunkt belohnt, ebenso der Vorstoß in die Champions League. Die errungenen Punkte der Klubs eines Verbandes werden addiert und durch ihre Anzahl dividiert. Daraus ergibt sich der Koeffizient.
Ein frühes Ausscheiden wie das von der "Lokomotive" Bayern München im letzten Jahr in der ersten Gruppenphase der Champions League ist also nicht nur für den betroffenen Verein ein Desaster.