Comeback: Klinsmann setzt auf Spaßfußballer Deisler - DER SPIEGEL
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Comeback Klinsmann setzt auf Spaßfußballer Deisler

Vor einem Jahr musste Sebastian Deisler noch um seine Karriere fürchten - am Mittwoch gibt der Mittelfeldspieler sein Comeback in der Nationalmannschaft. Bundestrainer Jürgen Klinsmann will den 24-Jährigen gegen Weltmeister Brasilien sogar von Anfang an einsetzen.
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Berlin - "Er ist gut drauf, hat Spaß bei jeder Trainingseinheit und auch außerhalb des Trainings", sagte Klinsmann, "es ist schön, dass er sich wohl fühlt." Zusammen mit Bernd Schneider und Kapitän Michael Ballack soll Deisler, der zuletzt am 7. September 2003 beim 0:0 in Island das DFB-Trikot getragen hatte, das von Klinsmann geforderte Offensivspiel ankurbeln - ausgerechnet gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien (20.45 Uhr/live im SPIEGEL ONLINE Ticker).

Bei seinem Debüt als Bundestrainer vor drei Wochen in Österreich hatte Klinsmann auf Anraten von Felix Magath noch auf eine Berufung Deislers verzichtet. Der Bayern-Coach wollte mit einem verfrühten Nationalmannschafts-Comeback den behutsamen Aufbau des Hoffnungsträgers nicht gefährden. Und Druck wird auf Deisler wohl auch weiterhin nicht ausgeübt. "Wir nehmen sein Tempo auf und folgen ihm Schritt für Schritt auf dem aufsteigenden Ast", erklärte Klinsmann.

Deisler selbst jedoch will offenbar nicht mehr geschont werden. "Ich spüre, dass es von Tag zu Tag besser wird", erklärte der Rückkehrer. Und der Auftritt gegen Brasilien soll auch nur der Anfang sein. Denn in 22 Monaten wird - ebenfalls im Berliner Olympiastadion - das WM-Finale stattfinden. "Das ist ein Riesentraum von mir", sagte Deisler, der bisher lediglich auf eine erfolglose Europameisterschaft 2000 unter Teamchef Erich Ribbeck zurückblicken kann. Damals war er zudem nur Mitläufer, Klinsmann hingegen hat Deisler für die WM 2006 eine tragende Rolle reserviert: "Er ist in unseren Planungen eine feste Größe."

Vom verletzungsanfälligen und kranken Supertalent zum Hoffnungsträger für die WM - der 20-malige Nationalspieler hat in den vergangenen zwei Jahren eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Keine Rede ist mehr von seiner schweren Knieverletzung, erlitten 2002 im Spiel gegen Österreich, die ihn die WM-Teilnahme gekostet hatte und beinahe die Karriere.

Auch keine Rede ist mehr von den Depressionen, der stationären Behandlung, der Kapitulation vor dem öffentlichen Druck. Zu verdanken habe Deisler dies vornehmlich der Fürsorge seines Arbeitgebers, betonte Michael Ballack. "Das hat der FC Bayern perfekt gemacht. Dort hat man ihn behutsam aufgebaut und während der Krankheit immer das Gefühl gegeben, dass er ein Teil der Mannschaft ist."

Auch für weitere Akteure im deutschen Team hat der Klassiker gegen den fünfmaligen Weltmeister Richtung weisenden Charakter. Im Tor kann Oliver Kahn über 90 Minuten sein WM-Final-Trauma überwinden. Beim 0:2 gegen die Brasilianer am 30. Juni 2002 in Yokohama hatte ein Fehler des Keepers die Niederlage erst eingeleitet.

Und vor Kahn werden aufgrund der Ausfälle von Arne Friedrich, Christian Wörns und Jens Nowotny wohl die beiden Bremer Frank Fahrenhorst und Frank Baumann die Innenverteidigung bilden. Besonders auf Fahrenhorst, der erst sein zweites Länderspiel bestreitet, kommt gegen die Starstürmer Ronaldo und Adriano eine schwere Aufgabe zu.

Im Angriff ist Kevin Kuranyi gesetzt. Der Stuttgarter hatte bei der erfolgreichen Premiere von Klinsmann beim 3:1 in Österreich alle drei deutschen Treffer erzielt. Neben Kuranyi wird wohl erneut der Schalker Gerald Asamoah, der in Österreich durchaus gefallen konnte, eine Bewährungschance erhalten.